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Elektromobilität: So steht es um die Fortschritte von Elektroautobauer Tesla

Elon Musk der Präsentaiton eines Elektroautos in Kalifornien

Elon Musk der Präsentaiton eines Elektroautos in Kalifornien

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Reuters

Wie steht es um Tesla?

Seit seiner Gründung 2003 hat das Unternehmen noch keinen einzigen Dollar verdient. Im vorigen Jahr hat sich der Verlust sogar noch einmal verdreifacht auf  knapp 900 Millionen Dollar. Der Umsatz kletterte hingegen von drei auf 3,7 Milliarden Dollar.

Wie kann sich das Unternehmen diese Verluste leisten?

Gründer und Chef Elon Musk steht für die Verluste gerade. Er steckt enorme Summen in das Unternehmen. Er kann es sich leisten. Mit dem Internetbezahldienst Paypal ist er zum vielfachen Milliardär geworden. Er betreibt nebenbei auch das Raumfahrtunternehmen SpaceX. Musk hat sich zum Ziel gesetzt, den Durchbruch der Elektromobilität zu schaffen.

Wie weit ist er mit seinem Vorhaben gekommen?

Im letzten Quartal des vorigen Jahres hat er knapp 17.500 Exemplare des sportlichen Limousine Model S verkauft, dem bislang einzigen in großem Stil produzierten Fahrzeug von Tesla. Das entspricht einem Plus von 76 Prozent. Vom neuen SUV Model X konnten bislang aber nur 206 Fahrzeuge losgeschlagen werden. In diesem  Jahr will er aber bis zu 90000 seiner E-Autos weltweit auf  die Straßen bringen, das würde ein Plus von fast 80 Prozent bedeuten – deutlich mehr als Branchenkenner bislang erwartet hatten. Außerdem soll Tesla erstmals im eigentlichen Geschäft einen Gewinn machen.  Die Anleger reagierten euphorisch. Im nachbörslichen Handel kletterte der Aktienkurs um 15 Prozent. Allerdings hatte das Papier seit Jahresanfang etwa 40 Prozent verloren.

Wie realistisch sind Musks Pläne?

Das ist die große Preisfrage. Den Absturz der Aktie hatten Analysten vor allem damit begründet, dass bei der Elektromobilität wegen der günstigen Spritpreise erst einmal die Luft raus ist. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass es so einfach nicht ist. Vieles spricht dafür, dass die Nachfrage nach Teslas unabhängig von den Kraftstoffpreisen ist. Musk hat es mit einem geschickten Marketing geschafft, die Fahrzeuge in der automobilen Oberklasse zu positionieren. Immerhin kostet das Model S bis zu 1000000 Euro. Der Imagefaktor eines Tesla ist enorm. Das zieht: In der Schweiz etwa fand Musks E-Auto im ersten Halbjahr mehr Käufer als die S-Klasse von Mercedes. Hierzulande wurden im gleichen Zeitraum immerhin mehr Teslas  als VW Phaetons sowie 6er und 7er von BMW verkauft.  In den USA rangierte der Newcomer in der Oberklasse auf dem zweiten Platz.

Welche Rolle spielt das neue Model X?

Von ihm hängt in diesem  Jahr alles ab. Gelingt es Musk, Produktion und Absatz hochzufahren, wäre der Beweis erbracht, dass es einen Markt für ein Elektro-SUV gibt, das mehr als 100000 Euro kostet. Das wäre ein weiteres enorm wichtiges Signal für die gesamte Branche.

Wie ist die Strategie von Musk generell zu beurteilen?

Für Ferdinand Dudenhöffer, Automobilwissenschaftler an der Uni Duisburg-Essen, hat Musk sich längst geradezu historische Verdienste erworben: Seine Erfolge hätten alle wichtigen Autobauer dazu angestachelt, sogenannte Tesla Jäger zu entwickeln. Die drei deutschen Premiumhersteller (Mercedes, BMW, Audi) gehören auch dazu. „Musk hat die gesamte Branche um zehn Jahre nach vorne gebracht“, sagt Dudenhöffer.

Wie kann es sein, dass ein Newcomer die Etablierten vorführt?

Es gehört zur DNA der etablierten Autobauer, die seit mehr als 100 Jahren gewährte Technik mit Verbrennungsmotoren weiter zu optimieren. Das beherrschen die Konzerne. Elektromobilität bedeutet hingegen nicht nur ganz andere Bauteile für den Antriebsstrang. Auch Karosserien müssen anders und vor allem leichter konstruiert werden. Produktionsverfahren und die Komponentenfertigung durch Zulieferer müssen neu organisiert werden. Das birgt viele Risiken, die die Platzhirsche gerne vermeiden würden. Doch Musk zwingt zum Umdenken.

Wie werden die Tesla-Jäger aussehen?

Audi ist bei der Entwicklung von Elektro-Pkw für die Oberklasse weit vorne. Bis 2018 will die Volkswagen-Tochter zwei Modelle auf den Markt bringen: Einen  Pseudo-Geländewagen als Model X-Rivalen und eine sportliche Limousine als Model S-Herausforderer. Die Reichweite soll ähnlich wie bei Musks Fahzeugen mindestens bei 400 Kilometer liegen. Das Gros der derzeit angebotenen E-Autos schafft mit viel Mühe 150 Kilometer.

Welche Rolle spielt die Reichweite?

Sie ist der entscheidende Faktor. Denn in der Oberklasse lassen sich Autos nur verkaufen, wenn es auch beim Komfort und der Bequemlichkeit stimmt. Musk hat das Problem bislang relativ  simpel gelöst. Er rüstete die Autos einfach mit einer großen Zahl von Akkus aus, die denen für Laptops ähnlich sind.  Künftig sollen neuartige Batterien aber aus einer eigenen „Gigafactory“ in Nevada kommen.

Wie halten es die anderen Autobauer mit den Batterien?

Hier liegt die eigentliche Entwicklungsaufgabe. Die Autobauer aber auch große Zulieferer wie Bosch und Conti arbeiten an neuen Technologien. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf sogenannten Lithium-Polymer-Batterien, die bis zu 500 Kilometer schaffen sollen, ihr Preis soll sich in den nächsten Jahren halbieren und das Gewicht mit 200 Kilogramm auf ein Drittel reduzieren.

Wann werden diese Batterien einsatzbereit sein?

Dudenhöffer hält 2020 für das endscheidende Jahr. Dann könne die neue Batterien-Generation serienreif sein. Zugleich gelten dann strengere Abgasnormen in der EU, die mehr Elektroautos notwendig machen, um die CO2-Emissionen der Autobauer zu drücken. Porsche etwa hat für das „Ende des Jahrzehnts“ einen Elektro-Boliden mit 600 PS angekündigt. Es kursieren zudem zahlreiche Spekulationen darüber, dass BMW in gut vier Jahren seine E-Auto-Flotte mit dem i5 und dem i6 erweitern will. Es soll sich um sportliche Limousinen und/oder Cross-Over-Modelle gehen. Also eine Mischung aus SUV und Familien-Van.