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Skispringen: Andreas Wank mit Chancen auf eine WM-Medaille

18.02.2013 22:58 Uhr
Andreas Wank hat in dieser Saison viele leuchtende Momente erlebt. Er zeigt das beste Jahr seiner Skispringer-Karriere.  (BILD: DPA/ARCHIV)
Von GOTTFRIED SCHALOW
Andreas Wank sieht nach seiner bisher besten Saison im Weltcup Chancen auf eine WM-Medaille. Dafür spricht auch eine funktionierende Mannschaft.
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HALLE/MZ. 

Das fröhliche Servus am Telefon macht zunächst einmal stutzig. Wie geht das, ein gebürtiger Hallenser, der sich mit dem weiß-blauen Begrüßungsritual und dazu mit einem kaum noch zu überhörenden bayerischen Dialekt meldet? Die Antwort kommt einfach daher: „Ich bin ja nun schon ein paar Jahre mit der Nationalmannschaft unterwegs. Und da sind nun mal eine ganze Reihe Leute mit bayerischen Wurzeln dabei. Irgendwann färbt das ab“, sagt Andreas Wank.

Wank, am Montag 25 Jahre alt geworden, aufgewachsen in Domnitz im Saalekreis, macht sich am Mittwoch auf den Weg zur Nordischen Ski-WM nach Val di Fiemme. Er rechnet sich dort mit Deutschlands Skispringern Chancen auf eine oder sogar mehrere Medaillen aus.

Neues Hotel für deutsche Adler

Es dauert jedoch eine ganze Weile, bis das Gespräch tatsächlich aufs Skispringen kommt. Andreas Wank redet lange und ausgiebig über Land und Leute in der Dolomitenregion, die er durch viele Trainings-Aufenthalte lieben und schätzen gelernt hat. „Allerdings sind wir dieses Mal in einem neuen Hotel. Das wird eine Weile dauern, bis wir uns dort auskennen und ein paar ruhige Ecken entdeckt haben, wo wir auch mal abschalten können. Das ist ganz wichtig mitten im hektischen Wettkampfgeschehen.“

So spricht einer, der mit sich im Reinen ist, der sich einerseits nicht unter Druck setzen lässt, der sich aber andererseits auch anspruchsvolle Ziele setzt. „Es ging zuletzt wieder klar nach oben, die Stimmung in der Mannschaft könnte nicht besser sein. Es gibt keinen Grund, irgendetwas infrage zu stellen“, sagt Wank.

Das klingt selbstbewusst, aber keineswegs überheblich. Denn Andreas Wank, der am Montag mit seiner Freundin im Schwarzwald seinen Geburtstag feierte, weiß natürlich auch, dass in dieser Saison nicht alles nach Wunsch lief, dass er durch manches Wellental gegangen ist. Nach dem Gewinn des Sommer-Grand-Prix galt er schon mal kurzzeitig als der neue deutsche Vorspringer. Die harte Landung folgte schon in Oberstdorf, als er beim Auftaktspringen zur Vierschanzentournee das Duell mit Altmeister Martin Schmitt verlor. Dafür ging der Stern des 17 Jahre alten Andreas Wellinger auf. Später hatten dann Severin Freund und zuletzt Richard Freitag ihre großen Auftritte.

Das hört sich alles ein bisschen nach Glücksspiel innerhalb der deutschen Mannschaft an. Für Andreas Wank ist das aber inzwischen ganz normal. „Wir sind eben während der langen Saison auf unterschiedlichsten Schanzen unterwegs. Der eine fühlt sich hier wohl, der andere dort. Dann gibt es mal Schnee, mal viel Wind, das macht vieles unberechenbar. Das geht ja auch den anderen Mannschaften so. Auch die Österreicher hatten ihre schwächeren Tage. Zuletzt waren die Slowenen besonders stark. Mal sehen, wie lange sie das durchhalten.“

Wank macht damit deutlich, dass es außer vielleicht Gregor Schlierenzauer den alles überragenden Skispringer gerade nicht gibt. Und auch er hatte im Januar sein ganz persönliches Erfolgserlebnis mit einem dritten Platz im heftigen Schneetreiben in Japan. „Es geht also aufwärts“, wiederholt er und verweist auf ein wichtiges Detail, das vielen Außenstehenden entgangen ist: „Das ist schon jetzt meine erfolgreichste Saison.“

Und diese soll nun im vertrauten Val di Fiemme gekrönt werden. Von einer deutschen Mannschaft, bei der es keine klare Nummer eins gibt. „Ich finde das gut so. Es gibt keinen Vorturner bei uns, keinen, der sich um jede Kamera, um jedes Mikrofon reißt“, sagt Wank.

Homogene Mannschaft

Was er damit sagen will: Die Mannschaft funktioniert einfach gut, deshalb muss sich auch niemand schämen, wenn er mal einen schlechten Tag erwischt. „Auch mir hat niemand den Kopf abgerissen, als es zum Beispiel in Oberstdorf so ganz anders lief, als ich es mir vorgestellt habe.“ Im Gegenteil: Man baut sich gegenseitig wieder auf, niemand wird fallengelassen. „Nur deshalb ist es ja möglich, dass dann in kürzester Zeit eben wieder ein Wettkampf kommt, bei dem man ganz oben auf dem Podest steht“, sagt Wank.

Auch Bundestrainer Werner Schuster weiß, dass er sich auf seine Mannschaft verlassen kann. „Wir wollen eine tolle Weltmeisterschaft springen. Deshalb fahren wir auch erst am Mittwoch nach Italien. Ein Training dort sollte reichen, denn die Jungs kennen die Schanzen und wissen, wie es geht.“

Gute Laune und gegenseitiges Vertrauen lassen also viel Platz für Medaillenträume bei den deutschen Skispringern. „Das passt schon“, sagt Andreas Wank zum Abschluss. Wieder im unüberhörbaren bayerischen Dialekt, der schon fast sein Markenzeichen ist.