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Bilanz 2012: Solarkrise wirft großen Schatten

Uhr | Aktualisiert 28.12.2012 19:57 Uhr

Dunkle Wolken über Solar Valley (FOTO: ARCHIV)

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Wirtschaft wird von Menschen gestaltet. Die MZ nennt Gewinner und Verlierer der Region. Mehrere Firmeninsolvenzen versetzten der Industrie in Sachsen-Anhalt 2012 herbe Rückschläge.
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Halle (Saale)/MZ. 

"Es ist ein sehr bewegtes Jahr gewesen", sagt Uwe Schmorl. Im Mai meldete der größte deutsche Solarzellen-Hersteller Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen Insolvenz an. "Für uns kam dies überraschend", erzählt der Betriebsratschef rückblickend. "Es war niederschlagend, keiner wusste, ob es mit Q-Cells weitergeht." Doch es ging weiter. Die Investorengespräche verliefen erfolgreich, der koreanische Konzern Hanwha übernahm im Herbst große Teile der Produktion und machte den Standort zu seinem Solar-Forschungszentrum. "Nach anfänglicher Skepsis ist der Eindruck positiv", sagt Schmorl. Der neue Hanwha-Q-Cells-Chef, Charles Kim, sitzt vor Ort - nicht in Korea oder China.

Andere Solarfirmen hatten da weniger Glück im Pech. Das benachbarte Unternehmen Sovello wird abgewickelt. 1 000 Mitarbeiter verloren ihre Arbeit. Schüco schloss sein Solarglaswerk bei Magdeburg mit mehr als 200 Mitarbeitern. PV Crystalox will wohl seine Produktion im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen aufgeben. Auch bei zahlreichen Zulieferern fallen Aufträge und damit Arbeitsplätze weg. Die deutschen Hersteller produzieren teurer als die chinesische Konkurrenten und haben zu wenig Kapital, um den Wettbewerb um Marktanteile zu gewinnen. Die Politik konnte kaum mehr eingreifen. Dies alles schlägt sich auch in der Bilanz des Landes nieder. "Im ersten Halbjahr 2012 war die Produktionsdynamik in Sachsen-Anhalt um 0,7 Prozent rückläufig", heißt es im Konjunkturbericht des Wirtschaftsministeriums. Damit blieb das Land deutlich hinter der Entwicklung in Deutschland mit plus 1,1 Prozent zurück. Die Zahl der Erwerbstätigen ging leicht auf knapp eine Million zurück. Dass sich dies nicht stärker in der Arbeitslosenstatistik spiegelt, liegt vor allem daran, dass mehr Menschen in Rente gehen als junge in das Berufsleben einsteigen. Der Konjunkturchef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, sagte zuletzt, dass sich die Ost-Wirtschaft "nahe an der Rezession" bewegt. Nach bisherigen Daten könnte Sachsen-Anhalt 2012 im Minus abschließen.

Wirtschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU) sieht die Lage insgesamt dennoch als stabil an. Sie verweist auch auf Neuansiedlungen. So investiere der Aluminium-Hersteller Novelis in Nachterstedt (Salzlandkreis) 200 Millionen Euro in ein neues Recyclingzentrum und will rund 200 Jobs schaffen. Viele Wirtschaftszweige würden gute Ergebnisse erwirtschaften.

Doch bereits über dem nächsten Industriezweig, der Chemie, ziehen dunkle Wolken auf. Die USA fördern immer mehr eigenes, billiges Erdgas. Die Chemie-Industrie feiert dort ein Comeback. Auch im Mittleren Osten entstehen riesige Chemiekomplexe wegen preiswerter Gas- und Ölvorkommen. In Deutschland steigen dagegen die Kosten. Für die energieintensive Chemie wird die Lage brenzlig. Der Wirtschaftsforscher Ulrich Blum von der Uni Halle sagt daher: "Die Landespolitik muss aufpassen, dass sie den Problemen nicht nur hinterherrennt."

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