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Bio-Produkte: Ernährungswirtschaft hinkt im Osten hinterher

Uhr | Aktualisiert 05.02.2013 08:01 Uhr
Ein Mitarbeiter der Gläsernen Molkerei kontrolliert im brandenburgischen Münchehofe die Käsezubereitung. Die Umsätze vom Biobauern sind zwar recht hoch, doch bei der Verarbeitung von Milch, Getreide oder Eiern gibt es vor allem in Ostdeutschland noch Nachholbedarf. (ARCHIVFOTO: DPA) 
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Weit mehr als eine Milliarde Euro setzen die deutschen Biobauern jedes Jahr mit ihren Erzeugnissen um. Doch bei der Verarbeitung von Milch, Getreide oder Fleisch gibt es vor allem in Ostdeutschland noch Nachholbedarf. Das drückt die Erlöse hiesiger Biobauern.
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Jena/dpa. 

Der Markt mit Bioprodukten ist längst ein Massenmarkt geworden, der dem deutschen Einzelhandel Milliardenumsätze beschert. In vielen ostdeutschen Regionen jedoch haben es Biobauern schwer, ihre Erzeugnisse zu auskömmlichen Preisen an den Verbraucher zu bringen. Laut einer Untersuchung der Landwirtschaftsbehörden in Sachen wirtschaftlicher Erfolg hinken die ostdeutschen Biobauern den konventionell wirtschaftenden Betrieben hinterher. Die Kluft ist demnach zuletzt sogar etwas größer geworden.

Das ordentliche Ergebnis zuzüglich Arbeitskraft - eine gängige Kennzahl des unternehmerischen Erfolgs in der Landwirtschaft - lag demnach im Wirtschaftsjahr 2010/2011 nur bei etwa 91 Prozent des Wertes von konventionellen Betrieben. In absoluten Zahlen heißt das: rund 28 900 Euro pro Arbeitskraft bei Biobetrieben standen knapp 31 800 Euro je Arbeitskraft bei konventionellen Betrieben gegenüber. Im Jahr zuvor machte die Differenz nur vier Prozentpunkte aus.

„Schwankungen sind nicht ungewöhnlich und hängen von verschiedenen Faktoren wie etwa den Ernteergebnissen, den erzielten Preisen und dem Personalaufwand ab“, erklärte Martin Herold, der für die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft in Jena an der Auswertung beteiligt war. Darin flossen die Buchführungsergebnisse von 154 ostdeutschen Biobetrieben mit einer Fläche von insgesamt knapp 58 000 Hektar ein.

Demnach konnten die Betriebe ihre geringeren Erträge insgesamt letztlich nicht durch höhere Preise für Bio-Lebensmittel ausgleichen. Beispiel Milch: Im Schnitt konnten die Biobauern 2602 Euro je Kuh erlösen, bei konventionellen Betrieben waren es 2742 Euro. Ein Grund dafür ist, dass trotz einer anhaltend hohen Nachfrage nach Produkten aus Bio-Milch der Preisabstand zu konventioneller Milch im Zeitraum der Untersuchung auf 8 Cent je Kilogramm gesunken ist. Im Jahr 2008 waren es den Angaben zufolge noch 15 Cent. Bei Getreide hätten sich zudem die Preise für konventionelle Ware besser entwickelt, so dass auch hier der Abstand schrumpfte und der geringere Ernteertrag im Bioanbau nicht durch den höheren Erlös kompensiert wird.

Eine Hürde für die ostdeutschen Biobetriebe ist, dass die Ernährungswirtschaft in dieser Region vorwiegend konventionell aufgestellt ist. „Es fehlt eine Verarbeitungsstruktur, wie sie in den westlichen Bundesländern gewachsen ist“, erläutert Claudia Clemens von Verband Gäa. Als Beispiele nannte sie die Bereiche Molkereiprodukte und Backwaren. Sie vermisse bei vielen Betrieben die Offenheit, sich mit der Weiterverarbeitung von Bio-Erzeugnissen auseinanderzusetzen.

Angesichts fehlender Absatzwege können Biobauern hierzulande ihre Produkte mitunter überhaupt nicht zu Öko-Konditionen absetzen. Viele Betriebe setzen daher vor allem auf Direktvermarktung. Doch auch da ist es mitunter schwierig, entsprechende Preise zu erzielen. Abseits der Speckgürtel von Großstädten wie Berlin oder Dresden sei die Nachfrage nach Bioprodukten oft nicht sehr groß, weiß Marktbeobachterin Susanne Keller von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. „Und die höheren Preise schrecken hier mehr Menschen vom Kauf ab.“

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