Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Bürgerfrust: Sind Katzen in Hohenmölsen nicht willkommen?

Findus

Weil die Familie Taudte schon zu viele Katzen verloren hat, holten sie sich nun den schneeweißen Findus, einen wirklichen Stubentiger.

Foto:

Peter Lisker

Hohenmölsen/MZ -

Susann und Lutz Taudtke könnten in ihrer ausgebauten Wohnung richtig zufrieden sein. Vor drei Jahren zogen sie vom Südhang in die Werkstraße von Hohenmölsen, bauten und renovierten, damit sie die nunmehr 18-jährige Tochter Shanice und der heute vierjährige Patrice ausreichend Platz haben. Das Familienglück komplettiert Janessa, die vor einem Jahr auf die Welt kam. „Willkommen“ steht draußen an der Haustür, doch dies scheint hier nicht für Katzen zu gelten.

Die Trauer und der Frust sitzen bei Susann Taudte tief. Denn als die Familie in die Werkstraße umzog, war auch Fussel, der Familien-Perser mit dabei. Das Tier war in der ehemals angestammten Region sehr beliebt, tigerte durchs nahe gelegene Ordnungsamt ebenso wie durch das Hotel am Platz. „Fussel war es gewohnt draußen zu sein. Also haben wir ihn nach einer Eingewöhnungsphase auch raus gelassen“, schildert die 41-Jährige. Wenige Wochen danach zeigte die Samtpfote typische Vergiftungserscheinungen. Fussel starb.

„Das war natürlich für die gesamte Familie ein Schock. Ohne Katze zu leben, kam für uns nicht in Betracht“, erzählt sie weiter. „Charly“ brachte schließlich die Familie wieder zum Lachen und Freude in den Alltag. Kurze Zeit danach kam die Katze mit einer Schussverletzung nach Hause. Taudtes bezahlten viel Geld für die Behandlung und erfuhren aus der Nachbarschaft noch von weiteren Fällen, wo auf Katzen geschossen sein soll. Charly erholte sich und bekam schließlich Nachwuchs.

„Zwei Katzen haben wir weggegeben und eine behalten. Plötzlich war aber die Mutter, also unsere Charly wie vom Erdboden verschwunden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Mutter ihr Kind allein lässt“, zweifelt die Katzenliebhaberin. Die Familie setzte alle Hoffnungen auf Katze Nummer drei, wieder nannten sie die Fussel. Die kam schließlich mit schweren Prellungen nach Hause. Offenbar war sie mit einem Gegenstand geschlagen worden. Das Drama nahm bei Taudtes seinen Lauf. Insgesamt drei Katzen verschwanden, zeigten Vergiftungserscheinungen, kamen besprüht nach Hause oder wurden durch Elektrozäune erschreckt.

Susann Taudte suchte das Gespräch mit Nachbarn, wendete sich an das Veterinäramt und an die Polizei. „Offenbar lebt hier auf der Straße ein Katzenhasser. Das ist doch furchtbar“, klagt sie. Verzweifelt kontaktierte sie die MZ, um so Mitstreiter in der Öffentlichkeit zu finden, den Tierquälern das Handwerk zu legen. Tatkräftige Beweise oder Zeugen für die angesprochenen Probleme hat sie nicht.

Klar ist, dass Familie Taudte rechtlich auf der sicheren Seite ist. Freilaufende Katzen sind auf anderen Grundstücken zu dulden, auch wenn sie das Beet als Katzenklo nutzt oder ihre Krallen an einem Baum wetzt. So sagt es das Bürgerliche Gesetzbuch im Paragrafen 833. Wenn eine Samtpfote jedoch in Nachbars Garten oder am Auto beispielsweise Schaden anrichtet und der dies beweisen kann, hat er das Recht bei sich.

Dann darf er dem Katzenhalter die Rechnung präsentieren. Familie Taudte hat den Tierschutzbund eingeschaltet. Ihre Liebe zu Katzen wollen sie der Kinder wegen schon nicht aufgeben. Fussel Nr. 2 stromert weiter draußen herum, auch wenn die Angst mit geht. Seit Kurzem ergänzt Findus das Familienglück. Der schneeweiße Perser ist jedoch ein wirklicher Stubentiger. Er darf nicht hinaus. Darauf hat die Familie bei der Anschaffung geachtet.


Das Wetter in Weißenfels: präsentiert:

Bilder
Babybilder