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Altersvorsorge: Versichert mit Verlust

Uhr | Aktualisiert 27.12.2012 19:32 Uhr

Zu einem gesicherten Lebensabend gehört private Altersvorsorge. (FOTO: DPA)

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Nach einer Studie im Auftrag der Grünen entgehen Verbrauchern jährlich Milliarden als Folge schlechter Beratung. Dem widerspricht die Branche.
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Berlin/MZ. 

Jedes Jahr gehen Verbrauchern, die eine Kapitallebensversicherung, einen Riester-Vertrag oder eine private Rentenversicherung abgeschlossen haben, bis zu 17 Milliarden Euro verloren, weil sie beim Abschluss nicht ausreichend über Risiken, Ertragsaussichten, Zinssätze und Gebühren informiert wurden. Dies geht aus einem Gutachten des Bamberger Finanzwissenschaftlers Andreas Oehler hervor, das von der Bundestagfraktion der Grünen in Auftrag gegeben wurde. Die Versicherungswirtschaft widerspricht der Studie.

"Die Zahlen sind falsch", teilte am Donnerstag Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Geschäftsführung des Unternehmensverbandes GDV, mit. Nach seiner Darstellung hat Oehler ausschließlich Beschwerdefälle untersucht. Diese 1 115 Fälle seien angesichts der 90 Millionen Lebens- und Rentenversicherungsverträge in Deutschland "nicht repräsentativ".

Hohe Provisionen

Aus Sicht der Auftraggeber aber ist die Studie alarmierend. "Der deutsche Steuerzahler buttert jährlich Milliarden in die private Altersvorsorge. Das soll die Rentnerinnen und Rentnern reich machen, nicht die Banken und Versicherungsmakler, kommentiert die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, Nicole Maisch, die Studienergebnisse.

Danach entstehen den Verbrauchern allein im Bereich der Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen Kosten in Höhe von 16 Milliarden Euro pro Jahr, weil sie ihre Verträge vorzeitig kündigen. Oehler führt den allergrößten Teil der Stornierungen auf eine irreführende oder unvollständige Verbraucherberatung bei Vertragsabschluss zurück. Offenbar werde den Kunden nicht deutlich gemacht, dass Lebensversicherungen eine extrem unflexible und dauerhaft gebundene Form der Altersvorsorge seien. Zudem belasteten hohe Kosten für Vertrieb, Provision und Verwaltung die Rendite, worüber viele Kunden nur unzureichend unterrichtet würden. Dass auch die Stornogebühren mit zumeist vier bis sechs Prozent sehr hoch angesetzt sind, bleibe den Kunden ebenfalls in vielen Fällen verborgen. "Es bestehen zumindest grundlegende Zweifel, ob Verbraucherinnen und Verbraucher definitiv im Klartext und in Euro vor Vertragsschluss wissen, welche Verluste entstehen, wenn ein Vertrag vorzeitig endet", schreibt Oehler. Anders die Versicherungsunternehmen: Diese kalkulierten vorzeitige Kündigungen fest ein: "Bereits mit dem Abschluss des Vertrages ist bei Kündigungsquoten von 55 bis 75 Prozent ein Verlust regelrecht absehbar" - ein Verlust für die Kunden wohlgemerkt, nicht für die Versicherer. Nach Darstellung des GDV sind hingegen Verluste "nur bei Kündigungen in den ersten Vertragsjahren zu erwarten."

"Gesetzentwürfe unzureichend"

Die Grünen lassen dies nicht gelten. "Die kalkulierten Schäden für die Sparer sind immens, weil Schwarz-Gelb weiter interessengeleitete Geschenke an die Finanzbranche verteilt und vor einer effizienten, verbraucherorientierten Regulierung aller Vertriebsformen und aller Produkte zurückschreckt", kritisiert Maisch. Das von der Regierungskoalition eingebrachte Altersversicherungsverbesserungsgesetz sowie das geplante Gesetz zur Honorarberatungen seien bei Weitem nicht ausreichend, um eine sachgerechte, verständliche und vollständige Information der Verbraucher zu gewährleisten. Denn auch und gerade bei Riester-Verträgen sind gravierende Mängel keine Seltenheit, wie auch Oehler in seinem Gutachten belegt. Ein großer Teil der 15,4 Millionen abgeschlossenen Riester-Verträge beinhalte viel zu hohe Abschlusskosten und Gebühren.