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Insolvenz bei TFA: Bernburger Fensterbauer ist pleite

Der Fenster- und Türenhersteller „Moderne Bauelemente TFA GmbH“ in Bernburg

Der Fenster- und Türenhersteller „Moderne Bauelemente TFA GmbH“ in Bernburg

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MZ/Archiv

Bernburg -

Erst kam der Hauptkunde, die Baumarktkette Praktiker, abhanden, nun zog auch noch Hornbach Aufträge zurück: Aufgrund von massiven Liquiditätsproblemen hat der Bernburger Fenster- und Türen-Hersteller Moderne Bauelemente TFA GmbH Insolvenz angemeldet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde vom Amtsgericht Magdeburg der hallesche Rechtsanwalt Lucas Flöther bestellt. Mehr als 200 Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze.

Umsatzverlust von 25 Prozent

Das konzernunabhängige Unternehmen gehört nach eigenen Angaben zu den größten Anbietern von Fenstern und Türen in Deutschland. Abgesetzt werden diese vor allem über Baumärkte. Das ist dem Unternehmen zum Verhängnis geworden. Die Insolvenz der Baumarktkette Praktiker und deren Mutter Max Bahr im vergangenen Jahr traf auch den Zulieferer aus Bernburg hart. Über Nacht brach der Umsatz um 25 Prozent ein. Zudem blieb die Firma auf Außenständen sitzen. Die Baumarktkette hatte nach früheren Angaben für die gelieferten Waren zehn Wochen kein Geld mehr gezahlt.

Dennoch ist Geschäftsführer Jörg Telsmeyer noch im August 2013 optimistisch gewesen, die Auftragsverluste innerhalb eines Jahres aufzufangen.

Doch es kam anders: Aufgrund der dünnen Kapitaldecke konnte Moderne Bauelemente offenbar bestimmte Liefertermine nicht einhalten. Vor wenigen Wochen brach daher auch eine Liefervereinbarung mit der Baumarktkette Hornbach weg. „Wir werden nun alles daran setzen, Aufträge von Hornbach zurückzugewinnen“, sagte Insolvenzverwalter Flöther gestern der MZ. Nach seinen Worten hatte das Unternehmen zuletzt gut gefüllte Auftragsbücher, konnte diese wegen fehlender Finanzmittel jedoch nicht abarbeiten.

Gespräche laufen

Die Zeit zur Sanierung wird allerdings knapp. Nach Angaben von Flöther hat Moderne Bauelemente bereits seit Juli keine Löhne mehr gezahlt. Mit der Insolvenzanmeldung sind durch die Arbeitsagentur eigentlich die Löhne der Beschäftigten für die kommenden drei Monate gesichert. Dieser Zeitraum verkürzt sich nun, da ausstehende Löhne gezahlt werden müssen. Derzeit laufen Gespräche, ob die Mitarbeiter zu Lohnzugeständnissen bereit sind. Die Arbeitnehmervertreter haben bereits zur Sicherung der Arbeitsplätze ein Entgegenkommen signalisiert.

Mit Lucas Flöther hat Moderne Bauelemente nun einen erfahrenen Sanierungsexperten an der Spitze. Nach eigenen Angaben hat er bereits mehr als tausend Insolvenzverfahren betreut, darunter den Handelsdiscounter Mäc Geiz oder die Wohnungsgesellschaft Leipzig West.

Moderne Bauelemente hatte sich zuletzt in der Region einen guten Ruf erarbeitet. Für Flutopfer spendete es 2013 Fenster und Türen. Der Betrieb zahlt auch Tariflohn, was in der Branche nicht selbstverständlich ist. Wirtschaftlich lief es allerdings auch in den vergangenen Jahren nicht gut. Bereits 2006 und 2011 musste die Firma Insolvenz anmelden und wurde im Jahr 2012 von einer neuen Investorengruppe übernommen.

Markt in Deutschland wächst

In Deutschland gibt es nach Angaben des Verbandes Fenster + Fassade (VFF) rund 6 700 größere und kleinere Fensterbaubetriebe mit etwa 100 000 Beschäftigten. Der Markt ist umkämpft. Aufgrund des derzeitigen Immobilienbooms wächst zumindest das deutsche Geschäft. Der Branchenverband geht davon aus, dass in Deutschland in diesem Jahr rund 13,9 Millionen Fenster verkauft werden - knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahr. (mz)