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Gute Kooperation mit Rumänien : Jubiläum für Weißenfelser Schuhservice

Norman Gänkler bei der Qualitätskontrolle der Schäfte.

Norman Gänkler bei der Qualitätskontrolle der Schäfte.

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Peter Lisker/Michael Thomé

Zorbau -

In diesem Jahr werden es 20 Jahre, dass die Weißenfelser Schuhservice GmbH (WSSC) aus der Saalestadt ins Gewerbegebiet nach Zorbau gezogen ist. Und dort läuft es immer noch: Das Schustermännchen mit einem Paar Schuhen am geschulterten Stock. In DDR-Zeiten war es in der Schuhfabrik „Banner des Friedens“ in der Markwerbener Straße von Weißenfels zu sehen. Seit 2007 ziert es mit neuem Logo das moderne Gebäude des kleinen Unternehmens.

Doch die geschäftsführende Gesellschafterin Erdmute Clauß winkt ab. Die Zeiten, in denen man 190 000 Paar Sportschuhe für die Bundeswehr wie 1997 herstellen konnte, gehören längst der Vergangenheit an. Die 58-jährige Chefin ist in der Schuhindustrie groß geworden, hat Lederverarbeitungstechnologie studiert. Auch ihr Vater hat ein Leben lang in diesem Industriezweig gearbeitet. Dann kam die Wende und die bringt sie heute vor allem mit dem Niedergang der Schuhindustrie in Verbindung. Sie äußert: „Es kann doch nicht sein, dass so ein Riesenbetrieb wie der Banner einfach so zugrunde gerichtet wurde.“ Mit Beginn der 1990er Jahre gehörte die Cobbler-Stamp GmbH zu jenen kleinen Firmen, mit denen man versuchte, gegen den Untergang anzukämpfen. Frau Clauß war damals Geschäftsführerin, aber Wunder konnte sie angesichts der Erzeugnisse aus den alten Bundesländern, die den Markt überschwemmten, nicht vollbringen. Da half auch die Schaftproduktion in Osteuropa nichts. Alles hing schließlich mit dem Wohl des großen „Banner“-Betriebes zusammen und die Insolvenz war fast unausweichlich. Frau Clauß spricht von einer traurigen Zeit.

Kooperation mit Rumänien

Mit ihrem Mann Gerhard - nach dessen Tod steht ihr nun ihr Bruder Ralf-Steffen Grabner als Geschäftsführer zur Seite - hatte sie sich 1992 mit der Gründung der Schuhservice GmbH auf das besonnen, was man bereits aus der Vergangenheit kannte: die Kooperation mit Rumänien beispielsweise. Dort wurde 1994 eine Partnerfirma gegründet, hat man die Maschinen aus der Insolvenzmasse pleitegegangener Betrieb beschafft. Nun könne man selbst Entwicklungsideen umsetzen, gebe man neue Kollektionen in Auftrag, müsse andererseits aber nicht jährlich auf Trends reagieren. Man habe in Rumänien ein eingearbeitetes Team und die Qualität stimme. Von dort wurden bald nicht mehr nur Schäfte geliefert, sondern vor 16 Jahren eröffnete man auch eine Bodenmontage. 60 Frauen und zehn Männer sind dort angestellt und jeden Montag steht 7 Uhr ein Transporter mit 3 000 Schäften und 150 Paar Schuhen vor der Tür des kleinen Unternehmens in Zorbau mit seinen acht Beschäftigten. Es gibt eine Qualitätskontrolle, die Schäfte gehen dann weiter in Schuhfabriken in Schmölln und Eisleben oder zur Weißenfelser Firma Panther. Und die fertigen Schuhe werden auch mit Einlegesohlen komplettiert.

Robust und sportlich

Statt Sportschuhe hat sich die Firma mittlerweile auf Berufs- und Sicherheitsschuhe spezialisiert. Und dabei handelt es sich nicht nur um robust aussehende Erzeugnisse, sondern auch um sportliche mit gleichen Sicherheitseigenschaften. Teilweise werden die Schuhe mit Folien aufgewertet, leuchtende Farben in Rot oder Grün. Deren Verarbeitung hat man sich schützen lassen. Es sind Schuhe bis zur Größe 55, durchtrittsicher und teilweise mit Stahlschutzkappen versehen. „Jeder soll seinen Schuh bekommen“, betont Erdmute Clauß, selbst wenn es um Arbeitsschuhe geht. Längst ist Zorbau zur Drehscheibe nicht nur des Vertriebs der Schuhe, sondern auch von Berufsbekleidung und Betriebsbedarf geworden: Hosen, Jacken, Handschuhe und anderes. Vielfach kommen die Kunden in die Ausstellungsräume nach Zorbau, doch drei Mitarbeiter sind ebenso im Außendienst tätig, ziehen ihre Kreise bis nach Bernburg, Gera und darüber hinaus.

Ob sie sich mal eine berufliche Neuorientierung hätte vorstellen können? Frau Clauß schüttelt den Kopf: „Ich habe nie was anderes gemacht und nicht tun wollen, auch wenn es heute ein Kampf ums tägliche Brot ist.“ Denkt sie zurück an das große Schuhimperium in DDR-Zeiten, „dann jammert es den Hund“. Zehntausende Schuhe seien damals täglich im Kombinat produziert worden. Und die seien von Lebensdauer und Tragekomfort nicht die schlechtesten gewesen. Stattdessen hätten sich die Kunden mit der Wende von Billigschuhen blenden lassen „und haben nicht überlegt, was sie ihren Füßen antun“. (mz)


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