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Mitteldeutsche Zeitung | Schlachtfeld der Musik: "Battlefield"-Pub in Weißenfels feiert Jubiläum
17. February 2016
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Schlachtfeld der Musik: "Battlefield"-Pub in Weißenfels feiert Jubiläum

Uwe Brückner zapft Bier.

Uwe Brückner im Pub „Battlefield“ beim Zapfen eines Guinness .

Foto:

Peter Lisker

Weissenfels -

„Endlich komme ich auch mal rein in den neuen Pub“, sagte einer der Gäste zur Neueröffnung des „Battlefields“ (Schlachtfeld) 2006 im Weißenfelser Geleitshaus. Er gab sich mit Gin zufrieden, dem einzigen alkoholischen Getränk, das Uwe Brückner (57) morgens gegen 4 Uhr noch übrig hatte, nachdem seit den Abendstunden des 17. Februar gefeiert worden war. Auf den Tag genau nach zehn Jahren wird heute zur Session eingeladen, die Post ab geht dann noch einmal am Samstag. „Vor zehn Jahren kamen 500 Leute und ich und mein Sohn Robert haben uns verwundert die Augen gerieben.“ Wenn heute selbst ein Ire sagt, dass das „Battlefield“ sein Lieblingspub sei, ist das für Brückner ein Ritterschlag.

Brückner war Lok-Führer, leitete kurz das Asylbewerberheim, war Straßensozialarbeiter, zwei Jahre im Rahmen eines individualpädagogischen Projektes in Portugal und wollte danach etwas Neues anfangen. Er erzählt von seiner Liebe zu Irland, das er seit einer Radtour 1991 im Herzen trug, und zu Schottland. Er verweist auf Langsamkeit und Ruhe, mit der dort alles erledigt wird, eine unübersehbare Armut und einen wohl deswegen besonders herzlichen und hilfsbereiten Menschenschlag.

Mit viel Live-Musik gewürzte Gastronomie

Brückner war zehn Jahre Vorsitzender des Live-Clubs im Schloss. Schon damals hatte es Gedanken gegeben, die Räume im Geleitshaus zu nutzen. Immerhin haben sich dort vier Inhaber mit schwedischer und gutbürgerlicher deutscher Küche im Laufe der Jahre verschlissen. „Und als ich aus Portugal zurückkam, wollte ich etwas tun, was mir am meisten Spaß macht.“ Als es dann im Hauptausschuss der Stadt um die Vergabe der Räume gehen sollte, brachte er über Nacht sein Konzept zu Papier, schrieb von mit viel Live-Musik gewürzter Gastronomie. Er begann mit einem Startkapital von 5 000 Euro, Freunde halfen, die urige Einrichtung zusammenzustellen. Ulli Hoffmann aus Goseck steuerte alte Flaschen und Gefäße sowie ein Schränkchen bei, in dem heute der „Whisky of the Week“ steht. Ein anderer brachte ihm ein Saxofon. Vom Schloss-Museum gab es Hellebarden und Bilder, die an den Dreißigjährigen Krieg erinnern. Und nebenbei betreibt Brückner die Gedenkstätte zur Schlacht bei Lützen 1632 im Haus.

Seit April 2006 gibt es monatliche Sessions. Über 100 sind es mittlerweile und an die 500 Konzerte. Auch Hoflichtspiele bereichern das Angebot. Da könnte der Pub mit seinen 50 Plätzen manchmal doppelt so groß sein, meint der Betreiber und setzt hinzu: „Die Leute sollen sich wohlfühlen, mit leuchtenden Augen Musik hören und ihr Guinness trinken.“

Wie es zum Namen des Pubs kam? Das sei angesichts der Schlacht von 1632 doch naheliegend, sagt Brückner, der sich auch als Stadtrat engagiert. Zumal Schotten und Iren an der Seite der Schweden gekämpften haben. Aber er fragt augenzwinkernd: „Ist nicht das ganze Leben eine Schlacht, in der auch mal die Fetzen fliegen?“ (mz)


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