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An der Kasse wird gerundet: Darum nehmen Händler in Kleve die kleinen Cent-Münzen nicht mehr an

Cent-Münzen sind nicht besonders beliebt - Kleve will den Umlauf der kleinen Stücke reduzieren

Cent-Münzen sind nicht besonders beliebt - Kleve will den Umlauf der kleinen Stücke reduzieren

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dpa

Kleve -

Kleve schafft die Kupfermünzen ab – als erste Stadt in Deutschland: Von diesem Montag an runden dort viele Einzelhändler auf – und ab. Aus 3,98 Euro werden vier Euro, aus 3,92 dann 3,90 Euro. Dass das gut klappt, beobachten die Klever bei ihren Nachbarn jenseits der deutsch-niederländischen Grenze – und bei einem holländischen Käsehändler am Ort, der schon lange rundet. In den Niederlanden dürfen Händler seit Jahren entsprechend lässig mit den Centbeträgen umgehen. Klagen sind nicht bekannt. Schon die Ankündigung des Klever Citynetzwerkes löste ein breites Medienecho aus, sogar das Wall Street Journal hat sich in der kleinen Stadt am Niederrhein erkundigt.

800 Einzelhändler hat das Citynetzwerk angeschrieben, bis jetzt haben sich 60 Teilnehmer gemeldet, der „harte Kern“, wie Ute Marx vom Citynetzwerk sie nennt. Meist sind es inhabergeführte Geschäfte, in denen der Eigentümer auch die Kasse bewacht. Absagen gab es – „aus nachvollziehbaren Gründen“ wie Marx es kommentiert – von großen Ketten wie Saturn. Sie agieren bundesweit, gesteuert von Zentralen, und haben andere Sorgen „als lokale Kleinstversuche“. Bis zum Sommer, ist Marx sicher, wird in der Klever Fußgängerzone „flächendeckend“ gerundet.

Wer mit Scheckkarte an die Kasse tritt, zahlt wie bisher den Betrag bis auf den letzten Cent genau, zum Runden gezwungen werden weder Kunde noch Verkäufer. Die Gründe liegen für die teilnehmenden Ladeninhaber auf der Hand: Kleingeldannahme und das Zählen sind zeitaufwendig, in ersten Geldinstituten muss man schon bezahlen, wenn man gerolltes Geld erhalten möchte. In den Niederlanden werden Centbeträge schon lange ignoriert. 30 Prozent der Einkäufer im niederrheinischen Kleve stammen aus dem Nachbarland. Zumindest bei denen müssen die Einzelhändler, die von diesem Montag an auf- oder abrunden, wohl nicht mehr allzu viel Überzeugungsarbeit leisten.

Marx: „Die Bundesbank zieht sich immer weiter aus der Bargeldversorgung zurück und belastet die örtlichen Banken mit kostspieligen Vorgaben. Die ständig steigenden Kosten werden an die Kunden weitergereicht.“ Als der Euro eingeführt wurde, so berichtet sie, haben die Banken in den Niederlanden geschätzt, dass sie mehr als 30 Millionen Euro im Jahr sparen können, wenn sie die kleinen Münzen nicht nutzen.

Finnen, Schweden, Belgier und seit dem 1. November 2015 auch die Iren tun es ihnen gleich. Die Rundungsdifferenzen, so die allgemeine Erfahrung, gleichen sich am Ende aus. Dennoch: Wenn man sich in großen Städten umhört, sind die Reaktionen zurückhaltend. Weder im Ruhrgebiet noch im Rheinland haben sich Einzelhandelsverbände bisher zu ähnlichen Initiativen berufen gefühlt.

Marx beschwichtigt Skeptiker: „Konsumenten haben natürlich das Recht auf ein genaues Wechselgeld. Wir sind aber überzeugt, dass die Forderung danach eine Ausnahme bleiben wird.“ Mit Plakaten wollen die Klever nun für ihre Initiative werben, das Medienecho werde ein übriges tun.

Nur ein Problem hat Marx im Moment. Ihr fehlt der wortgewandte Widersacher. Sogar die Metzgerei, deren Inhaber sich bisher beredt vor allen Kameras für den Cent aussprach, ist umgeschwenkt. Auch der einstige Kritiker will jetzt runden.



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