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Luftfahrt: Dreamliner wird für Boeing zum Albtraum

Uhr | Aktualisiert 16.01.2013 22:03 Uhr

Nach der Notlandung im japanischen Takamtsu verlassen Passagiere per Rutsche den Dreamliner. (FOTO: RTR)

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Immer neue Probleme rücken Boeings Prestige-Flugzeug 787 "Dreamliner" in ein schlechtes Licht. Am Mittwoch musste eine Maschine in Japan notlanden, 24 von bisher 49 ausgelieferten Maschinen bleiben erst einmal am Boden.
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Berlin/MZ. 

Die Einschätzung ist treffend: Als "sehr befremdlich" hat Michael Barr, Luftfahrtexperte an der Universität von Southern California, bezeichnet, was gerade mit der Boeing 787, dem Dreamliner, passiert. 24 der bislang 49 ausgelieferten Maschinen bleiben erst einmal am Boden. Der Grund: Am Mittwoch musste eine Maschine der japanischen All Nippon Airways (ANA) in Takamatsu notlanden. 137 Passagiere wurden in Sicherheit gebracht. Laut Behörden meldeten die Bordinstrumente den Ausfall einer Batterie und Rauchentwicklung. Passagiere berichteten von einem starken Geruch nach verbranntem Plastik.

Prüfung angeordnet

ANA lässt nun ihre 17 Jets vom Typ Boeing 787 eingehend untersuchen. Japan Airlines (JAL) macht das Gleiche mit ihren sieben Maschinen. Frühestens morgen werden sie wieder fliegen. Nach ersten Untersuchungen soll eine Batterie defekt sein.

Wieder die Akkus: Schon vorige Woche war nach der Landung eines Dreamliners in Boston eine Batterie explodiert. Und das war nicht der einzige Vorfall in den vergangenen Wochen. Ein Cockpitfenster ist bei einer Maschine zersprungen. Es gab zweimal Lecks bei Treibstoffleitungen, und die Software für die Steuerung der Bremsen hat nicht funktioniert. Und immer wieder gibt es mit der Elektrik und der Stromversorgung Probleme.

Der erste Dreamliner wurde Ende 2011 in Dienst gestellt. Bei solch einem jungen Flugzeugmodell sind kleinere technische Mängel unvermeidbar. Doch Luftfahrtexperte Barr und andere Fachleute bezweifeln inzwischen stark, dass sich die große Zahl der Vorkommnisse beim Dreamliner mit den üblichen Kinderkrankheiten noch erklären lässt. Insider berichten, dass mehrere Dutzend eigentlich fertige Dreamliner auf dem Gelände der Boeing-Fabrik nahe Seattle stehen.

Offenbar muss an den Maschinen noch nachgearbeitet werden. Immer mehr drängt sich der Verdacht auf, dass Boeing die Fertigung nicht im Griff hat, was das Management natürlich bestreitet.

Neuartige Leichtbauweise

Der Dreamliner ist das technisch ambitionierteste Passagierflugzeug weltweit. Große Teile des Rumpfs und der Tragflächen werden aus neuen Leichtbau-Materialien gefertigt. Der Anteil elektrischer Steuerungen ist enorm hoch, um Gewicht zu sparen. Deshalb werden Lithium-Ionen-Hochleistungsbatterien eingesetzt. Auch das gab es bislang noch nie in Passagierfliegern. Zugleich steht Boeing unter massivem Druck. Viele Airlines warten schon lange auf ihre Dreamliner. Der Konzern liegt gut drei Jahre hinter seinem ursprünglichen Zeitplan. 800 Maschinen sind noch bestellt. Das Fertigungstempo soll deshalb deutlich erhöht werden. Gut möglich, dass dies noch mal revidiert wird.

Deutsche Gesellschaften fliegen die Maschine bisher nicht. Allerdings hat Air Berlin 15 Exemplare bestellt. Die Tui-Veranstaltertochter Tui Travel mit ihrer Fluglinie Tuifly will 13 Dreamliner abnehmen. Beide Gesellschaften hatten ihre Aufträge bereits um je zehn Maschinen verringert.