Weißenfels
Nachrichten, Bilder, Videos, Services, Wetter aus Weißenfels und dem Burgenlandkreis mit Hohenmölsen, Lützen, Teuchern, Langendorf und der ganzen Region.

Vorlesen

Burgenlandkreis: Es gab nur ein Geschenk

Uhr | Aktualisiert 23.12.2012 14:26 Uhr
Christel Becher (links) und Anna Schneider wohnen im Pflegeheim St. Franziskus in Weißenfels. Sie fühlen sich im Heim wohl und verleben dort schöne Stunden. (FOTO: PETER LISKER) 
Von
Anna Schneider hat eine wunderbare Kindheit erlebt. "Ich wurde in Bad-Teplitz-Schönau geboren, im Sudetenland", erzählt die 81-Jährige, die im Pflegeheim St. Franziskus in Weißenfels lebt. Bad-Teplitz-Schönau sei eine schöne Stadt, mit vielen Kurgästen, einem Kurpark und vielen Hotels.
Drucken per Mail
weissenfels/MZ. 

Sie könne sich an ihr erstes Weihnachten Mitte der 1930er Jahre noch sehr gut erinnern: "Es war bei uns zu Hause Tradition, dass es am Heiligabend Karpfen und Butternudeln zu essen gab, danach Kaffee und Apfelstrudel", ergänzt sie. "Wir hatten doch die österreichische Küche." Mittags sei hingegen nicht so viel "Brühe" gemacht worden, meistens habe es nur Kakao und Brötchen gegeben.

Vier Kinder mussten warten

Der Weihnachtsbaum wurde erst in der Frühe am 24. Dezember geschmückt, was die Eltern allein übernahmen - die vier Kinder mussten derweil in einem anderen Zimmer warten. Am Baum hingen schöne Glaskugeln, Engelshaar schmückten die Zweige und es gab richtige Kerzen, die angezündet wurden. "Zu uns kam das Christkind, nicht der Weihnachtsmann." Auch das Einpacken der Geschenke kenne sie nicht, "sobald wir hereingerufen wurden, sagten uns die Eltern, welches Geschenk unter dem Baum wem gehört." Anna Schneider ergänzt: "Es gab für jedes Kind nur ein Geschenk. Etwas anderes kannten wir gar nicht." Einmal sei ihr und Elisabeth, das ist ihre Zwillingsschwester, ein großes Spielhaus geschenkt worden. "Das war für uns beide, mehr gab es nicht." Ein anderes Mal gab es eine Puppe oder irgendetwas anderes zum Spielen, ihre zwei älteren Brüder erhielten beispielsweise eine Eisenbahn. "Die Puppe haben wir angezogen, wieder ausgezogen, mit anderen Sachen wieder angezogen, den ganzen langen Abend. Wir waren einfach nur glücklich." Die Eltern führten eine Gaststätte, "sie hätten uns ganz gewiss zu Weihnachten mehr schenken können, am Geld hat es nicht gelegen, aber sie wollten das nicht", erinnert sich die Seniorin. Bescheidenheit wurde groß geschrieben.

Durchs Schlüsselloch geschaut

Selbstverständlich waren die vier Kinder neugierig: "Wir schauten durch das Schlüsselloch und wollten wissen, was nebenan im Wohnzimmer vor sich geht". Die Geschenke haben sie natürlich nicht gesehen, "nur" die Eltern, die sich am Baum zu schaffen machten. "Es war total spannend." Vater und Mutter haben zudem ihre Sprösslinge festlich auf Weihnachten eingestimmt - unter anderem mit Liedern. Es wurde gesungen oder Gedichte gelernt. "Wir bekamen das Gefühl vermittelt, Weihnachten ist etwas ganz Besonderes." Hektik gab es nicht, keine Unruhe. Außerdem wurden alle Kinder festlich angezogen. "Als wir das Wohnzimmer betraten, erklang aus dem Grammophon das Lied Stille Nacht, heilige Nacht, alles war sehr, sehr feierlich. "

Anna Schneider kann nicht verstehen, warum Kinder heutzutage Unmengen von Geschenken erhalten. "Sie werden ja gerade zu überhäuft. Für den Charakter ist das nicht gut."

Anders als Anna Schneider verbrachte Christel Becher, die in Obergreißlau im Februar 1945 geboren wurde, das Weihnachtsfest. "Meine Mutti arbeitete in einer Wäscherei, mein Vati als Schlosser in den Ketten- und Nagelwerken in Weißenfels", berichtet die 67-Jährige. Ihr "richtiger" Vater sei im Krieg gefallen, fügt sie hinzu. Am Heiligabend gab es Kartoffelsalat und Bockwurst. "Viele Geschenke gab es nicht, meine Eltern haben nicht viel verdient." Es sei eine schwere Zeit gewesen, Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre. "Mit einer Kleinigkeit waren wir, mein Bruder und ich, zufrieden. Mal gab es einen Roller, mal eine Puppe." Erst wurde gegessen, dann gab es die Bescherung. "Wir haben viel gesungen, zusammen mit den Eltern." Auch Süßigkeiten gab es nicht in Hülle und Fülle, so wie das heute der Fall sei. Selbstverständlich sei die Familie vor dem Fest in die Kirche gegangen. "Wir waren als Kinder sehr zufrieden, es war eine schöne Kindheit", erzählt die Seniorin, die nach der 8. Klasse in der Weißenfelser Schuhfabrik lernte und arbeitete, später aber in verschiedenen Küchen tätig war.

Auch interessant
Bildergalerien Weißenfels
Babybilder
Weißenfelser WM-Tagebuch
Lokalsport Weißenfels
E-Paper
Mitteldeutsche Zeitung Titelblatt

Lesen Sie Ihre Mitteldeutsche Zeitung online und auf dem iPad/iPhone. So sind Sie jederzeit aktuell informiert.

Lokalredaktion Weißenfels - Wir sind für Sie da!
Markt 7
06667 Weißenfels
Tel.: (0 34 43) 33 60 08 10
Tel.: (0 34 43) 33 60 08 29
E-Mail: redaktion.weissenfels@mz-web.de
MZ Weißenfels bei Twitter
MZ Weißenfels-Zeitz bei Facebook
zum Kontaktformular