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Zeitz: Ausländerwohnheim wird nicht geschlossen

Ausländerwohnheim

Das Ausländerwohnheim in der Zeitzer Albrechtstraße hat jetzt neue Fenster erhalten. Die Arbeiten führte eine polnische Firma aus. Im Bild: Wojziech Lopinstri (links) und Bartiomiej Poronsti.

Foto:

Hartmut Krimmer

zeitz/MZ -

„Es gibt keinen Grund, das Ausländerwohnheim zu schließen. Ich habe kein schlechtes Gefühl, wenn ich das Haus verlasse“, so Dirk Göddel. Der Referent des Landesverwaltungsamtes in Halle hatte am Montagnachmittag unangemeldet die Zeitzer Einrichtung kontrolliert. Sein Besuch machte sich notwendig, da Ende August unhaltbare Zustände dort festgestellt worden sind: Ungeziefer hatte sich breitgemacht, es gab defekte Abdichtungen zwischen Schachtsystem und Wohnräumen, um nur einiges zu nennen.

Immer noch Kakerlaken

Nach dem Aufdecken der Missstände wurde im Heim mächtig gewirbelt: Es erfolgte unter anderem die Sanierung des Schachtsystems im Gebäude, eine umfassende Ungezieferbekämpfung und Desinfizierung aller Räume, es wurde gemalert und 124 neue Fenster kamen rein. Hundertprozentig habe der Schädlingsbekämpfer das Ungeziefer nicht beseitigen können, er soll aber weiterhin vor Ort tätig werden, ergänzte Göddel. Er sprach von „Restungeziefer“, das aber durchaus in den Griff zu bekommen sei. Nach Aussage von Betreiber Karl Wiesemann von der Firma KVW-Beherbergungsbetrieb GmbH, sind 90.000 Euro investiert worden, weitere 42.000 Euro sollen in die Instandsetzung der sanitären Anlagen fließen. Die kompletten Bauarbeiten könnten nach Meinung der Dezernentin der Kreisverwaltung Angelika Renner im Frühjahr abgeschlossen sein. Damit auf keinen Fall diese schlimmen Zustände noch einmal auftreten, dafür wolle die Kreisverwaltung sorgen. „Wir führen ständig unangemeldet Kontrollen durch“, versicherte die Dezernentin.

Dass das Ausländerwohnheim mittlerweile wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangt ist, zeigte sich gestern Nachmittag zur Sitzung des Heimbeirates, der sich im Haus traf. Auf Befragen der MZ, ob sie sich in der Einrichtung wohlfühlen, bestätigten das die vier Beiratsmitglieder. Dennoch könnten sie sich mit einigen Missständen noch nicht zufriedengeben. So gebe es immer noch Kakerlaken, würden mitunter Toiletten verstopft und sei es in den Küchen unsauber.

Beirat soll Kontrolle einrichten

Rudi Gollmann, Leiter des Ordnungsamtes der Kreisverwaltung, erklärte, dass man das Problem mit dem Ungeziefer nicht von heute auf morgen beseitigen könne. Es brauche seine Zeit. Beim Thema Sauberkeit in den Gemeinschaftsküchen mahnte er an, dass hier alle Bewohner mit an einem Strang ziehen müssen. Dass manche von ihnen sich nicht an die Ordnung halten, bestätigten ein Serbe und ein Mann aus Mali. Einige würden sogar Müllbeutel in die Toilette schmeißen, die dann natürlich verstopfe. Gollmann regte an, dass der Beirat eine Kontrolle einrichten soll, worauf die beiden männlichen Heimbewohner sich spontan bereiterklärten, sich hier zu engagieren.

Dass das Zusammenleben der Bewohner nicht einfach sei, darauf verwies Göddel: Es sei nun einmal so, dass einige Asylbewerber lieber individuell in privaten Wohnungen leben möchten und nicht im Heim. „Dem kommen wir nach“, so Gollmann. Derzeit stehen 16 Wohnungen zur Verfügung, am 15. November sollen weitere fünf hinzukommen, in denen vorrangig Mütter mit Kindern untergebracht werden sollen.

Die MZ bat auch den Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt um eine Stellungnahme, der die Schließung des Heims gefordert hatte. Obwohl eine Mitarbeiterin das fest zugesagt hatte, kam ein Kontakt gestern nicht zustande.


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