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Flughafen Leipzig/Halle: Riesenvogel Antonow 124 soll in die Werft

Uhr | Aktualisiert 24.01.2013 00:20 Uhr

Eine Antonow 124-Frachtmaschine rollt über die Brücke über die A 14 am Flughafen in Schkeuditz. (ARCHIVFOTO: DPA)

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Am Flughafen Leipzig/Halle könnte das größte Frachtflugzeug der Welt, die An 124, modernisiert werden. Die Gespräche dazu laufen bereits. Hunderte Jobs könnten in den nächsten Jahren entstehen.
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Schkeuditz/Halle (Saale)/MZ. 

Als Volga-Dnepr-Präsident Alexey Isajkin in der vergangenen Woche eine neue Wartungsbasis der russischen Frachtfluggesellschaft am Flughafen Leipzig / Halle einweihte, sprach er von der "ersten Etappe einer geplanten Entwicklung". Hunderte Jobs könnten in den nächsten Jahren entstehen. Bei vielen Zuhörern löste dies fragende Gesichter aus.

Nun lüftet der Airline-Chef einen Teil der Pläne: Der Wartungsstützpunkt könnte zur Werft für die Modernisierung der Flugzeuge ausgebaut werden, sagte Isajkin der Moskauer Wirtschaftszeitung RBK daily. Bis 2030 benötige Volga-Dnepr, dass dank seiner Antonow-124-Flotte weltweit führend im Luft-Transport von Schwer- und Sperrgut ist, 30 Frachter. Das Pro-blem: Die AN 124 werden seit 2004 nicht mehr gefertigt. Pläne, die Produktion in Russland oder der Ukraine wieder zu beleben, wurden bisher nicht realisiert.

Transport schwerer Güter

Volga-Dnepr-Berater Vitaly Shmelkov bestätigt gegenüber der MZ entsprechende Überlegungen: "Derzeit werden Strategien entworfen, wie die AN 124 modernisiert werden könnte." Dazu habe es auch Gespräche mit dem Freistaat Sachsen gegeben. Geplant sei, eine Art Montagefabrik. Die bestehenden Flugzeuge sollten mit Elektronik von Boeing oder europäischen Herstellern ausgerüstet und neue Triebwerke etwa von General Elektric geliefert werden. Shmelkov betonte, Volga Dnepr sei eine Frachtfluggesellschaft und wolle dies bleiben. Es müssten sich daher mehrere Partner zusammenfinden. Selbst die spätere Produktion von neuen Flugzeugen wollte Shmelkov nicht ausschließen.

Der Flughafen Leipzig / Halle steht jedenfalls bereit. "Wir haben die Flächen, um ein solches Projekt zu realisieren", sagte ein Flughafen-Sprecher. Für den neuen Hangar samt Vorfeld, in dem Volga-Dnepr die Wartungsbasis betreibt, investierte der Flughafen bereits 40 Millionen Euro.

Volga-Dnepr steht offenbar unter Druck: Die russische Frachtairline fliegt für Kunden unter anderem Maschinenteile für Ölförderanlagen, U-Bahnen und militärisches Gerät etwa für die Nato. Das Unternehmen besitzt derzeit zehn AN 124, das größte in Serie gebaute Frachtflugzeug der Welt. Kaum eine andere Fluggesellschaft auf der Welt kann diesen Service anbieten. Bis zu 150 Tonnen transportieren die Transportmaschinen. Doch die mitunter betagten Maschinen, die etwa 30 bis 35 Jahre fliegen können, werden zum Hemmschuh für die Airline.

Die Hoffnungen, dass die AN-124-Produktion wieder aufgenommen wird, haben sich bisher zerschlagen. Volga-Dnepr-Chef Isajkin: "Nach zehn Jahren vergeblicher Versuche, etwas in Russland in Gang zu bekommen, wollen wir die Unterstützung eines Staates suchen, der an einem solchen Projekt interessiert ist."Doch wie realistisch sind die Chancen dazu in Deutschland? Nach Einschätzung des Luftfahrtexperten Cord Schellenberg wäre bereits die Modernisierung derzeit fliegender AN 124 ein großes und teures Projekt. Der Einsatz komplett neuer Triebwerke sei ein "massiver Eingriff in die Flugzeug-Architektur". Zunächst müssten laut Schellenberg das Luftfahrtbundesamt eine Genehmigung für den Umbau der Riesenflieger erteilen und hochqualifizierte Mitarbeiter dafür angeworben werden.

Nach Worten von Schellenberg hat Volga-Dnepr mit der neuen Wartungsbasis am Flughafen Leipzig / Halle, für die zahlreiche Qualifikationen erbracht werden mussten, einen Grundstein gelegt. Schellenberg und auch andere Experten weisen darauf hin, dass eine Modernisierung wohl nur mit Hilfe der Original-Hersteller und des ukrainischen Konstruktionsbüros Antonow möglich sei.

Verhandlungen mit Hersteller

Ein Antonow-Sprecher erklärte laut Onlineportal "Russland aktuell", dass sein Unternehmen immer wieder mit Volga-Dnepr die Reanimierung der Produktion des Großraum-Frachters erörtere. Bisher habe man dabei aber Standorte in Russland oder der Ukraine erwogen.

Fazit: Investiert Volga-Dnepr kräftig, könnte 2017 / 18 in Leipzig / Halle eine Modernisierung der Flieger in Einzelfertigung vielleicht gelingen. Sieht man sich an, welche Probleme etablierten Flugzeugbauern wie Airbus und Boeing der Bau neuer Großraumflugzeuge bereitet, so dürfte eine Werft für komplett neue Antonows in Leipzig / Halle vorerst kaum realisierbar sein.

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