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Prozess: Prominente Zeugen im Schadenersatzprozess

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Im Schadenersatzprozess gegen die Deutsche Bank und Rolf Breuer traten zahlreiche Wirtschaftsgrößen als Zeugen auf. Nachfolgend eine Auswahl:
München/dapd. 

Friede Springer: Die Verlegerin reiste zweimal als geladene Zeugin nach München. Im November 2011 wurde sie unbefragt wieder nach Hause geschickt, da der Prozess wegen eines Befangenheitsantrags der Anwälte der Deutschen Bank unterbrochen wurde. Im Mai 2012 sagte sie aus. Dabei erklärte sie, dass sie schon frühzeitig Interesse an dem Aktienpaket Leo Kirchs am Axel-Springer-Verlag gehabt hätte. Dass es frühzeitige Absprachen mit der Deutschen Bank gegeben hätte, die das Paket als Sicherheit für ein Kirch-Darlehen hatte, verneinte sie jedoch.

Josef Ackermann: Der frühere Vorstandschef der Deutschen Bank sagte im Mai 2011 aus - am selben Tag wie der damalige Aufsichtsratschef des Kreditinstituts, Clemens Börsig. Ackermann bestritt den Vorwurf, seine Bank habe Kirchs Medienkonzern Anfang 2002 gezielt in die Enge getrieben, um ein lukratives Beratungsmandat für die Zerschlagung der Gruppe zu erhalten. „Ich wollte kein Mandat von Herrn Kirch“, sagte Ackermann. Das Gericht ließ allerdings Zweifel erkennen.

Thomas Middelhoff: Der frühere Bertelsmann-Vorstandschef trat im Juni 2011 als Zeuge vor Gericht auf. Er sagte, der damalige Deutsche-Bank-Chef Breuer habe sich wegen der Kreditbeziehungen mit Kirch so „zugeknöpft verhalten“, dass die Gespräche ergebnislos geblieben seien. Middelhoff widersprach der Vermutung, die Bank habe sich mit der Konkurrenz gegen Leo Kirch verschworen wollen: „Wir teilen jetzt Kirch auf - das hat es nicht gegeben.“

Leo Kirch: Weniger als ein halbes Jahr vor seinem Tod sagte der frühere Medienunternehmer Leo Kirch im März 2011 selbst vor Gericht aus. Als 84-jähriger, schwer kranker Mann wurde er im Rollstuhl vor den Richtertisch gefahren und erklärte dem Senat mit stockender, kaum hörbarer Stimme, jedes Wort bereite ihm große Mühe. Eine langjährige Mitarbeiterin wiederholte jede seiner geflüsterten Antworten laut wie eine Dolmetscherin. Kirch machte die Bank und Breuer persönlich für die Pleite des KirchMedia-Konzerns im April 2002 verantwortlich.

Dieter Hahn: Der frühere Geschäftsführer und enge Vertraute von Leo Kirch, Dieter Hahn, sagte als letzter Zeuge im Prozess vor dem Oberlandesgericht aus. Hahn berichtete davon, wie ein geplanter Milliardendeal zwischen der Kirch-Gruppe und dem Disney-Konzern zu Ostern 2002 geplatzt sei. Der Manager sagte, dass Disney sich gegen den Kauf von Anteilen an der TV-Senderkette ProSiebenSat.1 entschieden habe, die damals zu Kirch gehörte. Das sei mit Unsicherheiten begründet worden, die auch auf das Interview Breuers zur Kreditwürdigkeit Kirchs zurückzuführen seien.

Gerhard Schröder: Den früheren Bundeskanzler wollte das Gericht auch vernehmen. Doch dieser verweigerte unter Berufung auf das Grundgesetz seine Aussage. Schröder hatte Anfang 2002 mit WAZ-Verleger Erich Schumann und Thomas Middelhoff über eine mögliche Übernahme der Kirch-Gruppe durch den australischen Medienzar Rupert Murdoch gesprochen.