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Herderschule Weißenfels: Umzug soll Risiko bannen

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Warnzettel an einem gesperrten Raum in der Herdergrundschule in Weißenfels

(BILD: Peter Lisker)
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Die bei den Lehrern der Weißenfelser Herderschule gefundenen Xylol- und Toluol-Werte liegen laut Amtsarzt weit entfernt von den Grenzwerten, die als gesundheitsgefährdend gelten. Dennoch zieht die Schule nach Tagewerben um.
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Weissenfels/MZ

Um die giftigen Stoffe, die in der Raumluft der Herder-Grundschule und bei Blut- und Urintests von Lehrern gefunden wurden, gibt es weiter Verwirrung. Einerseits hat der Tüv Rheinland, der die Tests auf Veranlassung der Landesschulbehörde ausgewertet hat, die Schließung der Schule empfohlen (die MZ berichtete), andererseits sieht der Amtsarzt des Burgenlandkreises Frank Fernau keinen Anlass zu wirklicher Besorgnis. Die bei den Lehrern gefundenen Werte seien weit von jenen entfernt, die als biologische Grenzwerte für Gesundheitsgefährdung gelten. Die Empfehlung des Tüv wolle er dennoch nicht in Zweifel stellen.

Warum der Tüv aufgrund seiner Analysen die Schulschließung empfohlen hat, ist allerdings nicht ganz klar. Für eine Kommentierung war der medizinische Dienst des Tüv am Freitag nicht zu erreichen. So wie es Schulleiterin Felicitas Beutler darstellt, war offenbar der Ansatzpunkt, dass Stoffe wie Xylole und Toluole in der Raumluft einer Schule nichts zu suchen haben. Unklar bleibt allerdings, ob die Stoffe, die als gesundheitsgefährdend gelten, tatsächlich in der Raumluft der Schule eingeatmet wurden. Um aber allen Gefahren vorzubeugen, habe sich die Stadtverwaltung aufgrund des Tüv-Berichtes entschlossen, die Schule dicht zu machen und den Unterricht in Tagewerben durchzuführen, sagte Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos).

Vergleichswerte fehlen

Konkret gefunden wurden bei den Lehrerern als höchste Werte 1,7 Mikrogramm Toluol pro Liter Blut beziehungsweise 5,6 Mikrogramm Xylol pro Liter. Laut Amtsarzt Fernau liegen die biologischen Grenzwerte für Toluol bei 1 000 Mikrogramm und bei Xylol bei 1 500 Mikrogramm. Neben den Grenzwerten gibt es noch Referenzwerte. Von denen weichen die gefundenen Werte nach oben ab. Diese geben Auskunft darüber, wie viel der Giftstoffe der Durchschnittsmensch im Blut hat. Und da heißt es, so Fernau, dass 95 Prozent der Menschen weniger als ein Mikrogramm je Liter aufweisen. „Das ist ein rein statistischer Wert“, so Fernau, der auch nicht repräsentativ ermittelt worden sei. „Die Interpretation ist daher sehr schwierig“, sagte er. Bei Kindern sei es es noch komplizierter, weil es dort nicht einmal die Referenzwerte gebe. Das sei auch der Grund, warum er nicht dazu bereit sei, bei den Schulkindern Blut- und Urintests durchzuführen. Wenn besorgte Eltern das aber wünschen, werde er sie an den jeweiligen Hausarzt verweisen.

Währenddessen sind am Freitag die Lehrer der Herderschule über den Stand der Dinge informiert worden. Gleichzeitig wurde von der Stadtverwaltung ein Elternbrief verschickt, in der die Situation erläutert wird. Speditionsunternehmen waren am Freitag dabei, stapelweise Stühle und anderes Mobiliar aus dem Gebäude zu räumen. Nach den Ferien geht der Unterricht in Tagewerben weiter, wo Lehrer und Schüler zusammengerückt sind, um den Herderianern zu helfen. Vereine haben ihre Räume zur Verfügung gestellt. So kann dort für die 140 Herder-Schüler in sieben Räumen der Unterricht weitergeführt werden. „Und endlich nicht mehr mit der Angst, permanent ungesunde Luft einzuatmen“, so Beutler.

Eltern haben Angst

Lehrer der Herderschule und Eltern der Schüler halten sich gegenüber der Öffentlichkeit bedeckt, wollen nicht über die Situation und ihre Gefühle reden.

Das Problem beschreibt Schulleiterin Felicitas Beutler: „Die Kolleginnen wissen, da ist etwas, aber sie wissen nicht was und wie hoch die Werte sind.“ Erst am 27. Mai sollen die Ergebnisse ausgewertet werden. Eltern haben nach ihren Worten Angst, dass sich die Substanzen auch in den Körpern ihrer Kinder eingenistet haben.

So bleibt trotz der offenbar sehr niedrigen Werte in den Blut- und Urinproben Verunsicherung zurück. Viele haben mittlerweile auf die sogenannte KMR-Liste geschaut (siehe Beitrag „Gefährdung“) und sorgen sich um die Gesundheit.

Ausgangspunkt für das Hin und Her um die Herderschule war, das vor einigen Wochen Naphthalin in der Luft verschiedener Räume der Schule gefunden worden war. Damals hieß es aber noch, die Schule könne weiter betrieben werden, man müsse nur stärker lüften und einige Räume sperren. Aber Eltern machten schon damals Druck, sie wollten es nicht mehr hinnehmen, dass ihre Kinder unter Magenproblemen, Kopfschmerzen und geröteten Augen leiden. Sie hatten Angst. Deshalb nahmen Mütter ihre Kinder sogar von der Schule. Bekamen sie sie nicht in einer anderen Einrichtung untergebracht, nahmen sie die Sechs und die Fehlstunden in Kauf.

Ein Protokoll über die gefundenen Stoffe veranlasste Felicitas Beutler, eine schwangere Kollegin umgehend nach Hause zu schicken. In Tagewerben wird die junge Frau nun ihre Schulkinder wiedertreffen und sie weiterhin unterrichten.

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