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Energie: Wind weg - Strom weg?

Uhr | Aktualisiert 23.12.2012 10:29 Uhr

Eine runde Diskussion (im Uhrzeigersinn von links): Ministerpräsident Reiner Haseloff, die stellvertretende MZ-Chefredakteurin Sibylle Quenett, Leopoldina-Präsident Jörg Hacker, Photovoltaik-Forscher Roland Scheer und Wolfgang Neldner vom Zentrum für regenerative Energien. (FOTO: LEOPOLDINA/MARKUS SCHOLZ)

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Das Stromnetz bricht zusammen, Millionen sitzen tagelang im Dunkeln, ganze Industriegebiete sind lahmgelegt: Die Energiewende mit der Abschaltung der Atomkraftwerke nährt die Furcht vor einem flächendeckenden Stromausfall in Deutschland.
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MagDeburg/MZ. 

Eine Podiumsdiskussion der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina nahm diese Angst auf. Unter der bangen Frage "Kommt der Blackout?" diskutierte eine von der stellvertretenden MZ-Chefredakteurin Sibylle Quenett moderierte Expertenrunde die Bewältigung der Energiewende und ihre Risiken.

"Wir müssen uns keine Gedanken machen, ob der Blackout kommt - wir müssen uns darauf vorbereiten", sagte Wolfgang Neldner vom Zentrum für regenerative Energien. Die Wahrscheinlichkeit eines Mega-Stromausfalls sei zwar gering. Seit dem Nuklearunfall in Fukushima wisse man aber, dass auch Restrisiken eintreten könnten. Und Deutschland sei für einen nationalen Blackout nicht gerüstet. Schnellstens müssten etwa Beschäftigte von Energieunternehmen für den Ernstfall trainiert werden. Und die Infrastruktur umgerüstet werden. Der überregionale Leitungsausbau laufe schleppend und bei Kraftwerksneubauten für die Strom-Grundlast setzte man immer noch auf "Gigantomanie", also große Kraftwerke - statt auf kleinere, die flexibler seien.

Unzufrieden mit dem Energiewende-Tempo zeigte sich vor gut 90 Zuhörern in der Magdeburger Staatskanzlei auch Leopoldina-Präsident Jörg Hacker. Er hat unter anderem als Mitglied der Ethik-Kommission "Sichere Energieversorgung" Ratschläge zur Energiewende mit erarbeitet. "Sie können in einer Kommission immer schön etwas vorschlagen, die Umsetzung ist aber Sache der Administration. Wir sind nicht so gehört worden, wie wir uns das vorgestellt haben", so Hacker. Konkret hatte er etwa einen eigenen Beauftragten der Bundesregierung für die Energiewende empfohlen. Bei Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) stieß der Wissenschaftler auf offene Ohren. Auch er verlangte Tempo und Koordination. "Die Energiewende ist ein Transformationsprozess wie die Deutsche Einheit. Den kann man nicht einfach so laufen lassen", sagte Haseloff. Deshalb müsse ein "Ministerium her mit klaren Kompetenzen". Dabei gehe es nicht nur um die Versorgungssicherheit, sondern auch den Strompreis. "Die Akzeptanz für die Energiewende wird es nur geben, wenn sie den einzelnen Bürger nicht überfordert", so Haseloff.