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Fahrzeugtechnik Dessau: Dessauer Bahnbauer in Schwierigkeiten

Pro­duk­ti­ons­halle der Fahr­zeug­tech­nik Dessau

Pro­duk­ti­ons­halle der Fahr­zeug­tech­nik Dessau.

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Thomas Ruttke/Archiv

Dessau-Rosslau -

Die Dessauer Fahrzeugtechnik steckt offenbar in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Eine Krankenkasse hat wegen offener Beiträge den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, sagte der Sprecher des Landgerichtes Dessau-Roßlau, Frank Straube, am Freitag der MZ. Das Amtsgericht Dessau hat nun einen Sachverständigen damit beauftragt, die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu prüfen. Davon hängt ab, ob es nötig ist, ein Insolvenzverfahren einzuleiten.

FTD-Chef: "Thema erledigt"

Der Chef des Unternehmens FTD Fahrzeugtechnik Bahnen Dessau, Andreas Fiedler, sagte der MZ, die Außenstände gegenüber der Krankenkasse beliefen sich lediglich auf 900 Euro. Diese seien inzwischen beglichen worden. „Das Thema hat sich erledigt“, so Fiedler. „Der Insolvenzantrag erschließt sich uns nicht.“

Wie es aus dem Umfeld des Zug-, Waggon-, und Straßenbahnbauers heißt, wurden in der Vergangenheit auch Löhne von Beschäftigten über mehrere Monate nicht pünktlich gezahlt. Fiedler räumt ein, dass es Rückstände gegeben hat. „Wir agieren derzeit in einem extrem schwierigen Marktumfeld. Da gibt es Höhen und Tiefen“, so Fiedler. Derzeit sieht Fiedler die Firma wieder auf der Erfolgsspur. Nach seinen Angaben werden aktuell für die Verkehrsbetriebe Essen Reparaturen von Straßenbahnen vorgenommen. Der Zuschlag für Folgeaufträge in Millionenhöhe sei bereits erfolgt. Fiedler kritisiert das Vorgehen der Krankenkasse: „Dieses Störfeuer schadet uns massiv.“

Schweigen nach Insolvenzantrag

Am Freitag sind auf einer Betriebsversammlung offenbar die Mitarbeiter über die Lage des Unternehmens informiert worden. Auf MZ-Anfrage wollte sich der Betriebsrat nicht äußern. Bei der Gewerkschaft IG Metall Halle-Dessau waren die Verantwortlichem am Freitag nicht erreichbar.

Viele der Beschäftigten sind krisenerprobt. Zweimal ist Fahrzeugtechnik in den vergangenen Jahren schon pleite gewesen. Zunächst musste das Unternehmen 2008 Insolvenz anmelden. Prestigezüge wie der Protos hatten den Waggonbau-Nachfolger in wirtschaftliche Schieflage gebracht. Anschließend übernahm ein rumänisches Unternehmen das Ruder. Doch die Pläne, für den osteuropäischen Markt zu produzieren, scheiterten. Im März 2012 war die Firma erneut insolvent. Die Transtec Vetschau GmbH kaufte das Werk und setzt auf Straßenbahnen und Güterwaggons. Doch das vergleichsweise kleine Unternehmen hat es schwer am Markt. Es gibt deutliche Überkapazitäten. Darunter leiden auch die großen Hersteller. Zuletzt gab der Zugbauer Bombardier bekannt, in Deutschland 1.430 Jobs zu streichen. Die sächsischen Werke in Bautzen und Görlitz sind mit 930 Stellen davon besonders betroffen. (mz)