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Ski Alpin: Hundertstelsekunden entscheiden über Platzierungen

Uhr | Aktualisiert 30.12.2012 20:34 Uhr

Am Ende waren Hannes Reichelt (mitte) und Dominik Paris die Gewinner. Aksel Lund Svindal (r.) aus Norwegen belegte knapp geschlagen Rang drei. (FOTO: DPA)

Das Männer-Rennen in Bormio erlebt den knappsten Zieleinlauf aller Zeiten. Der Viertplatzierte hat gerade mal zwei Hundertstelsekunden Rückstand.
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Bormio/SID/mz. 

Klaus Kröll hatte seine Gefühlslage ziemlich klar zum Ausdruck gebracht. "Wie der Depp vom Tag" stünde er da, sagte der Österreicher. Und über Twitter ließ er dann noch wissen: "Zwei Hundertstel Rückstand und nur Vierter. So ein Sch...., es will noch nicht sein, aber der Weg stimmt."

Selten war der Frust eines Ski-Rennfahrers nach einer so guten Leistung so groß. Und irgendwie war es ja auch verständlich. Kröll, im vergangenen Winter der beste Abfahrer im alpinen Ski-Weltcup, lag beim Rennen im italienischen Bormio am Sonnabend tatsächlich nur läppische 0,02 Sekunden hinter der Siegerzeit - und kam damit nicht mal auf das Siegertreppchen. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte der Norweger Aksel Lund Svindal.

Wie sollte er auch? Denn der Ausgang dieser Abfahrt von Bormio war der knappste aller Zeiten in einem alpinen Rennen der Männer. Zwei Sieger gab es: Hannes Reichelt aus Österreich und Dominik Paris aus Italien. Svindal, der Dritte, lag eine Hundertstel zurück. Kröll, der Vierte, zwei Hundertstel - die Wimpernschlag-Abfahrt vom Sonnabend geht damit in die Geschichte ein.

Zweite Abfahrt mit zwei Siegern

Rennen mit zwei Siegern hat es zwar schon oft gegeben im Weltcup, in der Abfahrt aber nur einmal: 1978 in Kitzbühel. Damals gewannen der Österreicher Sepp Walcher und der Deutsche Sepp Ferstl, und Michael Veith vom Tegernsee lag als Dritter nur 0,04 Sekunden zurück. Nicht vorgekommen war bislang, dass der Viertplatzierte nur 0,02 Sekunden zurückliegt.

Auf der 3 270 Meter langen Piste Stelvio in Bormio betrug der Rückstand von Kröll umgerechnet 55 Zentimeter. Der Mann mit der drittbesten Zeit: frustriert. Der Mann mit der zweitbesten Zeit: verdattert. Die beiden Männer mit der besten Zeit: glücklich.

Paris hatte mit der Startnummer zehn vorgelegt - 1:58,62 Minuten. Ein Weltcup-Rennen hatte er noch nie gewonnen, im Januar 2011 war er mal Zweiter gewesen.

Reichelt kam mit Nummer 17: fünf Weltcup-Siege, keiner in der Abfahrt - 1:58,62 Minuten. "Es ist unglaublich", sagte der WM-Zweite im Super-G von 2011.

Svindal, der einen Tag lang erkältet im Bett gelegen hatte, kam mit Startnummer 19. "Ich war im Ziel, ich habe plus 0,01 und dritter Platz gesehen", berichtete er, "ich habe gedacht, das muss ein Fehler sein, das muss ja der Zweite sein." War es nicht.

Kröll kam mit der Nummer 22. "Zuerst habe ich mir gedacht, Vierter ist okay. Ich habe ja auch zwei Fehler gehabt, aber dann habe ich gesehen: zwei Hundertstel zurück."

Durchaus erfreulich verlief das Rennen für Stephan Keppler. Er verpasste nur knapp den angestrebten Platz in den Top Ten, fand Rang elf, den er zeitgleich mit Peter Fill aus Italien belegte, aber "perfekt": "Ich bin sehr zufrieden", betonte er. Keppler hat die Norm für die WM im Februar 2013 in Schladming in Österreich nun zur Hälfte erfüllt.

Frauen behalten den Rekord

So historisch das Rennen von Bormio auch war: Für Platz eins der knappsten Alpin-Rennen reichte es dann doch nicht, das haben weiter die Damen in ihren Händen. Im März 2006 gab es im Super-G im norwegischen Hafjell sogar drei Siegerinnen: Michaela Dorfmeister, Lindsey Vonn, damals noch unter ihrem Mädchennamen Kildow am Start, und Nadia Styger aus der Schweiz.

Und vielleicht kann Klaus Kröll als Depp vom Tag ja einmal bei der Kanadierin Kelly Vanderbeek nachfragen. Die war in jenem Super-G ebenfalls Vierte - mit nur einer Hundertstelsekunde Rückstand.

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