Vorlesen

Landegebühren: Flughafen Lidl/Halle?

Uhr | Aktualisiert 08.11.2012 12:16 Uhr
Eine Antonow 124-Frachtmaschine rollt über die Brücke über die A 14 am Flughafen in Schkeuditz. (FOTO: ARCHIV/DPA) 
Von
Flughafen Lidl/Halle? Grüne und Nachtfluggegner kritisieren die niedrigen Landegebühren. Der Airport weist die Vorwürfe zurück. Günstige Angebote gebe es nur für einzelne Flugzeug-Typen.
Drucken per Mail
Halle (Saale)/MZ. 

Das Frachtgeschäft am Flughafen Leipzig / Halle entwickelt sich rasant: An Deutschlands zweitgrößtem Luftfrachtdrehkreuz stieg von Januar bis September das Aufkommen im Vergleich zum Vorjahr um 14,5 Prozent auf nunmehr 639.047 Tonnen. "Damit hebt sich Leipzig / Halle deutlich von der rückläufigen Entwicklung in Europa und in Deutschland ab", verkündete der Flughafen zuletzt stolz.

Nachtfluggegner werfen dem Airport allerdings vor, das Wachstum vor allen durch niedrige Landegebühren zu erkaufen. "Wir zahlen durch eine erhöhte Lärmbelastung den Preis für die Billigstrategie des Flughafens", sagt Peter Richter, Sprecher der Bürgerinitiative "IG Nachtflugverbot". Ein Mitglied der Initiative hat eine Beispielrechnung für die besonders laute Antonow 124-100 vorgelegt. Danach beträgt die Landegebühr am Airport Leipzig / Halle 3 000 Euro am Tag wie in der Nacht. Am Flughafen Frankfurt (Main) muss die gleiche Maschine tagsüber 20 000 Euro und nachts 52 000 Euro zahlen. Auch die Grünen üben Kritik: "Angesichts dieser Zahlen muss man sich fragen, ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt", sagt Gisela Kallenbach, sächsische Landtagsabgeordnete der Grünen.

Der Flughafen bestätigt die Zahlen: "Die Größenordnungen stimmen in etwa", sagt Sprecher Uwe Schuhart. Allerdings sei das Beispiel nicht repräsentativ. Bei anderen Flugzeugtypen wie Boeing 777 oder Airbus 300, die sehr viel häufiger fliegen, seien die Gebühren in der Höhe vergleichbar. Auch gegenüber den Airports Nürnberg und Hannover seien die Landeentgelte "im Großen und Ganzen vergleichbar". Doch warum gibt es dann bei der Antonow einen solchen Ausreißer? "Grund für die hohen Gebühren ist, dass Frankfurt die AN124 in eine exorbitant hohe Lärmklasse eingeordnet hat, obwohl sie gemäß Lärmklassifizierung auch mit anderen Flugzeugtypen, die in niedrigere Klassen eingeordnet sind, zusammen passen würde" teilte der mitteldeutsche Flughafen mit.

Offenbar will man am Flughafen Frankfurt, der ohnehin aus allen Nähten platzt, die großen und lauten Flieger nicht haben. Ganz anders in Leipzig / Halle: Hier eröffnet Volga-Dnepr gerade eine neue Wartungsbasis. Die russische Frachtfluggesellschaft fliegt mit der Antonow bereits seit 2006 vom Airport aus militärisches Gerät für die Nato in Krisengebiete. Neben den etwa 100 Flügen pro Jahr im Rahmen des sogenannten Salis-Projektes werden laut Unternehmensführung inzwischen auch 150 bis 200 kommerzielle Flüge mit der AN-124 von Leipzig / Halle aus durchgeführt.

Auch interessant