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Anschuldigungen: Mitarbeiterüberwachung bei Aldi Süd?

Uhr | Aktualisiert 06.01.2013 21:49 Uhr
Aldi ist der führende Lebensmittel-Discounter in Deutschland. Fast neun von zehn Haushalten kaufen Schätzungen zufolge bei Aldi Nord und Aldi Süd regelmäßig ein. (FOTO: DPA) 
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Schwere Vorwürfe gegen Aldi: Nach Angaben eines früheren Konzern-Detektivs soll der Discounter Angestellte mit versteckten Kameras bespitzelt haben.
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Berlin/MZ. 

So habe eine Führungskraft in Dornstadt (Baden-Württemberg) vor drei Jahren von ihm verlangt, über den Spinden der Mitarbeiterumkleidekabine mobile Miniaturkameras zu installieren, berichtet der „Spiegel“. Außerdem habe er Auffälligkeiten wie langsames Arbeiten, Verhältnisse unter Mitarbeitern oder andere Details aus deren Privatleben melden sollen.

Als er dies ablehnte, sei ihm gedroht worden, alle Überwachungsaufträge zu verlieren. Die Vorwürfe betreffen Aldi Süd. Das ist der Teilkonzern der Aldi-Gruppe, der die Südhälfte der Republik abdeckt.

Aldi Süd wies die Vorwürfe zurück. Man setze nur „in notwendigen Ausnahmen Detektive ein“, hieß es. Der Einsatz von Detektiven diene „nicht dem Bespitzeln von Mitarbeitern und Kunden, sondern der Aufdeckung von Straftaten“. Eine Überwachung von Mitarbeitern im Hinblick auf deren Arbeitsleistung werde in Verträgen „ausdrücklich ausgeschlossen“.

Aldi-Experte Dieter Brandes hält es für möglich, dass es bei Aldi Süd zu derartigen Vorfällen gekommen ist. „Solche Dinge sind nicht auszuschließen, haben aber mit dem menschlichen Versagen einzelner Mitarbeiter zu tun, nicht mit der Fehlorganisation des Unternehmens“, sagte er. Brandes arbeitete 14 Jahre für Aldi Nord, davon zehn Jahre im Verwaltungsrat. Er schrieb ein Buch über Aldi und arbeitet heute als Unternehmensberater. Überwachung sei im Handel durchgängig ein Thema, so Brandes, weil die Ware für jeden frei zugänglich sei. Die Branche sei deshalb extrem abhängig von zuverlässigen Mitarbeitern.

Der Einsatz von Detektiven werde in der Regel von den Bezirksleitern angeordnet. „Bei 800 Bezirksleitern können durchaus ein paar dabei sein, die die Detektei schlecht auswählen oder deren Arbeit nicht kontrollieren.“

Die Vorwürfe sind brisant, weil Konkurrent Lidl und damit die gesamte Branche 2008 wegen Bespitzelungsvorwürfen in den öffentlichen Fokus rückte.

„Sollten sich die Vorwürfe des Detektivs als korrekt herausstellen, wäre dieser Skandal dem schändlichen Verhalten von Lidl in der Vergangenheit ebenbürtig und würde einen weiteren riesigen Image-Schaden für die Branche Einzelhandel bedeuten“, sagte Ulrich Dalibor von der Gewerkschaft Verdi.