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Museumspfad Weißenfels: Klein-Heinrich wartet schon

Fädelt mit Angelsehne: Designer Florian Rühle aus Potsdam.

Fädelt mit Angelsehne: Designer Florian Rühle aus Potsdam.

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Peter Lisker

weissenfels/MZ -

Der Konzertraum in der ersten Etage des Weißenfelser Heinrich-Schütz-Hauses gleicht am Nachmittag einer Bastelwerkstatt. Frisches Maigrün erinnert an Frühling und liegt verstreut in Gestalt von Brettern für Holzkisten auf dem Fußboden des ehrwürdigen Renaissancehauses in der Nikolaistraße mit der Nummer 13.

Während das Novembergrau draußen vor der Tür bleibt, wirken drinnen Designer, Tischler, Werbetechniker und Drucker von Firmen aus Nürnberg, Potsdam und Leipzig. Sie hantieren mit Bohrmaschine, Schrauben, kleinen Werkzeugen, die an Spielsachen erinnern, und Angelsehne. Und mittendrin lächelt nicht der Schusterjunge, sondern der kleine Heinrich. In Gestalt eines liebevoll gezeichneten Maskottchens begleitet die von der Grafikerin und Illustratorin Ellen Stein geschaffene Figur „Heinrich Schütz als Kind“ junge Besucher auf dem nagelneuen Museumspfad quer durch das ganze Haus vom Erdgeschoss bis in die Dachstuben.

Doch bevor es soweit ist und Mädchen und Jungen der Weißenfelser Albert-Einstein-Grundschule den Kinderpfad am kommenden Dienstag um 9 Uhr ganz offiziell eröffnen dürfen, sind Marius Schreyer, Jörg Bruhn, Stefan Hambach und Florian Rühle noch kräftig am Wuseln. Die Männer bohren, schrauben, fädeln und montieren - bis in den Abend hinein. Und sie fachsimpeln mit Hausherrin Henrike Rucker, die die Idee für die Einrichtung eines solchen Museumspfades für Kinder hatte.

Ein grünes Objekt in jedem Raum

Von der Leipziger Musikwissenschaftlerin und Geschäftsführerin des Musikvereins „Heinrich Schütz“, Träger des gleichnamigen Denkmals, stammt auch die Konzeption, an der Sabine Vogel aus Berlin mitgearbeitet hat. In nahezu jedem Raum des Heinrich-Schütz-Hauses können Kinder ein grünes Objekt entdecken, anfassen und ausprobieren. Denn der grüne Pfad für den Nachwuchs vermittelt mit kleinen Texten und Zeichnungen auf kindgerechte Art Einblicke in das Leben und den Alltag des Komponisten Heinrich Schütz (1585 bis 1672). Klein-Heinrich, der bereits in den Startlöchern steht, fordert Kinder auf, auf der Blockflöte zu spielen, denn sie war zu Zeiten des Musikers ein wichtiges Instrument der Stadtpfeifer. Zudem ermuntert der junge Schütz seine kleinen Besucher, mit einer Notenrolle zu dirigieren, denn einen Taktstock gab es damals noch nicht. Klein-Heinrich lädt auch dazu ein, Stoffe in einer Schatzkiste anzufassen. Kinder erfahren, welche Kleidung welches Kind, je nach seiner Herkunft , im 16./17. Jahrhundert tragen durfte - als Sohn aus dem Bürgertum oder als Prinzessin.

Es gibt eine Menge zu entdecken und auszuprobieren, verraten die beiden gelernten Tischler Stefan Hambach und Florian Rühle, die aus Freiburg im Breisgau stammen, Produktdesign studiert und eine Firma in Potsdam gegründet haben. Es gibt Gucklöcher in Türen, durch die kleine Museumsbesucher in das Innere von grünen Objekten schauen können, eine Plüschmaus zum Streicheln, die kindgerecht auf einen Fund „Notenrest im Mäusenest“ hinweist, und - auch einen Maltisch. Hier kann junges Publikum Bilder ausmalen und sein eigenes Bild über Heinrich Schütz gestalten.

„Ich bin gespannt, wie die Kinder reagieren“, sagt Henrike Rucker erwartungsvoll. Passend zum Advent soll der Pfad übergeben werden, dessen Gestaltung die Handschrift von Marius Schreyer trägt.


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