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Mitteldeutsche Zeitung | Carl Ludwig Nietzsche: Gedenken an den Vater des Philosophen Friedrich
08. October 2013
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Carl Ludwig Nietzsche: Gedenken an den Vater des Philosophen Friedrich

Daniel Kittler

Daniel Kittler restauriert vor dem Geburtstag von Carl Friedrich Nietzsche die Grabplatte an der Röckener Kirche.

Foto:

PETER LISKER

Röcken/MZ -

In Röcken hat in diesem Jahr Carl Ludwig Nietzsches Andenken Aufmerksamkeit gefunden. Denn er wurde im Jahr der Völkerschlacht, vor 200 Jahren, geboren. Nun ist auch jene Grabplatte, die auf der Familiengrabstätte neben der kleinen Kirche an den Vater des weltbekannten Friedrich Nietzsche (1844 bis 1900) erinnert, wieder lesbar. „Hier ruht in Gott Carl Ludwig Nietzsche, Pfarrer zu Röcken, Michlitz und Bothfeld - geboren 11. October 1813 - gestorben am 30. Juli 1849“, steht dort geschrieben. Zugleich ist in den Stein gehauen: „Ihm folgte in die Ewigkeit nach sein jüngster Sohn Ludwig Joseph Nietzsche - geboren 27. Februar 1848 - gestorben 4. Januar 1850 - Die Liebe höret nimmer auf. 1. Cor. 13.8.“

Der Weißenfelser Steinmetz und Steinbildhauer Daniel Kittler hat jetzt die zur Nietzsche-Gedenkstätte gehörende Grabstätte restauriert. Denn der 200. Geburtstag des Vaters des berühmt gewordenen Röckener Sohnes ist der Nietzsche-Gesellschaft Anlass gewesen, die von feinen Moos- und Algengeflechten überdeckte Grabplatte wieder herzustellen. Reichlich 1.000 Euro hat sie laut Geschäftsführer Ralf Eichberg der Kirchengemeinde - sie ist Träger der Gedenkstätte - für die Arbeiten an der Familiengrabstätte bereitgestellt.

Schon etliche Jahrzehnte seien vergangen, dass an der Grabstätte das letzte Mal ein Fachmann Hand angelegt habe, stellt Daniel Kittler fest, als er die Steine reinigt. „Sehr modern für ihre Zeit“, schätzt er die beiden aus rotem Meißner Granit hergestellten Grabplatten ein, die die Namen Friedrich Wilhelm Nietzsche und Elisabeth Förster Nietzsche (1814 bis 1935) tragen und wohl von der Schwester Friedrich Nietzsches, Elisabeth, ausgewählt wurden, als sie die Beisetzung ihres berühmten Bruders in der Familiengrabstätte in Röcken bestimmte.

"Eine dankbare Aufgabe"

Nur mit Genehmigung des Denkmalschutzes darf sich Kittler daran wagen, die Schriftzüge der ältesten aus Sandstein hergestellten Platte wieder herauszuarbeiten und mit Farbe nachzuziehen. Mit Schmunzeln hört er die Geschichte, dass Besucher sich sogar schon einmal mit einem Spachtel darangesetzt haben sollen, den Stein von den grünen, gelben und weißen Flecken zu befreien. Der Fachmann setzt erst Wasser und dann eine das Geflecht zersetzende Flüssigkeit ein und macht am Ende den Sandstein wasserabweisend.

„Es ist eine dankbare Aufgabe“, freut sich der 40-Jährige über den Auftrag. Die bedeutenden Persönlichkeiten in der Region rückten ihm mit Arbeiten an Grabstätten jedes Mal neu ins Gedächtnis. In Röcken freilich ist das vor allem Carls Sohn Friedrich Nietzsche. Doch der ist in den Kindheitsjahren nicht nur von der Landschaft und dem kleinen Ort Röcken geprägt worden, sondern auch von dem Vater.

„Ich betrachte es als ein großes Vorrecht einen solchen Vater gehabt zu haben...“, ist in dem benachbarten kleinen Museum ein Satz von Friedrich Nietzsche zu lesen. Der Ahnentafel dort voran steht ebenfalls ein Satz des Philosophen: „Man ist am wenigstens mit seinen Eltern verwandt...“


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