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Automobilindustrie: Volkswagen-Konzern geht in die Vollen

Uhr | Aktualisiert 23.11.2012 19:39 Uhr
VW will weiterhin glänzen. (FOTO: DPA) 
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Das VW-Management lässt sich nicht beirren. Der Aufsichtsrat hat am Freitag ein Investitionsprogramm von 50,2 Milliarden Euro für die nächsten drei Jahre beschlossen. Schwerpunkt sind die 27 Werke in Deutschland.
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Wolfsburg/MZ. 

In die hiesigen Fabriken sollen 60 Prozent der Mittel fließen. "Wir bei Volkswagen stehen zum Industriestandort Deutschland", sagte VW-Chef Martin Winterkorn. Das war als Seitenhieb auf den kleineren Konkurrenten Opel gedacht - die US-Mutter General Motors will das Werk in Bochum schließen.

Der VW-Konzern mit seinen zwölf Marken stellt mit den 50 Milliarden eine Rekordsumme für Neuerungen zur Verfügung. Damit bleibt er sich aber zugleich treu. In den vergangenen Jahren sind die Investitionsvolumina kontinuierlich gestiegen, und zwar mit der Expansion der Gruppe. Diesmal werden erstmals die beiden Neuerwerbungen Porsche und MAN einbezogen.

"Das ist ein satter Aufschlag im Vergleich zu früheren Planungen", sagt Frank Schwope, Auto-Analyst bei der Nord  / LB. Der VW-Aufsichtsrat beschließt traditionell im November die Investitionen für die nächsten Jahre. 2011 waren allerdings schon im September Ausgaben von 62,4 Milliarden für die Periode von 2012 bis 2016 beschlossen worden. Hinzu kamen 14 Milliarden für die Werke in China. Auch jetzt müssen zu den 50 Milliarden noch knapp zehn Milliarden draufgerechnet werden, die die Fabriken im Reich der Mitte aufwenden sollen. Die Standorte dort werden als Joint Ventures mit chinesischen Staatsfirmen geführt. Die Wolfsburger ziehen mit ihren Partnern derzeit drei neue Werke hoch.

In China ist die Nachfrage nach Autos immer noch extrem hoch. Zwar ließen die Zuwachsraten zuletzt nach. Experten erwarten dennoch einen über Jahre stetig steigenden Absatz, da die Motorisierung in dem Riesenland weit geringer als in den westlichen Staaten ist. China ist längst der wichtigste Markt für die Wolfsburger, sie sind dort Marktführer.

Schwerpunkt der Investitionen mit knapp 25 Milliarden Euro ist allerdings die Entwicklung neuer Autos oder das Überarbeiten schon existierender Modelle. Dazu zählt auch eine neue Generation beim erst in den vergangenen Monaten in den Konzern integrierten Münchner Lastwagenwagenbauer MAN. Winterkorn kehrt abermals hervor, dass mit dem Geld auch die Entwicklung "alternativer Antriebe" vorangetrieben werden soll. Umweltschützer nehmen dem Vorstandschef diese Zusage nicht wirklich ab.

Das Aufstocken der Investitionen bedeutet vor allem eins: Attacke. "Volkswagen ist derzeit in einer ungewöhnlich günstigen Situation", sagt Schwope. Dem Konzern gehe es gut, während andere schwächelten. Neben China fährt VW derzeit auch auf den nordamerikanischen Märkten steigende Gewinne ein. Konkurrenten wie Peugeot-Citroën, Fiat, Opel oder Renault, die erheblich weniger stark außerhalb Europas aktiv sind, fallen hingegen immer weiter zurück.

Finanziell kann Europas größter Autobauer die Investitionen locker stemmen: VW verfügt über ein Finanzpolster von 9,2 Milliarden Euro. Weitere rund 4,5 Milliarden haben sich die Wolfsburger gerade durch zwei Anleihen beschafft.

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