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Schwimmen: Steffen und Biedermann siegen bei Meisterschaft

Uhr | Aktualisiert 25.11.2012 17:44 Uhr
Britta Steffen wurde über 50 Meter Freistil deutsche Meisterin. (FOTO: DPA) 
Britta Steffen und Paul Biedermann haben den nationalen Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal ihren Stempel aufgedrückt - sowohl sportlich als auch außerhalb des Wassers.
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Wuppertal/dpa. 

Sie reisten als Rebellen an, holten jeweils zwei Titel und schlossen wieder Frieden mit dem Deutschen Schwimm-Verband: Britta Steffen und Paul Biedermann haben den nationalen Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal ihren Stempel aufgedrückt - sowohl sportlich als auch außerhalb des Wassers. Ihre Leistungen stimmten, auch zum Abschluss am Sonntag. Steffen gewann die 50 Meter, ihr Freund Biedermann die 400 Meter Freistil.

Wie gut Deutschlands Vorzeige-Schwimmpaar nach den enttäuschenden Olympischen Spielen in London wieder in Form ist, wird aber erst die WM vom 12. bis 16. Dezember in Istanbul zeigen. „Bis dahin müssen wir uns noch steigern“, sagten beide unisono. Biedermann, der in Istanbul über 400 Meter als Titelverteidiger an den Start geht, fügte hinzu: „In diesem Jahr wird ohnehin nichts mehr die Ernüchterung von Olympia aufwiegen können.“

Steffen wirkt nach ihrer Weltcup-Tour quer über den Globus immerhin stabil und gefestigt. Über 50 Meter Freistil gewann die Doppel-Olympiasiegerin von Peking, die in London wie alle anderen DSV-Beckenschwimmer ohne Medaille geblieben war, in 24,20 Sekunden. Biedermann gab sich bei seinem Sieg in 3:41,69 Minuten über 400 Meter Freistil keine Blöße.

Zuvor hatten beide spät nachts am Freitag in einem 90-minütigen Friedensgespräch mit DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow ihren Streit mit dem Verband beigelegt. „Wir haben mit auf den Weg genommen, dass wir künftig nicht über die Medien, sondern miteinander kommunizieren wollen. Ich hoffe aber, dass wir einen Prozess angeschoben haben“, sagte Steffen.

Die 29-Jährige hatte DSV-Präsidentin Christa Thiel mangelnde Leidenschaft für den Schwimmsport unterstellt und ihre Ablösung gefordert. Außerdem hatten Steffen und Biedermann die Unterstützung durch den Verband bemängelt. Buschkow, der zwischendurch zum „TV Total Turmspringen“ zu Stefan Raab geflogen war, erklärte: „Wir haben eine Basis gefunden, um vernünftig zusammen zu arbeiten. Wir werden in Zukunft noch besser über die Strukturen im Verband aufklären.“

Nur acht Athleten erfüllen WM-Norm

Insgesamt qualifizierten sich nur acht Athleten für die WM - deutlich weniger als erhofft. Im Vorfeld der DM sowie EM im französischen Chartres hatte Diagnostik-Bundestrainer Markus Buck noch ein Team mit 20 WM-Startern als Ziel ausgegeben. Zudem wird Sarah Köhler wegen einer Meniskus-Operation nicht an der WM teilnehmen können.

Dass das Niveau bei der DM zum Teil mit einem großen Fragezeichen versehen werden muss, verdeutlichten die Entscheidungen über 50 und 200 Meter Schmetterling. „Ich habe nur gewonnen, weil die anderen keine Lust hatten“, erklärte Johannes Dietrich nach seinem Sieg über 50 Meter. Ähnlich äußerte sich Marco Koch nach seinem überraschenden Erfolg über 200 Meter.

„Ich bin die Strecke aus Spaß geschwommen“, sagte der Darmstädter, dessen Stärke die Brustdisziplin ist. Koch, der übrigens nicht mehr mit dem früheren Bundestrainer Dirk Lange zusammen arbeitet, war über sich selbst erstaunt: „Eigentlich kann ich Schmetterling gar nicht richtig.“

Bei der EM in Chartres, wo die französische Olympiasiegerin Camille Muffat am Freitag mit ihrem Weltrekord über 400 Meter Freistil in 3:54,85 Minuten für den sportlichen Höhepunkt gesorgt hatte, blieb der DSV-Nachwuchs auch am letzten Tag ohne Medaille. Talente wie die 15 Jahre alte Berlinerin Margarethe mit ihrem sechsten Platz über 50 Meter Brust geben dem DSV aber durchaus Hoffnung für die Zukunft.

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