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Bundesbank: 674 Tonnen Gold werden nach Frankfurt am Main verlagert

Uhr | Aktualisiert 16.01.2013 19:41 Uhr

Goldbarren in der Bundesbank (FOTO: DPA)

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Die Deutsche Bundesbank hat jetzt angekündigt, bis zum Jahr 2020 insgesamt 674 Tonnen Gold im Wert von 27 Milliarden Euro nach Frankfurt am Main zu verlagern - 300 Tonnen aus New York und 374 Tonnen aus Paris. Die Transporte sind riskant.
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Frankfurt (Main)/MZ. 

In den Kellerräumen der US-Notenbank Fed und der Banque de France wird in den kommenden Jahren Platz frei: Die Deutsche Bundesbank hat jetzt angekündigt, bis zum Jahr 2020 insgesamt 674 Tonnen Gold im Wert von 27 Milliarden Euro nach Frankfurt am Main zu verlagern - 300 Tonnen aus New York und 374 Tonnen aus Paris. Damit holt die Institution rund ein Fünftel ihrer gesamten Reserven aus dem Ausland an den Main.

Die logistische Mammutaufgabe geht zurück auf Forderungen der Politik und des Bundesrechnungshofes. Letzterer hatte im vergangenen Jahr kritisiert, dass die im Ausland gelagerten Goldbarren noch nie auf ihre Echtheit untersucht worden seien. Und Politiker wie Philipp Mißfelder (CDU) zweifelten, ob alles in Ordnung ist.

Dem scheint sich die Bundesbank nun zu beugen. Allerdings nur in Teilen: "Eine vollständige Verlagerung aller Bestände wäre nicht sachgerecht", sagte der für die Verwaltung der Goldreserven verantwortliche Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Grund sei, dass das Gold im Krisenfall in New York und London, dem dritten ausländischen Lagerort, schneller und einfacher in Devisen - insbesondere in die Weltleitwährung Dollar - getauscht werden könne. Nach der Einführung des Euro sei es nicht mehr nötig, deutsches Gold in Paris zu lagern, um im Notfall an Francs zu kommen, sagte Thiele. Daher sollen die dortigen Lager komplett geleert werden. Zudem seien Tresore auf dem Gelände der Bundesbank im Frankfurter Norden frei geworden, die zunächst für die Umstellung von der Mark auf den Euro benötigt worden seien. Die Bundesbank hatte bereits vor zehn Jahren 931 Tonnen ihres Goldes aus London geholt.

Bislang liegt rund ein Drittel des Goldbestandes in Frankfurt, der insgesamt 3 391 Tonnen wiegt. Und dieser Schatz bewegt die Gemüter: In regelmäßigen Abständen taucht das Thema in der politischen Debatte auf. Soll die Deutsche Bundesbank ihre Goldreserven verkaufen und mit dem Verkaufserlös - das wären immerhin rund 140 Milliarden Euro - etwas Sinnvolles für die deutsche Wirtschaft tun? Oder soll sie die Barren lieber für schlechte Zeiten aufbewahren? Darüber streiten Politiker, Fachleute und Bürger - obwohl das gelbe Edelmetall seine einstige Bedeutung längst verloren hat.

Jahrhundertelang galt: Nur Gold ist Wahres. Ab dem Ende des Mittelalters wurde in Europa schrittweise Papiergeld eingeführt, das allerdings jederzeit gegen Gold eingetauscht werden konnte und auch nur deswegen von der Bevölkerung akzeptiert wurde. Diese Garantie endete in Deutschland mit Beginn des Ersten Weltkriegs. Nach dem Ende des Wechselkurssystems von Bretton Woods lief 1973 dann auch die Verpflichtung der Fed in den USA aus, die Dollarreserven jedes Mitgliedstaates zum festgelegten Kurs in Gold umtauschen zu können.

Die Staaten behielten ihre Goldreserven aber trotzdem. Sie gelten als der letzte Anker im Wirtschaftsnotfall, denn: Mit Gold kann man immer zahlen, auch wenn eine Währung zusammenbricht. Allerdings sind die deutschen Reserven im Grunde viel zu gering, als dass sie wirklich ein rettender letzter Anker sein könnten. Ende vorigen Jahres hatten sie einen Marktwert von 137,5 Milliarden Euro. Damit kann keiner Deutschland vor dem Kollaps bewahren. Und dabei sitzt die Bundesrepublik schon auf den zweithöchsten Reserven weltweit. Nur die USA verfügen mit 8 134 Tonnen über mehr Gold.

Die Bundesbank war nach eigenen Angaben nie im Goldhandel aktiv. Bei Gründung der Europäischen Zentralbank (EZB) 1999 gab sie der EZB vertragsgemäß rund 230 Tonnen Gold ab. Die Frankfurter Notenbank verwaltete das deutsche Gold autonom. Die Bundesregierung hat keinerlei Zugriff darauf. Deutsche Finanzminister haben dennoch immer wieder versucht, an Teile des Goldes zu kommen, um Löcher im Bundeshaushalt zu stopfen und Investitionen zu fördern - bislang ohne Erfolg. Trotzdem fließen jedes Jahr einige Tonnen an den Finanzminister für die Ausgabe von Goldmünzen. Dieses Gold muss die Bundesregierung jedoch bezahlen.

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