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Zeitz: Heftige Debatte um das Frauenhaus

Uhr | Aktualisiert 26.11.2012 20:11 Uhr
Blick in ein Frauenhaus. (ARCHIVFOTO: DPA) 
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Die Diskussion um das Frauenhaus in Zeitz ist neu entfacht. Auf der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses des Kreistages in Naumburg gab es dazu einen Schlagabtausch. Der war zwar sachlich, aber dafür heftig.
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Weissenfels/Zeitz/MZ. 

Stadtverwaltung will das Haus

Während der Zeitzer Oberbürgermeister Volkmar Kunze (FDP) bemüht ist, einen neuen Träger zu finden und weiterhin hofft, dass das Zeitzer Frauenhaus wieder geöffnet werden kann, sind die Bemühungen der Elsterstadt allerdings gebremst worden: Der Kreis hat schon vor einigen Wochen signalisiert, dass er keinen Bedarf für zwei Frauenhäuser sehe. Doch der Kreis hat nicht mit Ausschussmitglied Horst Heller (Die Linke) gerechnet: Der befeuerte die Diskussion immer und immer wieder.

Der Bedarf sei da, bislang sei das Haus stets ausgelastet gewesen, erklärte er. Viele Frauen würden sich fragen, wo sie im Notfall hingehen könnten. Das Ansinnen von Heller fiel nicht auf fruchtbaren Boden: Beigeordneter Beigeordneter Dieter Engelhardt schlug zunächst zwar durchaus moderate Töne an. Wenn die Summe von 16 500 Euro, so viel hatte das Zeitzer Haus im Vorjahr erhalten, nicht im Haushalt stehe, werde es für 2013 schwierig, das Geld dann locker zu machen. Man könnte es prophylaktisch einstellen, ließ er durchblicken. Und schob im gleichen Atemzug nach, dass dies eine freiwillige Aufgabe sei.

Das Frauenhaus in Weißenfels würde den Bedarf abdecken. Er habe sich vor der Sitzung noch einmal mit Landrat Harri Reiche (parteilos) abgestimmt, keine "knochenharte Linie" zu fahren. "16 500 Euro - das ist doch nicht der große Knaller", erwiderte Heller. "Das Einstellen in den Haushalt ist das Eine, das Andere ist die Auslastung des Hauses", schaltete sich Martina Münchow ein.

Auslastung nur bei 70 Prozent

Die Sozialamtsleiterin in der Kreisverwaltung brachte Zahlen ins Spiel. Die würden belegen, dass das Haus zumeist nur zwischen 60 und 70 Prozent ausgelastet sei. Zudem sei der Landkreis gegenüber dem Land in der Pflicht nachzuweisen, dass ein Bedarf an einem Frauenhaus besteht. "Das Land fördert nur die tatsächliche Belegung", so Münchow.

Träger soll gesucht werden

Ähnlich Töne schlug die CDU-Fraktion im Kreistag an, die am Wochenende zu einer Klausurtagung zusammen kam. Die würde im Haushalt gern 10 000 Euro verankert wissen. Versehen mit einem Haken: Wenn in Zeitz Bedarf besteht und zugleich ein Träger gefunden wird.

Dieser Auffassung widersetzte sich Horst Heller heftig. Nicht jede Frau wolle auch tatsächlich nach Weißenfels. Viele von ihnen würden sich lieber verprügeln lassen, bevor sie woanders hinfahren.

Zudem würden deren Kinder aus ihrer Umwelt herausgerissen und die Frauen teilweise aus der Arbeit. Hinzu komme, dass das Zeitzer Haus in einem Top-Zustand sei, sogar barrierefrei, einmalig in Sachsen-Anhalt. Heller: "Es wäre Frevel, das Haus nicht zu nutzen." Es ärgere ihn, dass der Kreis mit einem Federstrich das Haus streiche.

Naumburgs Gleichstellungsbeauftragte Steffi Schikor schien die Diskussion im Ausschuss in die falsche Richtung zu gehen. Sie setzte sich für zwei Frauenhäuser ein, die betroffenen Frauen sollten möglichst heimatnah untergebracht werden. Sie glaube, dass "Frauenarbeit unterschätzt" werde. Mit dem Satz hatte sie Dieter Engelhardt mitten ins Mark getroffen. Das könne man so auf keinen Fall stehen lassen, meinte er.

Der Landkreis habe sich bis jetzt in der Frage immer mächtig ins Zeug gelegt. Engelhardt: "Wir nehmen das soziale Engagement sehr ernst." Fügte aber kompromisslos hinzu, wenn man das Geld in der Höhe im Haushalt einstelle, müsse es woanders wieder gestrichen werden.

Versuch einer Schlichtung

In dem Moment unternahm Ausschussvorsitzende Roswitha Leich den zarten Versuch einer Schlichtung, als sie in Richtung Heller geneigt von einer "gehörigen Portion Emotionalität" sprach, die hier im Spiel sei. Vielleicht war das aber auch das richtige Wort zu richtigen Zeit, denn am Ende einigte sich der Ausschuss darauf, dass das Thema bis zum Haushaltsbeschluss im Dezember noch einmal gründlich geprüft werden müsse.

Birgit Peterz, die Leiterin des Weißenfelser Frauenhauses, die die Sitzung verfolgte, schien ein Stein vom Herzen gefallen zu sein. Ursprünglich sei wohl der Gedanke von Heller gewesen, in Zeitz und in Weißenfels die gleiche Anzahl von Plätzen, nämlich fünf, vorzuhalten. Peterz: "Das hätte unser wirtschaftliches Aus bedeutet."

Mit der Variante, in Weißenfels sieben Plätze vorzuhalten und in Zeitz vier, könne sie leben. Sie ergänzte, dass Frauen unter anderem aus Naumburg, Hohenmölsen und Lützen in Weißenfels untergebracht wurden.

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