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Ergo und Allianz: Verzinsung von Lebensversicherungen wird gesenkt

Uhr | Aktualisiert 05.12.2012 20:44 Uhr

Nicht nur Allianz-Kunden stehen Zinssenkungen machtlos gegenüber. (FOTO: DPA)

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Nach Ergo senkt auch Marktführer Allianz die Verzinsung. Sie beträgt nur noch 4,2 statt 4,5 Prozent. Kunden haben das Nachsehen. Die Bundesregierung hat dazu beigetragen.
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München/MZ. 

Die Finanzkrise und eine umstrittene Gesetzesnovelle lassen die Renditen von Lebensversicherungen - dem hierzulande beliebtesten Altersvorsorgeprodukt - massiv abschmelzen. Nach Ergo hat nun auch Branchenführer Allianz die Gesamtverzinsung für Lebenspolicen im nächsten Jahr deutlich gesenkt. Sie beträgt nur noch 4,2 statt 4,5 Prozent. Bei Ergo war der Abschlag von 4,15 auf 3,55 Prozent noch stärker. Nachdem diese beiden Schwergewichte so deutlich nach unten korrigiert haben, wird der Markt auf breiter Front nachziehen, sagen Experten. Anderes bleibt angesichts dauerhaft niedriger Zinsen ohnehin nicht. "Wir müssen die neue Normalität der Finanzkrise akzeptieren", stellte der Chef von Allianz Leben, Markus Faulhaber, klar.

Lebenspolicen speisen sich vor allem aus festverzinslichen Wertpapieren, deren Renditen seit Jahren am Boden liegen und wohl noch länger dort bleiben. Zumindest bei der Allianz lebensversicherte Kunden könnten gegenwärtig aber bei keiner anderen zugleich sicheren Anlageform eine bessere Rendite erzielen, wirbt Faulhaber für das eigene Haus. Um die Sicherheit von Lebensversicherungen müsse sich niemand Sorgen machen. Die Renditen schmelzen gleichwohl seit Jahren kontinuierlich ab.

Mittlerweile ist bei Gesellschaften wie Ergo eine Situation erreicht, wo die Gesamtverzinsung mit dort 3,55 Prozent unter die vier Prozent Garantierzins gesunken ist, die manche Altverträge aus früheren Jahren noch aufweisen. In diesem Fall gelten die gesetzlich garantierten vier Prozent aber weiter. Versicherte müssen keine nachträgliche Korrektur befürchten.

Grundsätzlich darauf vertrauen, dass es keine gesetzlichen Änderungen gibt, kann man allerdings auch nicht, wie neuer Streit um das Versicherungsvertragsgesetz zeigt. Das wurde erst im November für 2013 novelliert. Bisher war es so, dass Lebensversicherte, deren Verträge fällig geworden sind, auch an den stillen Reserven der Konzerne auf festverzinsliche Wertpapiere beteiligt wurden. Die Hälfte dieser Reserven, die sich bilden, wenn Festverzinsliche wie derzeit hoch im Kurs stehen, wurde bislang ausgeschüttet.

Die Novelle nimmt das nun aber extrem kurzfristig zum Stichtag 21. Dezember zurück. Damit versiegt diese Gewinnquelle für Lebenpolicen, die ab 2013 fällig werden. "Das ist ein Schlag ins Gesicht der Verbraucher", wettert der Vorsitzende des Bunds der Versicherten, Axel Kleinlein. Bei ihm und anderen Verbraucherschützern laufen die Telefone heiß. Zehn Prozent sei die Dimension, mit der man als Abschlag für eine 2013 fällige Lebenpolice rechnen muss, sagen Kleinlein und andere Experten.

Verschärfend hinzu kommt, dass Kunden durch rechtzeitige Kündigung ihrer Police zum 1. Dezember ihre Abschläge hätten verringern können. Weil die Gesetzesnovelle im Eilverfahren beschlossen wurde und Fristen für eine Kündigung zu knapp waren, haben viele Versicherte nun das Nachsehen.

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