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Hohenmölsen: Problemfall Graffiti

Uhr | Aktualisiert 17.12.2012 20:07 Uhr
Die Holzplatten an der Bushaltestelle werden beschmiert. (FOTO: MZ) 
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Wilfried Walbe mag neuerdings nicht mehr aus dem Fenster gucken. Er ist Hausmeister der Hohenmölsener GlückAuf-Sporthalle.Vor einer Woche hat er wie jeden Morgen aus den großen Fenstern auf die breite Seitenwand geblickt - aber dieses Mal war er geschockt: große Graffiti in Grün und Lila prangten da.
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HOHENMÖLSEN/MZ. 

Er sei gleich hinausgelaufen und habe dort festgestellt, dass das Ausmaß des Schadens noch größer war. Auch entlang der Treppe waren lilafarbene Buchstabenkombinationen gesprüht worden.

"Nach meinem Empfinden haben die Graffiti zugenommen", sagt Heike Götze, die für das Ordnungsamt Hohenmölsen auf Streife geht. Die Graffiti an der Turnhalle waren ihr jüngstes Negativ-Erlebnis. Zuvor musste sie schon Schäden an der Turnhalle in Nord und am Franz-Spiller-Platz melden.

Aufklärungsquote ist niedrig

An der Glückauf-Turnhalle nahm sie das Protokoll auf. Sie probiert, ob sie es selbst entfernen könne, hat dafür eine "wahnsinnig teure" Dose Graffiti-Ex mit. Aber das funktioniert bei rauen Oberflächen nicht. Man müsste die Wände der Turnhalle überstreichen - und das kostete die Stadt etwa 4 500 Euro.

Und tatsächlich wird zum Überstreichen geraten. Jörg Bethmann vom Polizeirevier des Landkreises sagt: "Bei Graffiti muss man dranbleiben." Wenn früh etwas gesprüht ist, müsse es am besten abends verschwunden sein. "Wenn Sprayer keinen Erfolg mehr sehen, lässt ihr Engagement nach", gibt er die Erfahrungen der Polizei weiter.

Außerdem sollen Städte und Privatpersonen Anzeige erstatten, so wie es Hohenmölsen getan hat. Dadurch würden Graffiti aufgenommen, Spuren gesichert, eventuell Zeugen gefunden. Zeugen fürs Sprayen wären ein Idealfall. Die Aufklärungsquote von Vandalismus durch Graffiti ist nicht hoch: Im Burgenlandkreis lag sie 2011 bei 19,5 Prozent - von 87 Fällen konnten nur 17 aufgeklärt werden.

Bei einem Überblick über den Landkreis sei aber nicht Hohenmölsen die Hochburg der Sprühereien. In Zeitz gebe es durch Graffiti mehr Schäden, sagt Bethmanns Kollege Thomas Ortmann. Und Bethmann fügt hinzu: "Die Wahrnehmung in den Kommunen ist unterschiedlich." So falle ein Graffito in besseren Wohngegenden stärker auf und ins Gewicht als dort, wo Abbruchhäuser stehen, Eigentumsverhältnisse ungeklärt sind und keiner sich beschwert.

Das schlägt sich auch in Anzeigen und der Aufklärung nieder. In Zeitz wurden die wenigsten Anzeigen gemacht (2011: 18), in Weißenfels die meisten (42). Die Aufklärungsquote war jedoch in Naumburg am höchsten - von 27 Anzeigen wurden zwölf aufgeklärt, eine Quote von 44 Prozent. Bethmann begründet: In Naumburg sei die Aufmerksamkeit besonders hoch, Zeugen ließen sich leichter finden als anderswo.

Die Glück-Auf-Turnhalle in Hohenmölsen ist recht präsent in der Wahrnehmung - fällt doch jedermanns Blick darauf, wenn man mit dem Auto am Busbahnhof entlang fährt - der allerdings selbst ein großes Problem für die Stadtverwaltung ist (siehe Kasten).

2 500 Euro für Franz-Spiller-Platz

An der Glück-Auf-Sporthalle waren die Graffiti über das Wochenende gekommen. Sie werden nachts gesprüht, offenbar häufig zwischen Freitag und Montag. Die Erfahrung der Polizei lehrt, dass die Sprayer oft Jugendliche oder Leute im Teenie-Alter sind. Polizist Ortmann sagt: Das Sprühen sei bei den Jugendlichen oft Bewältigung von Lebensumständen, manchmal auch ein künstlerischer Ausdruck - "allerdings ohne nachzudenken, was sie damit anrichten".

In Hohenmölsen komme zu den Kosten an der Glück-Auf-Sporthalle an der Sekundarschule die für die Turnhalle in Nord hinzu, mindestens 750 Euro. Die Wand am Franz-Spiller-Platz schlage mit mindestens 2 500 Euro zu Buche. Geld, das für andere Ausgaben dann nicht zur Verfügung steht.

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