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Deutsche Bank: Schlagabtausch nach der Großrazzia

Uhr | Aktualisiert 16.12.2012 21:14 Uhr
Die Deutsche Bank steht am Pranger. Konzernchef Jürgen Fitschen räumt Fehler ein, sieht sich selbst aber zu Unrecht von Staatsanwälten verfolgt. (FOTO: DPA) 
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Drei Tage lang haben sich Banker und Branchenbeobachter gewundert. Warum schickt der Generalstaatsanwalt 500 Fahnder los, um bei der Deutschen Bank nach Beweisen für Steuerbetrug beim Handel mit Verschmutzungsrechten zu suchen? Viele vermuteten, er habe übertrieben, um ein Zeichen zu setzen.
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Frankfurt (Main)/MZ. 

Inzwischen gibt es eine Erklärung für die Großrazzia vom Mittwoch. Medien zufolge werfen die Ermittler dem Institut Datenvernichtung in großem Stil vor. Der Spiegel berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft, die Bank habe in dem seit 2010 laufenden Verfahren getrickst. Sie soll Material unvollständig geliefert haben. 20 000 E-Mails seien gelöscht, von neun Mitarbeitern überhaupt keine Mails geliefert worden.

Verklausulierte Anweisung

Die Süddeutsche Zeitung will noch pikantere Details erfahren haben. Sie berichtet, ein Spitzenjurist des Hauses habe Mitarbeiter der IT-Abteilung verklausuliert angewiesen, Massen von E-Mails zu löschen. Das sei dann auch geschehen. Wenn das stimmt, wirkt die regelmäßige Beteuerung der Bank, sie kooperiere vollständig mit den Behörden, wie Hohn. Die Bank bezeichnet den Vorwurf als abwegig.

Bankchef Jürgen Fitschen (Foto) nannte die Razzia "überzogen". Er hat sich inzwischen telefonisch beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) über den massiven Polizeieinsatz beschwert. Der aber will Fitschen nicht so recht weiterhelfen. "Der Ministerpräsident hat klargemacht, dass es staatsanwaltschaftliche Ermittlungen sind, in die er sich nicht einmischen könne", sagte sein Sprecher.

Der Generalstaatsanwalt verdächtigt Fitschen der besonders schweren Steuerhinterziehung. Hintergrund: 2010 wurde bekannt, dass eine 150-köpfige Bande beim Handel mit Verschmutzungsrechten systematischen Steuerbetrug begangen hat. Die Geschäfte liefen auch über die Deutsche Bank. Es heißt, sie habe den Handel erst richtig in Schwung gebracht.

Umstrittene Steuererklärung

Inzwischen wirft die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft 25 Mitarbeitern Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung vor. Fitschen ist betroffen, weil er gemeinsam mit Finanzvorstand Stefan Krause die Umsatzsteuererklärung für 2009 unterschrieben hat, in der zu Unrecht Erstattungen von 310 Millionen Euro angefordert wurden. Die Bank hat die Steuererklärung inzwischen korrigiert, für den Geschmack der Staatsanwaltschaft aber deutlich zu spät. Bei den weiteren Beschuldigten soll es sich um Händler, Steuerfachleute, Mitarbeiter der Rechtsabteilung und IT-Spezialisten handeln. Vier der Beschuldigten sitzen in Haft.

Trotz der Fülle der Anschuldigungen scheint Fitschen auf seinem Standpunkt zu beharren. Es habe eine verheerende Wirkung auf das Außenbild des größten deutschen Kreditinstituts, wenn Bilder und Berichte von bewaffneten Polizisten in der Bank um die Welt gingen, klagte er dem Spiegel zufolge bei Bouffier. Fitschen sieht in der Steuerhinterziehung wie auch im Libor-Skandal und Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit anderen Geschäften ärgerliche Fehler, die der Deutschen Bank unterlaufen seien. Der angestrebte Kulturwandel der Bank solle so etwas künftig verhindern. FOTO: DPA

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