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Jahresrückblick: Weißenfels wird nicht wortlos übergangen

Uhr | Aktualisiert 30.12.2012 19:48 Uhr

Versammelt: die Gegner und Bekämpfer des Herstellungskostenbeitrages für Abwasseranlagen. (FOTO: PETER LISKER)

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Was bleibt denn von so einem Jahr 2012, das - so sagen ja fast alle - wieder einmal viel zu schnell vergangen ist? Aber, meinen Eid darauf, es hatte wie andere Jahre auch 365 Tage und eine Zugabe: den 29. Februar nämlich. Der etwas andere Streifzug durch das Jahr 2012 in und um Weißenfels.
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Weissenfels/MZ. 

Was bleibt denn von so einem Jahr 2012, das - so sagen ja fast alle - wieder einmal viel zu schnell vergangen ist? Aber, meinen Eid darauf, es hatte wie andere Jahre auch 365 Tage und eine Zugabe: den 29. Februar nämlich. Es war also sogar einen ganzen Tag länger, als die drei Jahre davor und die kommenden drei Jahre. Also ist auch eine ganze Menge passiert in dem Jahr. Deshalb lohnt es sich, ein paar Höhepunkte noch einmal etwas näher zu betrachten, auf die man heute Abend im Kreise der Familie, Freunde oder auch anderer gut gelaunter Menschen ruhig noch mal anstoßen kann, und sei es, um sie zu verfluchen.

Der Beitrag des Jahres...

...gehört da zweifelsfrei dazu: Darauf wird sicher keiner anstoßen wollen, weil daran eher Anstoß genommen wird. Der Herstellungskostenbeitrag des Abwasserzweckverbandes, den nach dem Systemwandel nun die Anstalt öffentlichen Rechts kassieren wird. Von einigen hundert bis zu einigen tausend Euro spannt sich die Summe, für die es im Herbst des neuen Jahres die ersten Bescheide geben soll. Immerhin bescherte dieser Beitrag den Montagsdemonstranten in Weißenfels einen Zulauf, wie es ihn jahrelang nicht gegeben hat. Direkt unter dem Fenster des Oberbürgermeisters versammeln sich jeden Montag Hunderte Menschen, um angeführt von Heidelinde Penndorf und Monika Zwirnmann zu protestieren. Zumindest ein paar Teilerfolge können sie verbuchen, wie die versprochene Überprüfung der Kalkulation, die Zulage für Betriebe, die besonders viel Dreck ins Abwasser spülen. Vielleicht kann man wenigstens darauf ein klein wenig anstoßen, auch wenn manchem in Erwartung der Kosten eher zum Heulen zumute ist.

Lachenden Auges können all jene um Mitternacht anstoßen, die mit der...

Schatzkiste des Jahres...

...zu tun hatten: dem in diesem Jahr wiedereröffneten Schützhaus. Das hat hat zwar alles lange gedauert. Das ist auch alles ganz schön teuer geworden. Aber entstanden ist ein Museum, das Weißenfels zur Ehre gereicht und mit dem man Publikum anziehen kann.

Der Aufsteiger des Jahres...

...kann auch völlig uneingeschränkt das Sektglas erheben: Silvano Poropat. Der kroatische Trainer des aus Deutschen und Amerikanern, einem Serben und einem Isländer zusammengesuchten Teams des Mitteldeutschen Basketball Clubs hat nicht nur den Aufstieg von der zweiten in die erste Bundesliga geschafft, sondern schlägt sich mit seinen Mannen mittlerweile ganz achtbar durch das deutsche Basketball-Oberhaus. Dass gerade am letzten Wochenende des Jahres seine Mannschaft in Trier eins ordentlich auf die Mütze bekam ist ein Wermutstropfen im Sektglas, den Poropat mit seiner (zumindest außerhalb der Spielhalle) gezeigten Gelassenheit herunterschlucken wird.

Ob sich den Silvestertrunk einer der...

...Absteiger des Jahres...

... vermiesen lassen wird, ist nicht bekannt. Aber vom einstigen (vielleicht auch wieder zukünftigen?) Vorzeigeunternehmer von Weißenfels Christian Künzer ist nicht mehr viel zu hören. Zwar sieht die Betriebshülle von Sugar & Fruit, die einstige Brauerei, wie eh und je schön aus, was auch ein bleibendes Verdienst zu Erhaltung eines Stückes Industriearchitektur ist, aber dahinter lebt nicht mehr viel. Der Zuckerpreis hat offenbar hart zugeschlagen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, Comebacks sind nicht ausgeschlossen.

Die Gläser klingen lassen kann ohne Wenn und Aber Mario Mende. Der Mann an der Spitze der...

...Initiative des Jahres...

..., nämlich des Fördervereins für die private Schule in Lützen hat mit seinen Mitstreitern etwas geschafft, was viele für unmöglich gehalten haben. Nach der behördlich verordneten Schließung der Sekundarschule hat Lützen aufgrund der Initiative neben der Grundschule den Standort einer weiterführenden Schule erhalten.

Die Hängepartie des Jahres...

