47 Skelette befinden sich in dem Massengrab, das im November 2011 von den Archäologen in Lützen geborgen wurde. Das sind zwar weit weniger, als erwartet wurde, doch hat es das Forscherteam in der Werkstatt des Landesamtes für Archäologie in Halle nun nach gut einem halben Jahr Feinarbeit bereits geschafft, sich einmal von oben nach unten durch den 20 Kubikmeter großen Erdblock zu arbeiten.
Jedes Teil wurde freigelegt, fotografiert und konserviert, berichtet Maik Reichel, der Leiter des Lützener Museums. Erkenntnisse über den Dreißigjährigen Krieg und ganz besonders die Schlacht bei Lützen am 6. November 1632 wollen sie daraus ziehen, aber auch über die Schicksale der einzelnen Individuen.
Mittels Isotopenanalysen der Zähne soll herausgefunden werden, woher die Soldaten stammen, die ohne jegliches Beiwerk in einer Grube bestattet wurden. Ja nicht einmal mehr die Kleidung wurde ihnen im Dreißigjährigen Krieg gelassen. 1632 hatte die Bevölkerung kaum noch etwas zum Leben, so dass die Plünderer durchaus aus Lützen gekommen sein könnten. Hinweise auf Alter, Verwundung und Todesursache lassen sich mit Hilfe moderner anthropologischer Untersuchungen finden.
So ist mittlerweile bekannt, dass die in dem Massengrab beerdigten Soldaten im Nahkampf gefallen sind. Davon sprechen ihre Verwundungen durch Pistolen oder Karabiner. Sie könnten in einem Gefecht zwischen Reitern und Fußtruppen umgekommen sein. Dem Jüngsten wird ein Alter von 14 Jahren, dem Ältesten von etwa 40 Jahren zugesprochen. Unklar ist bisher, auf welcher Seite die Gefallenen kämpfen, auf der des Schwedenkönigs Gustav Adolf oder der des kaiserlichen Heerführers Wallenstein.
Der Zahnschmelz kann verraten, wo ein Gefallener seine ersten Lebensjahre verbracht hat. Was in dieser Zeit gegessen und getrunken wurde, das Wasser auch, hinterlässt Spuren in den Zähnen, die das Leben lang erhalten bleiben, erklärt Reichel. Historisch belegt sei, dass in Lützen neben Deutschen und Schweden auch Schotten und Finnen gekämpft haben.
Im kommenden Jahr fangen die Archäologen ihre Arbeit auf der anderen Seite des Grabes an. Dafür wird das bisher Freigelegte wieder mit Folie und Sand bedeckt, gut verdichtet und dann wird der ganze Block um 180 Grad gedreht.