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Skispringen: Freitag kann überzeugen, während der Rest des DSV schwächelt

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Richard Freitag zeigte mit Rang vier auch in Zakopane eine gut Leistung. (FOTO: DPA) 
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Den deutschen Skispringern fehlt derzeit die mannschaftliche Geschlossenheit. Beim Weltcup in Zakopane überzeugt lediglich Richard Freitag, der knapp am Podest vorbeifliegt. Die Topleute Freund und Wellinger schwächeln.
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Zakopane/Frankfurt/dpa. 

Der von einem Grippevirus geschwächte Richard Freitag stand blass, aber zufrieden im Auslauf, sein Zimmerkollege Severin Freund verließ mit grimmiger Miene den Hexenkessel von Zakopane. Sechs Wochen vor der WM driftet die Formkurve bei Deutschlands Top-Skispringern derzeit auseinander.

Während Freitag drei Tage nach seinem zweiten Saison-Podestplatz trotz gesundheitlicher Probleme als Vierter auftrumpfte, erlebte Freund am Samstag auf Rang 22 den zweiten Absturz binnen einer Woche. „Damit bin ich nicht zufrieden. Ich habe einen anderen Anspruch“, schimpfte Freund.

In der Weltcup-Gesamtwertung fiel der 24-Jährige hinter Tagessieger Anders Jacobsen auf Rang vier zurück. Der Norweger flog unbeeindruckt von den schwierigen Windverhältnissen auf 128,5 und 131,5 Meter und verwies seinen Landsmann Anders Bardal sowie den Polen Kamil Stoch auf die weiteren Podestplätze.

Diese hatte Freitag nach einem Sprung auf 130 Meter als Halbzeit-Zehnter eigentlich schon aus den Augen verloren. Doch im Finale gelang ihm bei starkem Rückenwind ein cooler Satz auf 127,5 Meter, durch den er das Spitzenfeld von hinten aufrollte. „Mit dem zweiten Versuch bin ich besonders zufrieden“, betonte Freitag.

Dabei stand sein Start lange infrage, denn nach dem zweiten Rang am vergangenen Mittwoch in Wisla hatte sich der Sachse eine Grippe eingefangen. „Ich bin total happy, dass ich überhaupt springen konnte. Ich habe die Qualifikation ausgelassen, um mich ein wenig zu schonen, und mich voll auf die zwei Wettkampfsprünge konzentriert. Da ging es ganz gut. Dass es ein vierter Platz geworden ist, ist umso schöner“, sagte Freitag.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten im WM-Winter sieht sich der 21-Jährige nun auf einem guten Weg zu den Titelkämpfen vom 20. Februar bis 3. März in Val di Fiemme. „Ich habe einige Kleinigkeiten verändert, wie das Andrücken an der Absprungkante. Es sind eben kleine Dinge, die das Ganze ausmachen. Wenn die klappen, kann es auch wieder laufen. Da bleiben wir jetzt dran und hoffen, dass es aufgeht“, verkündete Freitag die Marschroute bis zur WM.

Freund haderte dagegen eine Woche nach seinem Absturz im Finale der Vierschanzentournee, wo er den zweiten Durchgang und damit den möglichen dritten Platz in der Gesamtwertung verpasst hatte, erneut mit seinem sportlichen Schicksal. „Eigentlich haben sich die Sprünge nicht schlecht angefühlt. Wenn man dann im Flug keinen Druck von unten spürt und auch noch Minuspunkte für Aufwind bekommt, ist man ziemlich ratlos“, erzählte Freund nach seinen zwei Sprüngen auf jeweils 123 Meter.

Da auch der 17 Jahre alte Weltcup-Neuling Andreas Wellinger das erste Negativerlebnis in diesem Winter verdauen musste, war es für DSV-Springer mit Ausnahme von Freitag ein Wochenende zum Vergessen. Wellinger verpasste als 31. um die Winzigkeit von 0,6 Punkten erstmals das Finale und stellte danach fest: „Eigentlich hätte ich befreit aufspringen können, denn von mir wird nichts erwartet. Heute hat das aber leider nicht so geklappt.“ Der Youngster, der in seinem ersten Weltcupjahr bereits zweimal auf dem Podest stand, wird nun eine Wettkampfpause einlegen und soll dann in zwei Wochen bei der Junioren-WM um den Titel mitspringen.

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