...lässt sich dagegen gar nicht so leicht ausmachen, weil es gleich mehrere gab. Eine ist mit Sicherheit die geplatzte Fusion der Abwasserzweckverbände. Da holten sich die Bürgermeister von Lützen, Dirk Könnecke, und Teuchern, Frank Puschendorf, sowie Hohenmölsen, Andy Haugk, Abfuhren ihrer Stadträte. Die wollten partout nicht mit Weißenfels zusammengehen, wo zwar Oberbürgermeister Robby Risch die Mehrheit im Rat hinter sich hatte, aber eben plötzlich keine fusionswilligen Nachbarn mehr.

Eine andere Hängepartie ist das Weißenfelser Freibad. Seit Jahren totgesagt, siecht es weiter dahin. Nächstes Jahr wird es noch einmal öffnen, dann endgültig geschlossen. Danach soll das Wahlversprechen von OB Risch aus dem Jahr 2008 eingelöst werden: ein neues Freibad. Aber wer weiß, vielleicht taucht es auch Ende 2013, 2014 und 2015 wieder als Hängepartie auf.

Als solche erweist sich auch die Kommunalreform. Weder in Lützen, noch in Teuchern und erst recht nicht in Weißenfels werden alle so recht glücklich damit. Lützens Bürgermeister Könnecke liegt ganz besonders mit dem Ortsteil Zorbau im Kleinkrieg, weil man sich dort nach wie vor versklavt fühlt. Teucherns Bürgermeister Puschendorf bekommt immer noch den Vorwurf, die neuen Ortsteile zu vernachlässigen. Dabei war er als ehemalige Deubener Bürgermeister und damit eines heutigen Ortsteils Hoffnungsträger. Und OB Risch in Weißenfels gilt in Wengelsdorf oder Großkorbetha eher als Persona non grata denn als Stadtoberhaupt. Einzig Hohenmölsens Haugk scheint mit seinen Ortsteilen klarzukommen, da hört man wenig Gemurre.

Die Nachwehen der Gebietsreform werden ansonsten mit ins neue Jahr geschleppt. Und bestimmt bieten sie auch Ende 2013 noch einmal Stoff für nähere Betrachtungen.

Gelegt hat sich dagegen der aufgewirbelte Staub um...

...die Brücke des Jahres...

...in Deuben / Naundorf. Der Abriss der Überquerung der Bundesstraße 91 über eine Eisenbahnlinie und der Neubau sorgten nicht nur für monatelange Umleitungen - offiziell über die Autobahn, inoffiziell über sonst eher stille Dörfer - sondern schnitt zahlreiche Menschen von ihren in Sichtweite gelegenen Kleingärten ab. Hätte es schon die Umgehungsstraße gegeben, wäre die ganze Aufregung ausgeblieben, aber das ist ja auch noch eine Sache, die unter dem Stichwort Hängepartie des Jahres hätte stehen können.

Der Neubau des Jahres...

...lässt sich ziemlich eindeutig bestimmen. Da braucht man sich nur an den Reaktionen zu orientieren. Und die waren fast ausnahmslos negativ, zum Teil ätzend. Die Rede ist vom Busbahnhof in Weißenfels an der Promenade. Das Wunderwerk der Zusammenführung von Bahn und Bus hat ordentlich Geld gekostet, wird als nicht gerade architektonisches Kleinod angesehen, hat die Busbenutzer irritiert und genervt. Aber es scheint, dass sich die meisten Weißenfelser mittlerweile daran gewöhnt haben. In der schnelllebigen Zeit wird so was natürlich auch zügig durch andere Gesprächsthemen abgelöst. Zum Beispiel von der...

...Bruchbude des Jahres ...

..., als die sich das Weißenfelser Rathaus erweist. Schön anzusehen von der Marktseite, (fast) komplett aufgepeppt von der Rückseite, wackelt dazwischen das Gebälk so sehr, dass OB Risch seine Koffer packen und sich ein Ausweichquartier suchen muss. Wie wäre es mit einem Zelt auf dem Marktplatz? Auf jeden Fall reißt die Sanierung des Rathauses ein ordentliches Loch ins Stadtsäckel. Kann aber keiner was dafür, außer jenen, die in den 90er und in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts bei früheren Sanierungen das drohende Knirschen im Gebälk überhört haben.

Ein deutlich kleineres Loch gerissen hat dagegen ...

...der Baum des Jahres...

...der eine Tanne ist, die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden ist. Jener Baum nämlich, der in der Vorweihnachtszeit in einem Vorgarten abgesäbelt und im Weißenfelser Schlosshof aufgestellt wurde. Während eine Baumspenderin darauf wartete, dass das städtische Fällkommando zu ihr aufs Grundstück kommt, sägten die beauftragten Stadtmitarbeiter gut hundert Meter weiter im Garten eines nicht spendenwilligen Eigentümers den falschen Baum ab. Ehe sich das Missverständnis aufklärte, gab es noch eine schicke Polizeinachricht unter dem Titel: "Dreister Diebstahl einer 15 Meter hohen Tanne."

Im Nachgang bekam der "beklaute" Grundstückseigentümer einen neuen Baum in seinen Garten gepflanzt. Ein paar tausend Euro war der fast deutschlandweite Lacher wert. Aber besser, auf diese Weise ins Gerede zu kommen, als wortlos übergangen zu werden.

In diesem Sinne also, hoch die Gläser, auf ein...

... pannenreiches Jahr 2013...

..., das trotz 365 vorausgesagten Tagen viel zu schnell vergehen wird.

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