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Industrie: Kloßmaschine für Thüringer Nationalgericht kommt aus China

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Riesen-Kloß  auf der Grünen Woche

Elisabeth Wackernagel aus Jena präsentiert 2002 auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin den nach Angaben des Veranstalters größten Thüringer Kloß der Welt. (Foto: dpa)

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An den Weihnachtsfeiertagen rotiert sie wieder in vielen Küchen und liefert so die Rohmasse für das Nationalgericht der Thüringer: Die Kloßmaschine Malina. Seit knapp zehn Jahren wird das Gerät von einer Thüringer Firma vertrieben.
Bad Blankenburg/dpa. 

Zwischen 7000 und 10 000 «Malinas» im Jahr verkauft die Efbe Elektrogeräte GmbH aus Bad Blankenburg (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) nach eigenen Angaben. Produziert wird der Küchenhelfer jedoch nicht im Stammland der Kartoffelklöße, sondern in der Ursprungsheimat des Reises. Hauptabnehmer sind Thüringer, Sachsen und Franken.

«Die Leute schimpfen immer, wenn sie hören, dass etwas in China hergestellt wird. Nur, ohne die Arbeitsplätze dort würden auch hier Stellen wegfallen», sagt Efbe-Geschäftsführer Bernd Heinze. «Malina ist ganz klar ein klassisches Beispiel für die Globalisierung.» Der enorme Kostendruck und die im Vergleich zu anderen Haushaltsgeräten geringe Stückzahl ließen die Herstellung der Maschine in Deutschland schlichtweg nicht zu.

Dass die Kloßpresse überhaupt noch gebaut wird, sei nur «ein Glücksfall», berichtet Heinze. In der DDR wurde Malina - im Russischen «Himbeere» - von einer bulgarischen Firma zusammengeschraubt. Mit der Wiedervereinigung 1990 war damit Schluss. «Mitte der 1990er Jahre hörte auch die deutsche Firma Braun auf, ein ähnliches Gerät zu bauen», erzählt Heinze. «Der Aufschrei danach war groß: "Wir brauchen eine Malina wieder!"» Heinze setzte sich daraufhin mit dem bulgarischen Nachfolgeunternehmen in Verbindung und konnte es überreden, den robusten Küchenhelfer wieder zu bauen. Nach einigem Hin und Her - Verwicklungen mit der Balkanmafia inbegriffen -seien die ersten Geräte in Bad Blankenburg angekommen, sagt Heinze.

Einige Jahre später konstruierten die Bad Blankenburger die Maschine neu und verlagerten die Produktion von Bulgarien nach China. Unter dem Namen «E 2 Malina» kommt sie heute für 89,99 Euro unverbindliche Preisempfehlung in die Geschäfte. Das «E» steht dabei für Entsafter. Denn ursprünglich wurde Malina von den Bulgaren als Entsafter konzipiert. «Die kloßverrückten Thüringer haben sie nur zweckentfremdet», sagt der Direktor des Thüringer Kloßmuseums in Heichelheim bei Weimar, Sylk Schneider. «Den Kartoffelsaft schütten sie weg, den Trester, der bei der Saftherstellung wegfliegt, verwenden sie für die Klöße.»

Der Clou bei der Malina sei, dass sie die Arbeitsgänge Kartoffeln reiben und auspressen kombiniere. «Das ist eine enorme Arbeitserleichterung», sagt Schneider. Dennoch verwendet er für seine eigenen Klöße Zuhause keine Malina, sondern reibt und presst zeitaufwendig mit der Hand. «Die Kartoffelfasern sind dann länger, das macht den Kloß lockerer und knackiger», erklärt der Experte.

Wichtig sei vor allem, dass die geriebenen Kartoffeln trocken gepresst sind, bevor sie mit den ausgedrückten Kartoffeln vermischt und anschließend geformt werden. «Sonst brüht der Kloß nicht richtig.» Um die Kartoffeln zu reiben und zu pressen, hatten sich die Thüringer schon immer allerhand Kurioses einfallen lassen: Einige nutzen sogar eine Wäscheschleuder, um den in einem Sack befindlichen Reibekartoffeln das Wasser zu entziehen.

Im Kloßmuseum in Heichelheim sind etwa hundert verschiedene Werkzeuge rund um die Kloßproduktion zu bestaunen. Direktor Schneider schätzt, dass jedoch selbst zu Weihnachten nur etwa ein Drittel der Thüringer ihre Klöße selber herstellen. Doch egal wie die Nationalspeise auf die Teller komme: Wichtig sei, dass es sie überhaupt gebe, erklärt er: «Denn Weihnachten ohne Klöße verliert viel von seiner Größe.»

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