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Ausbildung: Jeder vierte Lehrlingsvertrag wird früher aufgelöst

Uhr | Aktualisiert 25.01.2013 19:24 Uhr

Nicht jeder, der ein Lehrstelle bekommt, beendet die Ausbildung auch. (FOTO: DPA)

Fast jeder vierte Ausbildungsvertrag in Deutschland wird vorzeitig gelöst. Im Jahr 2011 stieg die Vertragslösungsquote auf 24,4 Prozent, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) am Freitag mitteilte. Den Daten zufolge unterscheiden sich die Vertragslösungsquoten je nach Beruf erheblich.
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Berlin/afp. 

Fast jeder vierte Ausbildungsvertrag in Deutschland wird vorzeitig gelöst. Im Jahr 2011 stieg die Vertragslösungsquote auf 24,4 Prozent, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) am Freitag mitteilte. Demnach wurden insgesamt 149.760 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst, in etwa der Hälfte der Fälle setzten die betroffenen Lehrlinge die Ausbildung laut BiBB allerdings in einem anderen Betrieb oder Beruf fort.

Den Daten zufolge unterscheiden sich die Vertragslösungsquoten je nach Beruf erheblich. Bei Kellnern und Umzugshelfern wird jeder zweite Vertrag vorzeitig beendet. Auch bei Köchen, Kosmetikerinnen, Gebäudereinigern und Friseuren liegt die Quote bei über 40 Prozent. Am seltensten wird bei angehenden Verwaltungsfachangestellten der Vertrag vor dem offiziellen Ende gelöst - bei ihnen beträgt die Quote 3,7 Prozent. Unter zehn Prozent liegt die Quote auch bei Elektronikern und Bankkaufleuten.

Die Gründe für eine vorzeitige Beendigung des Lehrvertrags sind laut BiBB „vielfältig und mitunter komplex“. Mal gebe es gesundheitliche Gründe, mal werde der Betrieb geschlossen, mal ändere sich der Berufswunsch. „Manchmal passt die Chemie zwischen Ausbilder und Jugendlichen nicht, oder die Entfernung zum Betrieb wird auf Dauer zum Problem“, schilderte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Hans-Heinrich Driftmann, weitere Gründe.

Die Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Ingrid Sehrbrock, kritisierte, auffällig sei, „dass die Quote der Abbrüche sich schon seit Jahren erheblich zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen unterscheidet“. Es gebe „Problembranchen“, deren Ausbildungsqualität „zu wünschen übrig“ lasse.

Danach bleibt die rote Laterne beim Hotel- und Gaststättengewerbe: Gründe für die schlechte Bewertung waren regelmäßige Überstunden ohne finanziellen oder Freizeitausgleich, ausbildungsfremde Tätigkeiten und eine schlechte oder gar keine Betreuung durch einen Ausbilder.

Die Ausbildungsexpertin der Linkspartei im Bundestag, Anges Alpers, warnte deswegen davor, „einseitig“ bei den jungen Menschen den Grund für Ausbildungsabbrüche zu suchen. „Oftmals bleibt ihnen keine andere Wahl“, erklärte Alpers.

Die Wirtschaftsjunioren forderten die Einführung eines Schulfachs Wirtschaft. „Angesichts von Ausbildungsabbrüchen in Rekordhöhe muss die Berufsorientierung endlich einen festen Platz im Unterricht bekommen“, erklärte der Verband.

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