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Schwimm-WM: Beste DSV-Bilanz seit sechs Jahren

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Britta Steffen schlug nach 24,04 Sekunden an und verpasste ihre Saisonbestzeit nur knapp. (FOTO: DPA) 
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Auf die goldene Premiere folgte der glücklose Schlusspunkt: Nach dem ersten WM-Gold ihrer Karriere auf der Kurzbahn ist Schwimmstar Britta Steffen am letzten Wettkampftag der Weltmeisterschaften in Istanbul leer ausgegangen.
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ISTANBUL/sid. 

Die 29-Jährige aus Halle/Saale schwamm über 50 m Freistil nur auf Platz vier (24,04 Sekunden).

Dennoch waren die Titelkämpfe auf der 25-m-Bahn für sie eine erfolgreiche Frustbewältigung nach ihrer Olympia-Enttäuschung. „Es ist schade, dass es so knapp an einer Medaille vorbei war, aber es ist auch okay“, sagte Steffen, die ihre Saisonbestzeit um drei Hundertstelsekunden verpasste: „Ich weiß jetzt nicht, was ich großartig falsch gemacht haben könnte. Vielleicht hätte ich vor der Wende nicht atmen dürfen.“

Ein zweites WM-Gold nach dem Triumph über 100 m am Freitag sei angesichts der Topform von Siegerin Aliaxandra Herasimenia aus Weißrussland (23,64) ohnehin kaum zu realisieren gewesen: „Ihre Zeit ist eine andere Welt.“ Insgesamt holte das zwölfköpfige DSV-Team bei den nur mäßig besetzten Titelkämpfen vier Medaillen (2 Mal Gold, 1 Mal Silber, 1 Mal Bronze) und war damit auf dem Papier so erfolgreich wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Allerdings fehlten die meisten internationalen Top-Athleten, zudem war die Abhängigkeit von den Stars Steffen und Paul Biedermann, die alle drei deutschen Einzelmedaillen gewannen, erneut eklatant. In den kommenden Wochen steht für Steffen der Umzug ins erste gemeinsame Heim in Halle mit Lebensgefährte Biedermann an. Auch der Weltrekordler fand einen versöhnlichen Abschluss eines ansonsten enttäuschenden Sport-Jahres 2012 und räumte mit Gold (400 m Freistil), Silber (200 m Freistil) und Bronze (4x200-m-Freistilstaffel) den kompletten Medaillensatz ab.

„Kleine Pflaster auf der großen Wunde Olympia“, nannte Biedermann seine Podestplätze. Der Cottbuser Christian Diener musste sich im derweil im Finale über 200 m Rücken wie schon auf der halben Strecke mit Platz acht (1:52,48) begnügen, dennoch war der 19-Jährige aus deutscher Sicht eine positive Überraschung. „Ich bin nicht ganz zufrieden, aber das Rennen hat wieder viel Spaß gemacht“, sagte Diener.

Am Samstag hatte sich zudem der neue Chef-Bundestrainer Henning Lambertz mit einer kurzen Ansprache der Mannschaft offiziell vorgestellt. „Das war ganz niedlich“, sagte Steffen: „Ich glaube, der Tenor der Mannschaft ist sehr positiv. Henning freut sich auf seine Aufgabe, und das ist ja schon mal eine gute Voraussetzung.“

Anfang Januar will Lambertz den Heimtrainern sein Konzept erläutern, wie er die deutschen Schwimmer zurück in die Erfolgsbahn führen will. Doch der Essener warnte: „Wir werden erstmal eine Durststrecke überwinden müssen.“ Die Glanzlichter aus internationaler Sicht setzte bei der WM eindeutig Ryan Lochte.

Der fünfmalige Olympiasieger aus den USA schwamm zu insgesamt sechs Titeln sowie zwei Kurzbahn-Weltrekorden und wertete allein mit seiner Anwesenheit die Veranstaltung mächtig auf. Zudem sammelte der Sonnyboy Pluspunkte beim Publikum, weil er alle seine Goldmedaillen an türkische Kinder verschenkte.

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