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Turnen: Olympiasieger Köste im Alter von 69 Jahren gestorben

Uhr | Aktualisiert 16.12.2012 18:46 Uhr

Der ehemalige Radweltmeister und damalige PDS-Bundestagsabgeordnete Gustav-Adolf «Täve» Schur (li.) steht neben seinem Mitarbeiter, dem Turn-Olympiasieger Klaus Köste. (ARCHIVFOTO: DPA)

Er galt als eleganter Reck-Turner und sammelte Meistertitel wie andere Briefmarken. Der plötzliche Tod von Olympiasieger Klaus Köste hat die Turnerwelt in tiefe Trauer versetzt.
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Jesewitz/Leipzig/dpa. 

Der überraschende Tod von Olympiasieger Klaus Köste hat unter Turnern Bestürzung ausgelöst. Am Samstag hatte seine Frau Sabine Köste dem früheren Rad-Weltmeister Gustav Adolf „Täve“ Schur bestätigt, dass der frühere Spitzenturner am Freitag im Alter von 69 Jahren an Herzversagen gestorben war. Klaus Köste war als Referent zwischen 1998 bis 2002 einer der engsten Mitarbeiter von Schur während dessen Zeit als Abgeordneter des Deutschen Bundestages für die PDS.

Köste war seit dem Tod von Walther Steffens (2006) Deutschlands ältester Turn-Olympiasieger. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München hatte der in Frankfurt (Oder) geborene Köste die Goldmedaille am Pferdsprung für die DDR erkämpft. Insgesamt nahm er dreimal an Olympischen Spielen teil und erkämpfte weitere zehn Medaillen bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften.

Für seinen Heimatverein SC DHfK Leipzig holte er insgesamt 34 nationale Meistertitel und ist damit gemeinsam mit Eberhard Gienger (Künzelsau) nach wie vor der deutsche Turn-Rekordmeister.

Nachdem er aufgrund eines Achillessehnenrisses während der Turn-Weltmeisterschaften 1974 seine sportliche Laufbahn beenden musste, schloss Köste 1975 ein Studium an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) als Diplom-Sportlehrer ab und wirkte von 1974 bis 1976 als Cheftrainer Frauen in der DDR. Von 1976 bis 1985 war er Cheftrainer Turnen beim SC Leipzig und arbeitete danach als Hochschullehrer an der DHfK.

Zuvor war Köste von der Staatssicherheit ins Fest- und Spartakiade-Komitee der DDR berufen worden. Damit war er für die Sicherheit und Durchführung des Turn- und Sportfests der DDR 1977 mitverantwortlich, wofür die DDR als Reaktion auf die Terroranschläge von München 1972 die Sicherheitsvorkehrungen verschärfte. Vom Ministerium für Staatssicherheit wurde ihm dabei ungefragt der Deckname „IM Michael Woronin“ verpasst.

„Ich erklärte mich damals bereit, alles für die Sicherheit bei einem solchen Großereignis zu tun. Im Sinne der Sache hatte ich überhaupt nichts einzuwenden, denn es ging hier um Sicherheitsfragen“, hatte Köste später begründet, als die Stasi-Kontakte öffentlich wurden.

Von 2001 bis 2004 war Köste für den Deutschen Turner-Bund DTB im Bereich Sportartenwicklung für Großveranstaltungen verantwortlich. Bereits 2005 hatte er sich einer Herzoperation unterziehen müssen, meldete sich danach aber als Senioren-Turner an den Geräten zurück. Zuletzt vertrat er im Sommer 2012 das deutsche Turnen mit Schau-Auftritten in Hongkong.

Kurz danach war Klaus Köste gemeinsam mit der ältesten Turnerin der Welt, Johanna Quaas, Gast beim 90. Jahnturnfest in Freyburg. Beide hatten geplant, auch beim Internationalen Deutschen Turnfest 2013 in der Rhein-Neckar-Region als „Deutsches Turn-Dream-Team“ beim Senioren-Turnen aufzutreten.