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Boeing 787: Behörden ziehen «Dreamliner» aus dem Verkehr

Uhr | Aktualisiert 19.01.2013 09:04 Uhr
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Der „Dreamliner“ muss wegen der Brandgefahr von Batterien auf dem Boden bleiben. Eine Airline prüft deswegen schon Forderungen nach Schadenersatz. Von Häme ist beim Rivalen Airbus keine Spur.
Washington/Tokio/dpa. 

Flugverbot für Boeings „Dreamliner“: Der Vorzeigeflieger des US-Flugzeugbauers darf wegen Brandgefahr vorerst weltweit nicht mehr abheben. Behörden in den USA, Europa und anderen Ländern haben das Flugzeug aus dem Verkehr gezogen. Boeing könnte das Problem teuer zu stehen kommen. Die polnische Fluggesellschaft LOT denkt bereits über Schadenersatzforderungen nach. Auslöser für das behördlich verhängte Flugverbot ist die Notlandung eines „Dreamliners“ in Japan, in dem eine Batterie geschmort hatte. Bevor eine der Maschinen wieder starten darf, muss die Sicherheit der Batterien nachgewiesen werden.

Als erste Institution sprach die US-Luftfahrtbehörde FAA in der Nacht zum Donnerstag ein Flugverbot aus. Es war das erste Mal seit 34 Jahren, dass die FAA ein Flugverbot für alle Maschinen eines Typs verhängt hat. Die Aufseher in Japan, Europa, Indien, Katar und Chile schlossen sich an. Die japanischen Gesellschaften All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) hatten bereits am Mittwoch kurz nach der Notlandung der ANA-Maschine im japanischen Takamatsu vorerst alle Flüge mit dem „Dreamliner“ ausgesetzt.

Die einzige europäische Airline mit dem „Dreamliner“ in ihrer Flotte, die polnische LOT, prüft möglichen Schadenersatz wegen des Flugverbots für den Langstreckenjet. „Wir zählen jetzt die Kosten für den Flugausfall und die Ersatzmaschinen und erwägen, von Boeing eine Entschädigung zu verlangen“, sagte Unternehmenssprecher Marek Klucinski am Donnerstag. „Wie lange die technische Überprüfung dauert und wann die Dreamliner wieder fliegen können, steht noch nicht fest.“ Am Mittwoch hatte sie eine ihrer beiden Maschinen erstmals auf einen Langstreckenflug geschickt. Jetzt steht sie in Chicago und darf vorerst nicht mehr starten.

Boeing bedauerte die Ereignisse, steht aber weiterhin zu seinem jüngsten Flugzeugmodell. „Wir sind überzeugt, dass die 787 sicher ist“, sagte Boeing-Chef Jim McNerney. Das Unternehmen arbeite mit der FAA und anderen Behörden daran, Antworten auf die drängenden Fragen zu finden. US-Experten wollen nun in Japan den Pannenflieger unter die Lupe nehmen.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus äußerte sich am Donnerstag ohne Schadenfreude zu dem Desaster bei seinem Konkurrenten. „Ich würde nicht auf die Probleme der Konkurrenz wetten, um den eigenen Erfolg zu sichern“, sagte Airbus-Chef Fabrice Brégier in Toulouse. Für das laufende Jahr zeigte sich Airbus optimistisch: Der Flugzeugbauer rechnet mit Bestellungen für 700 Passagiermaschinen und 30 Militärflugzeugen. Mehr als 600 Flugzeuge sollen ausgeliefert werden. Brégier kündigte für 2013 rund 3000 Neueinstellungen an, nachdem 2012 bereits 5000 zusätzliche Beschäftigte angeheuert wurden.

Nach einem neuerlichen Rekordjahr will Airbus die Zahl seiner ausgelieferten Flugzeuge weiter kontinuierlich steigern. Im vergangenen Jahr übergab die wichtigste Tochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS 588 Maschinen an ihre Kunden. Im Jahr 2011 hatte Airbus laut Brégier 534 Modelle abgeliefert. Insgesamt seien 89 Kunden beliefert worden, darunter 17 neue. In den Büchern hat Airbus nun 4682 Bestellungen im Wert von 638 Milliarden US-Dollar (487 Milliarden Euro). Das ist nach eigenen Angaben branchenweiter Rekord.

Für die Boeing-Aktie ging es Donnerstag erneut nach unten. Zum Handelsstart an der Wall Street verlor sie 1,13 Prozent auf 73,50 Dollar. Am Vortag hatten sie mehr als drei Prozent ihres Werts verloren.

Bereits in der Vorwoche hatte eine Batterie eines am Boden stehenden „Dreamliners“ der JAL Feuer gefangen, außerdem verlor ein Flugzeug vor dem Start rund 150 Liter Treibstoff. Weiter ging die Pannenserie mit einer Störung des Bremscomputers an einem ANA-Jet, einem Ölleck und einem spinnennetzförmigen Riss in einem Cockpit-Fenster. In Deutschland hat bislang keine einzige Fluggesellschaft den „Dreamliner“ in der Flotte.

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