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Protest in Borau: Anwohner blockieren Straße

Protest in Borau

Etwa 15 Minuten lang haben Anwohner am Freitagnachmittag die Selauer Straße im Weißenfelser Ortsteil Borau blockiert.

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Peter Lisker

Weissenfels -

Die Anwohner der Selauer Straße in Borau haben die Nase voll. Deshalb haben sie am Freitagnachmittag ihrer Forderung nach wirksamen Lärmschutzmaßnahmen mit einer besonderen Aktion Nachdruck verliehen. Rund eine Viertelstunde lang haben etwa 40 Bürger, abgesichert von der Polizei, den Verkehr auf der Durchfahrtsstraße von und zur Autobahn lahmgelegt. Kurzzeitig kam es auf der Strecke zu kleineren Staus. Mit Transparenten wie „Lärm macht krank“ und „1 000 Lkw sind zu viel“ machten die Anwohner auf ihre Situation aufmerksam. „Es reicht. Wir müssen irgendwann mal ein Zeichen setzen“, sagte Adelheid Pricha, die die Aktion maßgeblich mit initiiert hat.

Dass sie sich nicht ohne Ende hinhalten lassen wollen, hatten die Borauer bereits am Mittwochabend auf der Sitzung ihres Ortschaftsrates unmissverständlich deutlich gemacht. Fast zwanzig Einwohner waren zur Beratung gekommen, bei der Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) berichten sollte, wie die Stadt den Kampf der Borauer um wirksamen Lärmschutz unterstützen will. Tempolimit 30, Tonnagebegrenzung für Lkw oder eine teilweise Aufhebung des Parkverbots, um durch Hindernisse eine langsamere Durchfahrt der Lkw zu erzwingen - das waren Maßnahmen, die bereits auf der Sitzung des Ortschaftsrates im Januar diskutiert worden waren. „Wir müssen die Straße für die Durchfahrt unattraktiv machen“, sagte Adelheid Pricha auf der jüngsten Sitzung.

Aktion gegen Lärmbelästigung
Borau, 12.02.2016: Eine Aktion der Bürger macht auf die Lärmbelästigung im Weißenfelser Ortsteil Borau aufmerksam. Oberbürgermeister Robby Risch sieht die Chance auf Entlastung nur in kleinen Schritten.

Bürger nehmen Verkehrszählung selbst in die Hand

Wer nun allerdings einfache Antworten vom Verwaltungschef erwartet hatte, dürfte enttäuscht gewesen sein. „Wir brauchen zunächst eine solide Datenbasis“, sagte Risch. Die letzte amtliche Zählung des Verkehrs auf der Strecke habe im Jahr 2010 stattgefunden. Das damalige Ergebnis: In 24 Stunden wurden knapp 4 000 Fahrzeuge gezählt, etwa 230 davon waren Schwerlasttransporte. Eine Verkehrsbelastung, die die zuständigen Behörden seinerzeit zu der Erkenntnis gelangen ließ, dass auf der ausgebauten Landesstraße in Sachen Lärmschutz kein Handlungsbedarf besteht.

Seitdem hat sich die Situation jedoch gründlich verändert. So jedenfalls die Einschätzung der betroffenen Anwohner. Um ihre These zu belegen, hatten sie im Oktober letzten Jahres selbst den Verkehr auf der Selauer Straße gezählt. Mehr als 1 000 Lkw-Durchfahrten in 24 Stunden waren damals zusammengekommen. Womit sich der Lkw-Verkehr seit 2010 vervierfacht hätte. Eine solche private Zählung sei jedoch für Behörden nicht von Belang, sagte Risch im Ortschaftsrat und fügte hinzu: Die Stadt werde bei der zuständigen Landesbehörde eine neue amtliche Verkehrszählung über mehrere Tage hinweg beantragen. Erst auf dieser Grundlage könne geklärt werden, ob die damalige Antwort, dass kein Handlungsbedarf bestehe, aufrechterhalten werden kann.

In der Diskussion mit den zum Teil empörten Bürgern warnte Risch jedoch zugleich vor zu großen Erwartungen. Er verwies darauf, dass sich Fehler der Vergangenheit heute zunehmend rächen würden. So habe der Borauer Ortschaftsrat irgendwann einmal im Rahmen des Anhörungsverfahrens zur Ansiedlung benachbarter Unternehmen zugestimmt, dass die Erschließung über die Straße durch den Ort erfolgt. „Für eine Landesstraße gelten bestimmte Standards, die wir nicht einfach außer Kraft setzen können“, so der Verwaltungschef. Wenn überhaupt, so seien Veränderungen nur in kleinen Schritten zu erreichen.

Aussagen, die den Borauer Jörg Richter an diesem Abend keineswegs zufriedenstellten. „Wir vermissen, dass sich die Politik wirklich für uns einsetzt“, sagte der Borauer. Und weil das so ist, war auch er am Freitag mit auf der Straße. (mz)


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