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Automobilhersteller: Neues VW-Werk in Mexiko eröffnet

Uhr | Aktualisiert 16.01.2013 17:05 Uhr

Volkswagen-Mitarbeiter arbeiten am 15.01.2013 im mexikanischen Silao im neuen Motorenwerk von Volkswagen. Der deutsche Autobauer eröffnet damit den 100. Standort im weltweiten Produktionsverbund des Volkswagen Konzerns. (FOTO: DPA)

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Der Wachstumsdrang von VW kennt keine Grenzen. Weltweit entstehen neue Werke. Nummer 100 hat jetzt im zentralmexikanischen Silao aufgemacht. Eine Herausforderung: Von Autos hatten zu Anfang die wenigsten Mitarbeiter Ahnung.
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Silao/DPA. 

Rubén Leal ist sichtlich stolz darauf, für Volkswagen zu arbeiten. Seit 35 Jahren ist der Mann aus Mexiko im Unternehmen. „VW hat in Mexiko einen guten Namen“, sagt er. Als er anfing, war der Käfer noch der Verkaufsschlager. Seine wohl größte Herausforderung liegt jedoch jetzt vor dem 56-Jährigen: Als einer der Werksleiter muss Leal dafür sorgen, dass eine komplett neue Fabrik im zentralmexikanischen Silao von Beginn an rund läuft. Das ist nicht immer eine ganz leichte Aufgabe.

Es ist auch nicht irgendeine Fabrik: Es ist die 100. im VW-Konzern. Sie steht in einer Region, die traditionell eher für Lederwaren als für Autos bekannt ist. „Die Leute mussten die Grundlagen lernen“, sagt Leal, „etwa wie man einen Kolben richtig anpackt, das geht nicht einfach so.“

Bis zum Ende des Jahres sollen 700 Leute in Silao TSI-Motoren fertigen. Rund 400 Mitarbeiter sind schon da. Am Dienstag war Eröffnung. Nicht nur VW-Chef Martin Winterkorn war extra angereist, sondern auch Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto. Es herrschten strenge Sicherheitsvorkehrungen. An den Zufahrtsstraßen und auf dem Fabrikdach waren Soldaten postiert.

Werksleiter Leal zeigte sich aber entspannt, dass der Anlauf der Produktion mit dem jungen Team klappen würde. „Die Leute wollen lernen“, sagt er. „Die waren teilweise in Wolfsburg oder Ingolstadt.“ Er selbst hatte damals an den Heimatstandorten von VW gelernt, daher spricht er deutsch. Dann war er im Werk Puebla, wo der berühmte Mexiko-Käfer vom Band lief und wo heute Jetta, Beetle und Golf Kombi gebaut werden. „VW hat in Mexiko einen guten Namen“, sagt Leal.

Nun ist er 500 Kilometer weit umgezogen. VW hatte gleich mehrere Gründe, Silao als Standort auszuwählen: Es gibt einen Bahnanschluss und der internationale Flughafen der angrenzenden Millionenmetropole Leon ist nur eine Viertelstunde Autofahrt entfernt. In direkter Nachbarschaft gibt es zudem eine Technische Hochschule. „Da bekommen wir unsere Talente her.“ Bei den Mitarbeitern in der Produktion half die Lokalregierung mit Trainingskursen aus. Und nicht zu verachten, wie Leal sagt: „Wir haben das Grundstück geschenkt bekommen.“

Volkswagens neues Werk kann bis zu 330 000 Motoren pro Jahr produzieren. Das hätte zuletzt ausgereicht, um beinahe die Hälfte der nordamerikanischen Autoproduktion des VW-Konzerns zu bestücken. Die bis zu 210 PS starken Turbo-Vierzylinder bilden das Herz der Modelle Passat, Jetta und Beetle. Neben Puebla montiert VW seine Autos seit anderthalb Jahren auch in der US-Südstaatenstadt Chattanooga.

Bislang lieferte die Audi-Fabrik im ungarischen Gyor die TSI-Motoren der sogenannten dritten Generation zu. Doch die Verkäufe von VW insbesondere in den USA waren zuletzt so stark gestiegen, dass ein eigenes Motorenwerk lohnte.

VW ist allerdings nicht der erste Autokonzern, der Silao entdeckt hat. General Motors produziert hier seit den 1990er Jahren Motoren, Getriebe, Pick-up-Trucks und Geländewagen. Im Umkreis von einer Stunde Autofahrt haben sich Mazda und Honda angesiedelt sowie Zulieferer wie Pirelli. „Früher sind die Leute in die USA gegangen, weil sie keinen Job gefunden haben“, sagt Leal. Heute gehen Motoren und ganze Autos über die Grenze.

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