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Kraftwerke und Tagebaue von Vattenfall : Mongolen wollen Braunkohle-Sparte kaufen

Blick in den Tagebau Nochten, aus dem die Braunkohle für das Kraftwerk Boxberg kommt .

Blick in den Tagebau Nochten, aus dem die Braunkohle für das Kraftwerk Boxberg kommt .

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dpa

Halle (Saale) -

Viele Energieexperten geben der deutschen Braunkohle keine große Zukunft mehr. Aus Klimaschutzgründen werden in den kommenden Jahren die ersten Kraftwerke abgeschaltet, die Einsatzzeiten der übrigen Meiler werden sich durch den Vormarsch von Wind- und Sonnenstrom verringern. In dieser Situation will sich der schwedische Energiekonzern Vattenfall von seinen Braunkohleaktivitäten in der Lausitz trennen. Dazu gibt es, wie nun bekanntwurde, eine Milliardenofferte von einem Bieter, den wohl niemand auf der Rechnung hatte: die Mongolei.

Im vergangenen Jahr wurde eigens dazu in Dresden die Projektgesellschaft LMMG, das steht für Lausitz Mongolia Mining Generation AG, gegründet. Geschäftsführer der Gesellschaft ist ein in Mitteldeutschland bekannter und erfahrener Kohle-Manager: Horst Schmidt - bis 2013 Technischer Direktor der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag) aus Zeitz. Hinter der LMMG sollen private Investoren und der Staat Mongolei stehen.

Kraftwerke stehen zum Verkauf

Zum Verkauf stehen die Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe (beide Brandenburg), Boxberg sowie ein Block in Lippendorf (beide Sachsen). Außerdem will Vattenfall die fünf dazugehörigen Tagebaue loswerden. Insgesamt will sich der Konzern von 2,3 Milliarden Euro Umsatz trennen. Die US-Investmentbank Citigroup wickelt den Verkauf ab.

Die LMMG soll 1,85 Milliarden Euro geboten haben, berichtet das „Handelsblatt“. Auf MZ-Anfrage bestätigt Schmidt eine Offerte. Bis kurz vor Weihnachten musste ein unverbindliches Angebot abgegeben werden. Doch Vattenfall und Citigroup haben die LMMG, wie auch das Gebot der Umweltschutzgruppe Greenpeace, bereits aussortiert. „Per E-Mail wurden wir benachrichtigt“, sagt Schmidt. Es habe allerdings keine Begründung gegeben. Nun sucht Schmidt erstmals die Öffentlichkeit und will den Verkaufsprozess prüfen lassen. Nach seinen Worten hat man eine offizielle Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Die LMMG klagt über mangelnde Transparenz im Verfahren und fühlt sich diskriminiert. Es könnte sein, dass sich die Gesellschaft zurück in das Bieterverfahren klagt. Vattenfall äußert sich auf MZ-Anfrage nicht. „Es ist Vertraulichkeit über den Verkaufsprozess vereinbart worden“, teilte ein Unternehmenssprecher mit.

Seriöses Angebot?

Wie seriös ist das Angebot aus Asien? Nach Angaben von Schmidt gibt es zwischen Deutschland und der Mongolei einen Staatsvertrag zur Energiewirtschaft. Das asiatische Land sei sehr rohstoffreich. 90 Prozent des Stroms werde dort aus Kohle gewonnen. Allerdings seien die Kraftwerksanlagen, die meist aus russischer Produktion stammten, veraltet. Mit dem Erwerb der Vattenfall-Braunkohlesparte solle auch ein Technologie-Transfer erleichtert werden.

Die Übernahme will LMMG, wie alle anderen Bieter auch, über Banken finanzieren. Laut Schmidt betreibt Vattenfall in der Lausitz modernste Anlagen, auf die zumindest mittelfristig die deutsche Energieversorgung nicht verzichten kann. Laut Medienberichten fährt die Kohlesparte noch hohe Profite ein. Im vergangenen Jahr soll der Gewinn vor Steuern der Kohleförderung und Verstromung bei 647 Millionen Euro gelegen haben. Der Umsatz belief sich auf 2,3 Milliarden Euro. Unsicher ist aber offenbar, ob die LMMG die technische und wirtschaftliche Expertise besitzt, ein solches Großunternehmen zu führen. Bis gestern hatte die Gesellschaft nicht einmal eine funktionierende Homepage.

Im Rennen um die Kohle

Weiter im Rennen um die Kohle-Sparte sind die tschechischen Energie-Unternehmen CEZ und EPH. Letztere erwarb 2009 bereits die Mibrag. Auch der deutsche Energieversorger Steag hat ein Angebot eingereicht. Die deutsche Politik und die Bergbau-Gewerkschaft dringen auf einen neuen Eigentümer, der Erfahrung im Energiesektor mitbringt und wirtschaftlich potent ist. Schließlich geht es auch um die Zukunft von 8.000 Bergleuten und ihren Familien in der Lausitz. (mz)


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