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Ladengeschäft der Online-Plattform: Ebay geht offline

Uhr | Aktualisiert 05.12.2012 19:31 Uhr

Smartphone, App und Code: So stellt sich Ebay den Handel vor. (FOTO: DPA)

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Beim Einkauf der Zukunft muss die Kundin nicht mehr warten, bis der Laden geöffnet hat. Sie hat eine App auf ihrem Smartphone, mit der sie durchs Schaufenster die Tasche in der Auslage einscannt.
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Berlin/MZ. 

Die App erkennt das Muster der Tasche und leitet sie auf die Website des Modeladens weiter. Die Kundin entscheidet dann, ob sie die Tasche direkt kaufen und später im Laden abholen will, ob sie nach Hause geliefert oder reserviert werden soll.

Der Verkäufer wiederum hat auf seinem Tablet-PC eine Anwendung installiert, die ihm neben der Bestellung der Kundin gleich auch ihr Profil anzeigt: Präferenzen wie Lieblingsfarbe, Schuh- oder Kleidergrößen. Anhand dieser Daten zeigt ihm der Outfit-Generator Artikel an, die der Kundin ebenfalls gefallen könnten. Und das ist noch längst nicht alles.

Alle Details wird die freundliche Mitarbeiterin in den nächsten zehn Tagen in einem fiktiven Modeladen im neuen Kaufraum von Ebay und Paypal immer wieder erklären. Am 16. Dezember ist es dann schon wieder vorbei mit dem ersten stationären Ladengeschäft der Online-Plattform. Vom 27. bis 29. Dezember wird der Raum noch einmal zum Verkaufsraum: Dann gibt Ebay Anleitung, wie man unerwünschte Geschenke über die Plattform wieder am besten verkaufen kann.

Der Kaufraum in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte ist ein Marketing-Instrument, um zu zeigen, wie die Verschmelzung der stationären und der virtuellen Konsumwelten aussehen könnte. "Der Handel wird sich in den nächsten drei Jahren mehr verändern als in den vergangenen zehn bis 15 Jahren", sagt Martin Tschopp, Geschäftsführer von Ebay Deutschland. "Wir werden in neuen Kategorien denken." Ebay und die Bezahldienst-Tochter Paypal sollen dabei eine entscheidende Rolle spielen. Immer wieder fällt das Stichwort "Mobile Commerce", der mobile Handel über Smartphone-Apps. Ebay rechnet damit, dass sich sein Handelsvolumen über mobile Endgeräte 2012 gegenüber 2011 auf zehn Milliarden Dollar verdoppeln wird.

Wie das Smartphone als Zahlungsinstrument eingesetzt werden kann, lässt sich in der Ebay-Weihnachtsboutique testen: Über einen QR-Code kann man Pullover oder Kaffeemaschine einscannen, bezahlen und sich dann vom Ebay-Verkäufer nach Hause liefern lassen. Wer sich die Paypal-App herunterlädt, kann im Coffee Shop Kaffee oder Muffin mobil bezahlen oder bei Partnern wie mStore, smobsh und Emmas Onkel stöbern und Produkte von Heimcomputertechnik bis Lebensmittel direkt mobil bezahlen.

Ebay ist längst nicht mehr das Auktionshaus von einst: 70 Prozent aller Angebote sind inzwischen Neuware. Damit positioniert sich die Plattform als Konkurrent des Branchenführers Amazon. Ebay setzt jedoch weiter auf seine Mischung aus Gebraucht- und Neuware. "Wir sind vor allem bei Nischenprodukten stark", sagt Tschopp. Ebay verstehe sich als Partner der stationären Händler, nicht als Wettbewerber, betont er. Eigene Artikel biete man nicht an. "Die Händler profitieren von der Vielzahl von Kunden, wenn sie Produkte bei uns einstellen."

Dafür bietet Ebay bereits komplette Lösungen an - vom Marketing bis zur Logistik - etwa über den Serviceanbieter GSI Commerce. "Nicht jeder Händler kann sich die Investitionen leisten, um die Brücke zwischen Online- und Offline-Welt zuschlagen", sagt Arnulf Keese, Mitglied der Geschäftsführung von Paypal. "Wir helfen den Händlern dabei." Dass viele Händler durchaus Hilfe benötigen, ist für Jörg Funder nicht von der Hand zu weisen. "Die meisten Händler haben keinen klaren Bauplan, um Online- und Offline-Kanäle zu bespielen", sagt der Handelsexperte von der Hochschule Worms. Der Vorsatz, die Verkaufskanäle miteinander verbinden zu wollen, sei bei vielen Händlern bisher nur "ein Lippenbekenntnis".

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