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Ernährungsreport 2016: Nicht die Wirklichkeit auf deutschen Tellern

Viel Gemüse, gesund, umweltbewusst, bio, nachhaltig, fair und tierlieb – so stellen Deutsche im ernährungsreport 2016 ihr Eßverhalten dar. Zahlen sagen etwas anderes.

Viel Gemüse, gesund, umweltbewusst, bio, nachhaltig, fair und tierlieb – so stellen Deutsche im ernährungsreport 2016 ihr Eßverhalten dar. Zahlen sagen etwas anderes.

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dpa

Berlin -

Umfragen zu Ernährungsgewohnheiten haben eine entscheidende Schwäche: Viele Menschen neigen dazu, das eigene Essverhalten in ein reichlich mildes Licht zu tauchen. Man gibt sich tendenziell ein wenig gesundheitsbewusster, naturverbundener und tierlieber als man tatsächlich einkauft und isst.

Die Erhebung, die das Forsa-Institut für den am Dienstag vorgestellten Ernährungsreport 2016 des Bundeslandwirtschaftsministeriums durchgeführt hat, bildet da keine Ausnahme. Manche der Antworten, die die 1000 im Oktober befragten Verbraucherinnen und Verbraucher gaben, passen mit der Wirklichkeit auf deutschen Tellern einfach nicht zusammen.

So erklären laut Ernährungsreport neun von zehn Befragten, mehr Geld für Wurst und Fleisch ausgeben zu wollen, wenn die Tiere artgerecht gehalten werden. Im Durchschnitt würden die Befragten um 65 Prozent höhere Fleischpreise bezahlen. Gut ein Viertel der Verbraucher gab sogar an, das Doppelte und mehr auf die Fleischertheke zu legen, wenn es nur dem Wohl der Tiere dient.

Tatsächlich liegt der Marktanteil von Bio- und Neulandfleisch, die für eine artgerechtere Haltung stehen, nach Angaben des Naturschutzbundes hierzulande aber bei nur einem Prozent. Foodwatch nennt einen Anteil von immerhin zwei Prozent.

Kein Geld fürs Tierwohl

So oder so: Von einer großen Bereitschaft der breiten Bevölkerung, um des Tierwohls willen tiefer in die Tasche zu greifen, künden die Zahlen nicht.

Eine ähnlich tiefe Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit offenbart sich beim Blick in den Mülleimer. Laut Umfrage werfen 58 Prozent der allein lebenden Menschen sowie zwei Drittel der über 60-Jährigen niemals Lebensmittel weg. Nur 42 Prozent der Befragten räumten ein, mindestens einmal pro Woche Essbares in den Abfall zu kippen.

Demgegenüber kam die Universität Stuttgart 2012 in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass jeder Deutsche rein statistisch pro Jahr 82 Kilogramm Nahrung wegwirft, also im Durchschnitt täglich 225 Gramm.

Beim Müll geschummelt

Würde gut die Hälfte der Bevölkerung tatsächlich stets alle Lebensmittel verbrauchen, müssten die übrigen also jeweils ein Pfund Nahrung pro Tag der Mülltonne überantworten. Plausibler ist die Annahme, dass bei den Antworten geschummelt wurde und tatsächlich viel häufiger und mehr weggeworfen wird als es in der Umfrage aufscheint.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wo die Deutschen einkaufen und welche Gerichte sie am liebsten essen.

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