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Betrug: Bei Kreditvermittlung aufpassen

Uhr | Aktualisiert 29.10.2012 21:40 Uhr

Ein Schufa-Eintrag entscheidet über die Kreditwürdigkeit. Verschuldete Verbraucher in Geldnöten lassen sich daher oft auf Angebote ein, in denen Geld trotz Schufa-Vermerk versprochen wird. (FOTO: DPA)

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Die Angebote verheißen Kredite ohne Prüfung der Vermögensverhältnisse, sie versprechen Bargeld sofort und scheinbar ganz im Sinne des Verbrauchers. Meist entpuppt sich die vermeintliche Hilfe fast immer als reine Abzocke.
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Berlin/MZ. 

Die Angebote verheißen Kredite ohne Prüfung der Vermögensverhältnisse, sie versprechen Bargeld sofort, unkompliziert und scheinbar ganz im Sinne des Verbrauchers. Sie richten sich an Menschen, denen das Wasser bis zum Hals steht. Ihr Dispo ist längst ausgeschöpft, die Schulden türmen sich, Wohnung und Girokonto stehen vor der Kündigung.

Rund 400 000 Menschen pro Jahr setzen nach Hochrechnungen der Wirtschaftsauskunftei Schufa in solcher Lage auf vermeintliche Rettung in höchster Not, auf einen Kredit ohne Prüfung ihrer Bonität. Schlechterdings entpuppt sich die vermeintliche Hilfe fast immer als reine Abzocke, die die Lage der Betroffenen nicht verbessert, sondern die Schuldenlast noch erhöht.

Zum zweiten Mal nach 2007 hat die Schufa mittels 22 eigens geschulter Personen 177 Angebote getestet, die Kredite ohne Prüfung der Zahlungsfähigkeit in Aussicht stellten. Dabei kam es in nur zwei Fällen tatsächlich zu einer Kreditvergabe, zu Effektivzinsen von bis zu 25,5 Prozent bei einem marktüblichen Zinssatz von 8,2 Prozent. Viele Anbieter hätten mit Kreditvermittlung gar nichts im Sinn, sagte Schufa-Vorstandschef Michael Freytag am Montag in Berlin. Ihr Geschäftsmodell basiere auf Abzockerei ohne Gegenleistung.

Wie dreist und skrupellos die vermeintlichen Helfer in der Not ihren ohnehin abgebrannten Kunden auch den letzten Cent noch aus der Tasche ziehen, erläuterte Studienautor Christian Maltry, Schuldnerberater im Landratsamt Main-Spessart: Zu den "Klassikern" zähle die Erstattung besonderer Auslagen, für die zwischen 40 und 80 Euro verlangt wurden. Für den "Vermittlungsaufwand" wurden zwischen 60 und 595 Euro in Rechnung gestellt, Hausbesuche ließen sich die Herrschaften mit 160 Euro vergüten. Man offerierte sinnlose Finanzberatungsverträge mit monatlichen Kosten von bis zu 40 Euro oder Kreditratenausfall-Versicherungen für Kredite, die noch gar nicht vergeben waren - und auch nie ausgezahlt wurden.

Stattdessen treiben viele Anbieter schwunghaften Handel mit den Daten und Adressen ihrer Kunden, mitunter ein Beifang, zuweilen auch die Haupteinnahmequelle der angeblichen Kreditvermittler. Das Verleihen von Geld spiele nur sehr selten eine Rolle, so Schufa-Vorstand Freytag. Maltry rät Betroffenen, Zahlungsaufforderungen der Anbieter wegen Vermittlungsgebühren und ähnlichem zu ignorieren und Mahnbescheiden formell zu widersprechen. Zwar drohten die Anbieter meist brachial mit "Konsequenzen". Tatsächlich aber scheuten unseriöse Anbieter den Gang zum Gericht - aus guten Gründen. Hugo Grote, Professor für Wirtschaftsrecht an der Hochschule Koblenz, fordert, der Gesetzgeber müsse für Kreditanbieter und Vermittler ähnlich hohe Zulassungsanforderungen formulieren, wie sie etwa für Finanzanlagevermittler gelten.

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