Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Auto: Der neue VW kann in den Kühlschrank gucken

Inklusive Schiebetür an der Seite: Der Elektro-Bulli knüpft an VW-Busse mit Tradition an.

Inklusive Schiebetür an der Seite: Der Elektro-Bulli knüpft an VW-Busse mit Tradition an.

Foto:

dpa

Las Vegas -

VW will mit einem Elektromobil an das Erbe des legendären Bulli anknüpfen und aus dem Schatten des Abgasskandals treten. Volkswagen-Markenchef Herbert Diess stellte auf der Technik-Messe CES in Las Vegas das Modell BUDD-e vor, dessen Design als eine stark modernisierte Version beliebter alter Wagen wie des T1 aus den 50er Jahren daherkommen soll. Der Nachfolger des legendären Bullis, der sich bei Surfern und Hippies gerade im amerikanischen Westen großer Beliebtheit erfreute, soll einen Elektroantrieb mit einer Reichweite von über 500 Kilometern haben.

„Das neue Volkswagen steht für erschwingliche Elektromobilität“, sagte Diess. Neben dem BUDD-e führte VW auch den e-Golf Touch vor, der einen Elektroantrieb hat und im Cockpit auch per Gestensteuerung bedient werden kann. Preise wurden nicht genannt.

Blick in den Kühlschrank

Mit BUDD-e will Volkswagen auch seine Vision der automobilen Zukunft präsentieren. Der Prototyp sei fest in der vernetzten neuen Welt verankert, betonte Diess. So könne man aus dem Cockpit in den Kühlschrank schauen oder sehen, wer zu Hause an der Tür klingelt. Auf Sprachbefehl könne der BUDD-e zum Beispiel die Beifahrertür aufmachen. Post-Pakete könnten von dem Boten in einem speziellen Fach unter dem Kofferraum abgelegt werden.

Ein „Highlight“ des Konzeptfahrzeugs ist VW zufolge der Ladezyklus der Batterie: Bereits nach etwa einer halben Stunde soll die Batterie des BUDD-e wieder zu 80 Prozent aufgeladen sein. Ein solches Auto könnte zum Ende des Jahrzehnts auf die Straße kommen, sagte Diess. Der e-Golf Touch hingegen solle binnen eines Jahres auf dem Markt sein.

Mit dem „Microbus“ hatte VW 2001 eine modernisierte Transporter-Neuauflage vorgestellt, die sich damals optisch noch stärker am Original orientierte. Das Konzept wurde gut aufgenommen, das Auto ging jedoch nie in Serie.

VW-Chef entschuldigt sich

Ein Erfolg bei alternativen Antrieben könnte VW auch helfen, den Abgasskandal hinter sich zu lassen. Zum Beginn des Auftritts entschuldigte sich der neue VW-Markenchef für die Manipulation der Abgaswerte bei rund elf Millionen Fahrzeugen

Volkswagen sorge dafür, dass so etwas nie wieder passieren könne. „Wir schaffen ein anderes und besseres Unternehmen.“ Er sei zuversichtlich, dass eine technische Lösung gefunden werde, die Anforderungen von US-Behörden entspreche, sagte Diess. In dieser Frage gebe es erhebliche Fortschritte. Der Konzern war am Vortag vom US-Justizministerium wegen des Abgas-Skandals verklagt worden, zumindest theoretisch drohen Strafen von mehr als 45 Milliarden Dollar.

Das aktuelle Problem sei sicherlich nichts, auf das VW „stolz sein“ könne, sagte der VW-Vorstand. CES-Chef Gary Shapiro hatte angesichts des Abgas-Skandals auch Zweifel, ob VW überhaupt die Präsentation zum Auftakt der Show abhalten sollte. Der Autokonzern habe ihn jedoch überzeugt. Vor einem Jahr zeigte Daimler an dieser Stelle seinen futuristischen selbstfahrenden Prototypen F015. (dpa, afp)