Geschichte kann öde sein. Geschichte kann aber sogar im Kleinsten unheimlich spannend sein. Zum Beispiel in Dioramen - Glaskästen, in denen Zinnfiguren in realistischer Umgebung eine historische Begegnung nachstellen. Zwei solcher Dioramen sind derzeit in der Weißenfelser Sparkasse aufgestellt - sie sind Teil einer Ausstellung zum Jubiläum der Schlacht von Großgörschen. Sie fand am 2. Mai 1813 statt.
„Die Figuren sind besonders fein gezeichnet“, sagt Jürgen Otte. Er ist Vereinsmitglied im Scharnhorstkomitee Großgörschen, das die Ausstellung konzipiert, Dioramen und Museumsobjekte sowie zwei lebensgroße Figuren in Militärkleidung nach Weißenfels gebracht hat. Ein Blick in den Glaskasten bestätigt Ottes Feststellung: An den Satteltaschen der Reiter sieht man gezeichnete Sterne, unter ihren Füßen sind Steigbügel erkennbar, an den Uniformjacken sind goldene Knöpfe aufgezeichnet. „Und zwar die richtige Anzahl, das macht die Figuren aus“, betont Otte.
Otte könnte das Verbindungsglied zwischen Verein und Bank sein. Er arbeitet nämlich hier. Wer bei einem Gang durch das Ausstellungsrund seine Erklärungen wünscht - die könnte er geben. Aber Wünsche bleiben eigentlich kaum offen nach der Tour an Bildern, Texten und Objekten vorbei: Herausragende Personen der Großgörschener und der anschließenden Völkerschlacht werden im Porträt gezeigt. An anderen Schautafeln ist die Entwicklung der Kämpfe dargestellt. Die Figuren zeigen, wie die Soldaten verschiedener Armeen seinerzeit gekleidet waren.
Die Verbindung zwischen Bank und Großgörschen besteht allerdings nicht nur in der Personalie Otte. Vielmehr haben sie schon mehrfach zusammengearbeitet. So ist die aktuelle Ausstellung bereits die dritte an dieser Stelle, die über Heinrich Hexel vermittelt wurde. Er ist Ortsbürgermeister Großgörschens und zugleich Präsident des Scharnhorstkomitees. Die Absprache, zwei Monate vor dem 200. Jahrestag der Schlacht bei Großgörschen hier auszustellen, hatten er und die Sparkasse lange getroffen.
Nun, zur Eröffnung, nannte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Roswitha Heßmann als einen Grund der Schau: „Die Vergangenheit darf nicht vergessen werden.“ Sie lobte insbesondere das Ansinnen des Vereins, der das Biwak zur Veranstaltung stets international gestaltet: Alle Historiendarsteller leben hier gemeinsam in einem Lager - ein Aspekt der Verständigung anstelle des Bekriegens.
Hexel nennt aus Sicht der Großgörschener einen Grund für die Präsentation zur Geschichte: „Wir wollten den Weißenfelsern zeigen, dass Weltgeschichte nebenan passierte - und ihr Interesse wecken für einen Besuch des Scharnhorstfestes und des Museums.“
Zur Eröffnung hatte das Komitee dafür gesorgt, dass Historiendarsteller in die Weißenfelser Filiale kamen. Und so marschierten erstmals Armisten in die Bank ein. In friedlicher Absicht allerdings. Unter ihnen war auch der kommandierende General Gebhard Leberecht von Blücher, den Klaus Beckert verkörpert. Er sieht dem Haudegen ziemlich ähnlich und das Scharnhorstfest hat bei ihm im Terminkalender einen festen Platz.
Die Gäste zur Eröffnung nahmen die kleine, praktische Geschichtsstunde gern wahr. Wolfgang Wege, der selbst an der napoleonischen Zeit interessiert ist, sagte anerkennend: „Es ist eine schöne Ausstellung, sie haben sich viel Mühe gegeben.“ Er muss es wissen, ist er doch Lützener, im Thema belesen und stellt zu Hause selbst Szenen mit Zinnfiguren nach.