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Energieversorger: Der Osten ist Meister im Zahlen

Uhr | Aktualisiert 24.11.2012 08:52 Uhr
Was absehbar war, wird Tatsache: Eine gewaltige Welle an Strompreiserhöhungen zum Jahreswechsel kommt auf die deutschen Haushalte zu. (FOTO: DPA) 
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Ostdeutsche Verbraucher sind durch die Energiewende besonders stark belastet: In den neuen Ländern steigt der Strompreis im nächsten Jahr um elf Prozent, ergab eine Berechnung des Verbraucherportals Verivox für die MZ.
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Halle (Saale)/MZ. 

In Westdeutschland liegt der Anstieg bei acht Prozent. Ohnehin ist Strom im Osten teurer. In Sachsen-Anhalt muss ein Vier-Personen-Haushalt im Jahr durchschnittlich 1 242 Euro zahlen, in Bayern sind es etwa 100 Euro weniger. Der Grund: Die ostdeutschen Länder haben einen erheblich höheren Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung. Während die Ökostrom-Umlage bundesweit alle Strom-Verbraucher in gleicher Höhe bezahlen, werden die Kosten des Stromtrassen-Ausbaus aber regional umgelegt. Zudem ist die Bevölkerungsdichte im Osten geringer. Das heißt, die anfallenden Kosten werden auf weniger Verbraucher verteilt.

Der Betreiber des ostdeutschen Höchstspannungsnetzes 50-Hertz verzeichnet Kostensteigerungen von 26 Prozent, sagt Michael Kranhold, Leiter Kundenmanagement von 50-Hertz. Den Anstieg begründet der Manager mit dem Netzausbau und den Kosten für die Netzstabilisierung. "Die Umstrukturierung des Netzes durch die erneuerbaren Energien wird auch in den nächsten Jahren zu Buche schlagen", prognostiziert Kranhold.

Das Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt setzt sich daher dafür ein, dass auch der Netzausbau künftig von allen Verbrauchern in Deutschland bezahlt wird.

Das Verbraucherportal Verivox empfiehlt den Stromkunden, die Tarife der Anbieter genau zu vergleichen. "Ein Vier-Personen-Haushalt, der sich noch in einem Grundversorger-Tarif befindet, kann durch einen Wechsel bis zu 400 Euro im Jahr sparen", sagt Verivox-Sprecher Jürgen Scheurer.

Um die Belastungen für Hartz-IV-Empfänger zu begrenzen, denkt die Bundesregierung unterdessen darüber nach, eine Art Abwrackprämie für Kühlschränke einzuführen, berichtet die "Saarbrücker Zeitung". Der Zuschuss für Langzeitarbeitslose solle "signifikant hoch" sein, "so dass die Geräte tatsächlich angeschafft werden". Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) dementierte am Freitag halbherzig. Es gebe zwar Überlegungen, wie Geringverdienern die Anschaffung energiesparender Geräte ermöglicht werden könne. Es sei aber falsch, über Abwrackprämien zu sprechen.

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