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Besucherzentrum für Lützen: Massengrab, Millionengrab?

Zusammenfügen, was zusammengehört: Das rund 1,6 Tonnen schwere Blockgrab mit den Überresten von 47 Soldaten der Schlacht bei Lützen 1632 wird im September 2015 im Landesmuseum Halle aufgestellt.

Zusammenfügen, was zusammengehört: Das rund 1,6 Tonnen schwere Blockgrab mit den Überresten von 47 Soldaten der Schlacht bei Lützen 1632 wird im September 2015 im Landesmuseum Halle aufgestellt.

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dpa/ woitas

lützen -

Das „Massengrab von Lützen“, sprechendes Zeugnis von der Barbarei des Dreißigjährigen Krieges und der Schlacht von 1632, in der der schwedische König und Feldherr Gustav Adolf sein Leben ließ, ist derzeit die Hauptattraktion der Ausstellung „Krieg“ im halleschen Landesmuseum für Vorgeschichte. Zugleich ist es der leicht morbide Hoffnungsträger der Stadt Lützen, dereinst mehr Aufmerksamkeit auf seine eigenen Zeugnisse aus dieser und anderen Epochen zu lenken, die der Kleinstadt im Burgenlandkreis eine kulturhistorische Bedeutung weit jenseits ihrer bescheidenen Verhältnisse verleihen.

Hoffnung auf finanzielle Förderung

Die Stadt macht sich offenbar berechtigte Hoffnungen auf Fördermittel für den Bau eines Besucherzentrums am historischen Schlachtfeld, wo das „im Block“ geborgene Grab von 47 hingemetzelten Söldnern ausgestellt und zur Schlacht von Lützen und dem Dreißigjährigen Krieg informiert werden soll. Dieser Plan ist kaum losgelöst davon zu betrachten, dass die Stadt mit ihrem Schlossmuseum bereits einen authentischen Schauplatz der Schlacht (es war das Quartier Wallensteins) und eigene Zeugnisse zu Gustav Adolf besitzt. Damit nicht genug, begründen auch Sammlungen zu den napoleonischen Befreiungskriegen sowie zu dem Literaten Johann Gottfried Seume die überregionale Bedeutung des Museums, außerdem unterstützt es die Nietzsche-Gedenkstätte in Röcken.

2007 erregte es Aufsehen mit einer von internationalen Leihgebern großartig bestückten Ausstellung zum 375. Jahrestag der Schlacht. Seitdem setzt es Staub an. Die Leitungsposition fiel vakant, Mittel und Öffnungszeiten wurden gekürzt, und in den Räumen zum Dreißigjährigen Krieg stehen die Vitrinen aus der Ausstellung leer, für die das Landesmuseum Funde der archäologischen Sondierung des Schlachtfelds bereitgestellt hatte. Der um etliche Umlandgemeinden erweiterte Stadtrat streitet über die Zukunft des Museums, aber natürlich wird die Aussicht auf eine neue Besucherattraktion erst einmal positiv gesehen.

Ausschreibung für wissenschaftliche Leiterstelle des Schlosses

Landesarchäologe Harald Meller, zugleich Chef des Landesmuseums, hat die Bereitstellung des spektakulären Bodenfunds nur unter der Bedingung zugesagt, dass eine wissenschaftliche Leiterstelle für das Lützener Schlossmuseum eingestellt wird, das die Betreuung des Besucherzentrums übernehmen soll. Die Stelle wurde ausgeschrieben, eine Entscheidung ist aus einem Feld von fünf eingeladenen Bewerbern kürzlich gefallen. Die Personalie bleibt aber bis zur nicht-öffentlichen Abstimmung im Stadtrat am 29. Februar unter Verschluss.

Vor welchen Herausforderungen Lützen steht und welche Anforderungen an das Besucherzentrum gestellt werden, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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