Vorlesen

Commerzbank: Jede achte Stelle ist bedroht

Uhr | Aktualisiert 24.01.2013 21:41 Uhr

Die Commerzbank will in den kommenden Jahren 4000 bis 6000 Arbeitsplätze streichen. (FOTO: DPA)

Von
Die Commerzbank will in den kommenden Jahren 4000 bis 6000 Arbeitsplätze streichen. Das teilte die Bank am Donnerstag in Frankfurt mit. „Die genaue Höhe des Abbaus wird in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmergremien vereinbart“, sagte ein Sprecher.
Drucken per Mail
Frankfurt (Main)/MZ. 

Die kommenden Monate dürften für die Mitarbeiter der Commerzbank zur Zitterpartie werden. Gestern bestätigte das angeschlagene Institut, dass in den kommenden vier Jahren bis zu 6 000 der 49 000 Vollzeitstellen gestrichen werden. „Die genaue Höhe des Abbaus wird in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmergremien vereinbart“, teilte die Bank mit.

Die Pläne sind Teil eines milliardenschweren Sparprogramms, das Commerzbank-Chef Martin Blessing im November vorgestellt hatte. „Wenn wir unsere Ertrags- und Wachstumsziele unter anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen erreichen wollen, sind Anpassungen der Personalstruktur notwendig“, begründet Personalchef Ulrich Sieber das Vorhaben der Bank. Vor allem im Filialgeschäft, wo die Commerzbank seit langem kaum Geld verdient, gebe es deutliche Überkapazitäten.

Verdi erklärte, im Privatkundengeschäft sei nach Ansicht des Vorstands 30 Prozent zu viel Personal an Bord. Von 3 400 gefährdeten Stellen in der Sparte sollten daher kurzfristig 1 800 abgebaut werden. Schließlich will die Bank dort profitabler werden. Bis 2016 möchte Privatkundenvorstand Martin Zielke an jedem Kunden jährlich 320 Euro verdienen, 30 Euro mehr als heute.

Die Commerzbank plant, ihre 1 200 Filialen in vier verschiedene Typen zu gliedern. Die Niederlassungen sollen länger öffnen, die Mitarbeiter zwischen den Zweigstellen wechseln und teilweise im Schichtbetrieb arbeiten. Zugleich will die Bank laut Verdi die Gehälter im Schnitt um einige hundert Euro im Monat drücken. Zielke habe bereits signalisiert, je mehr die Arbeitnehmervertreter der Bank dabei entgegenkämen, desto geringer könne der Abbau ausfallen.

Bei Arbeitnehmervertretern stieß das Streichkonzert in einer ersten Reaktion auf Widerstand. „Das ist ein Horrorkatalog, den sich der Betriebsrat anhören musste“, zitiert Reuters eine Person aus dem Umfeld des Gremiums. Die Einschnitte im Inlandsgeschäft seien größer als die Kürzungen nach der Fusion mit der Dresdner Bank vor vier Jahren. Damals hatte die Bank weltweit rund 9 000 Arbeitsplätze gestrichen. „Das ist nicht verhandlungsfähig“, sagte der Arbeitnehmervertreter. Nach dem Willen der Bank sollen die Verhandlungen im Februar beginnen.

Verdi kündigte umgehend Widerstand an. „Der Kahlschlag ist für Verdi und die Betriebsräte nicht verhandelbar“, erklärte die Gewerkschaft. „Dieser Frontalangriff auf die Arbeitsbedingungen ist mit dem Ziel, gute Bankdienstleistungen vor allem im Kundengeschäft zu bieten, nicht vereinbar“, so Verdi-Vorstandsmitglied Beate Mensch in Berlin.

Analyst Guido Hoymann von Metzler Securities hingegen ist zuversichtlich, dass das Institut ohne Kündigungswelle auskommt. „Das ist kein sonderlich ambitioniertes Ziel.“ Im Schnitt gingen ohnehin drei Prozent der Belegschaft im Jahr freiwillig. Die Aktionäre reagierten erfreut auf die Pläne. Die Anteilsscheine legten deutlich zu.

Auch interessant