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Volleyball: CV Mitteldeutschland gibt Sieg noch aus der Hand

Marcin Brzezinski

Volle Kraft voraus - Marcin Brzezinski (#1) im Angriff gegen die Netzhoppers.

Foto:

Danny Pockrandt / miografico

Leuna -

Janusz Gorski wollte einfach nur noch weg. Der Spieler des CV Mitteldeutschland hatte genug. Erst fünf Sätze Volleyball. Und dann musste er sich auch noch fotografieren lassen, denn er war zum Most Valuable Player gewählt worden - zum wertvollsten Spieler - seiner Mannschaft.

Als er dann endlich gehen wollte, wurde er vom Fotografen wieder zurückbeordert. Denn in diesem Moment war Sebastian Krause, der Beste der Netzhoppers KW-Bestensee, hinzugekommen. Also musste Gorski noch ein zweites Mal in die Kamera lächeln. Dann war er endlich erlöst.

Die Piraten Marcin Brzezinski (Mitte) und Ramon Renaldo Martinez Gion (rechts) kämpfen um den Ball.

Die Piraten Marcin Brzezinski (Mitte) und Ramon Renaldo Martinez Gion (rechts) kämpfen um den Ball.

Foto:

peter wölk

Man konnte sehen: Die Ehrung war dem Außenangreifer des CVM nicht wichtig. Mit den Gedanken war er immer noch woanders - bei den irren Szenen, die sich wenige Minuten zuvor in der Jahrhunderthalle Spergau abgespielt hatten. Bei der Schlussphase, die emotionaler nicht hätte verlaufen können.

Emotional deshalb, weil mit dem letzten Ball noch einmal die Richtung des Spiels wechselte. Die Piraten, die sich nach einem ständigen Auf und Ab in den fünften Satz gekämpft und dort auch geführt hatten, gaben den Sieg noch aus der Hand und verloren gegen Königs Wusterhausen knapp mit 2:3.

Erst 14:12, dann 16:18

So hatte die Mannschaft aus Spergau im letzten Satz erst mit 10:7 geführt, dann mit 14:12. Und hatte zwei Matchbälle, vergab diese aber. Dann erkämpften sie sich beim Stand vom 15:14 wieder einen Matchball, vergaben ihn wieder. Dasselbe beim Stand von 16:15. Und schließlich schlugen die Netzhoppers zu. Ihren ersten Matchball verwandelten sie, die Piraten verloren mit 16:18. Und machten ihren Trainer fassungslos. „Das nagt. Ich bin enttäuscht“, sagte der Trainer des CVM, „wir hatten mehrere Chancen, das Spiel zu entscheiden. Aber wir haben den Sieg nicht nach Hause gebracht.“

Wobei sich Quell nicht nur auf die Schlussphase bezog. Schon zuvor hätte seine Mannschaft alles klarmachen müssen. Doch wie der fünfte Satz war das ganze Spiel - eine Berg- und Talfahrt, die verdeutlichte, dass der Abstiegskampf noch lange nicht gewonnen ist.

Mit einem deutlichen 25:15 startete der CVM in die Partie. Alles passte, alles stimmte. Doch dann war plötzlich alles weg: die Sicherheit, das Selbstvertrauen. Den zweiten Satz verloren die Spergauer mit 23:25. „So ist eben Volleyball“, sagte Ulf Quell und nahm seine Mannschaft trotz Enttäuschung auch in Schutz: „Man kann nicht erwarten, dass sie diese Leistung über alle Sätze zeigt.“

Nachdem dann auch der dritte Satz mit 19:25 verloren gegangen war, musste der totale Einbruch befürchtet werden. Doch just in diesem Moment ging noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft. Sie zeigte im vierten Satz deutlich bessere Aufschläge - zwei Aufschlagpunkte im Vergleich zu keinem im dritten Satz - und verbessertes Blockverhalten - vier Blockpunkte im Gegensatz zu einem zuvor - und gewann nicht nur ähnlich deutlich wie im ersten Satz mit 25:14, sondern auch an Selbstvertrauen. Und erkämpfte sich den Tiebreak.

Doch dann nahm das Unheil seinen Lauf.

Am Mittwoch in Berlin

Immerhin: Einen Punkt nehmen die Piraten mit. Einen, der am Saisonende durchaus wichtig werden könnte, denn der Kampf um den Klassenerhalt entwickelt sich mehr und mehr zum Schneckenrennen. Auch am Mittwoch haben die Abstiegskandidaten ein hartes Programm: Der CVM spielt in Berlin, Rottenburg in Frankfurt, die Netzhoppers gegen die Mannschaft aus Lüneburg, die gerade Meister Friedrichshafen geschlagen hat.

Auch Ulf Quell hat begriffen, dass noch nichts vorbei ist und jeder Punkt zählt. „Wir haben es selbst noch in der Hand“, sagte der Coach des Tabellenvorletzten, „der Abstiegskampf ist noch nicht entschieden.“ (mz)